Di., 20.02.2018

Investor aus der Branche: Möbelhersteller hofft auf neuen Schwung Interlübke steht vor Verkauf

Interlübke-Geschäftsführer Patrik Bernstein bei der Möbelmesse in Köln. Das Rheda-Wiedenbrücker Unternehmen soll mit neuem Eigentümer wieder Gewinne schreiben.

Interlübke-Geschäftsführer Patrik Bernstein bei der Möbelmesse in Köln. Das Rheda-Wiedenbrücker Unternehmen soll mit neuem Eigentümer wieder Gewinne schreiben. Foto: Oliver Schwabe

Von Oliver Horst

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der traditionsreiche Wohnmöbelhersteller Interlübke steht vor dem nächsten Eigentümerwechsel. Diesmal will ein Unternehmen aus der Branche die Rheda-Wiedenbrücker kaufen und sich langfristig engagieren. Bei Interlübke wird die sich abzeichnende Übernahme als große Chance gesehen, heißt es.

Ende 2012 musste das 1937 gegründete Familienunternehmen Insolvenz anmelden. Danach führte Leo Lübke den Wohn- und Schlafzimmermöbelhersteller zunächst noch parallel zum Schwesterunternehmen Cor weiter. Im Herbst 2014 folgte aber der Verkauf an Finanzinvestoren um die dann zunächst als Geschäftsführer agierenden Dr. Peter Rutishauser und Dr. Richard Lenz.

Sie verordneten dem Unternehmen einen Sparkurs und führten es mit dem seit August 2016 eingesetzten Geschäftsführer Patrik Bernstein zurück auf Erfolgskurs. Ein Auftragstief im Sommer 2017 bedeutete aber einen Rückschlag und das Verfehlen der Jahresziele: Geplant waren ein Umsatzanstieg von rund 21 auf 23 Millionen Euro und eine schwarze Null. Es fiel aber ein Millionenverlust an. Inzwischen ist die Auftragslage »wieder hervorragend«, sagt Bernstein. Dem Vernehmen nach besteht aber Kapitalbedarf.

Schramm soll interessiert sein

Die Inhaber einer 2016 begebenen Anleihe der Interlübke-Holding sind nun aufgefordert, von Dienstag bis Freitag ihre Zustimmung zum Konzept zu geben, das den Weg zum Verkauf ebnen soll. Dem Vernehmen nach handelt es sich beim potenziellen Käufer um den mittelständischen, in dritter Generation familiengeführten Möbelhersteller Schramm mit Sitz in Winnweiler bei Kaiserslautern.

Offenbar will das 1923 gegründete Unternehmen Interlübke über die neu gegründete »Neckarsee 418.VV GmbH« erwerben. Im Zuge dessen sollen die Inhaber der 414 Schuldverschreibungen im Wert von 2,07 Millionen Euro auf Teile ihrer Forderungen verzichten. Sie werden um die Zustimmung zu einem Restrukturierungsplan gebeten. Der sieht zunächst einen Verzicht auf 1,57 Millionen Euro und ausstehende Zinsen vor. Es sollen zunächst noch rund 500.000 Euro ausgezahlt werden – durch die übernehmende Neckarsee GmbH.

160 Mitarbeiter derzeit

Der Betrag soll Teil des Kaufpreises von mindestens 600.000 Euro für die Rechte an der Marke »Interlübke« sein. Bis zu 1,249 Millionen Euro könnten zusätzlich von 2019 bis 2024 an die Anleiheinhaber fließen, wenn sich Interlübke in neuer Hand erfolgreich entwickelt. So sind Nachzahlungen ab einem Jahresumsatz von mehr als 20 Millionen vorgesehen.

Zu den aktuellen Entwicklungen wollte sich Bernstein, der Geschäftsführer bleiben soll, gestern mit Verweis auf laufende Verhandlungen und die am Freitag endende Frist nicht äußern. Aus dem Firmenumfeld heißt es, eine Übernahme durch Schramm werde sehr positiv gesehen.

Zu Spitzenzeiten rund um den Jahrtausendwechsel beschäftigte Interlübke 750 Mitarbeiter. Das Werk in Marienfeld wurde dann aber geschlossen. Die Beschäftigtenzahl sank bis zur Insolvenz auf knapp 300, heute liegt sie bei 160.

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