Fr., 18.05.2018

Studie: Es mangelt an geeigneten Flächen – Probleme an Gütersloher Straße Stadt wächst ­– aber Wohnungen fehlen

Im Neubaugebiet Kaiserforst, südlich Wiedenbrücks gelegen, entstehen derzeit 148 Wohneinheiten. Dabei handelt es sich vorrangig um Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser. Bis 2020 sollen in der Doppelstadt bis zu 774 Wohnungen gebaut werden.

Im Neubaugebiet Kaiserforst, südlich Wiedenbrücks gelegen, entstehen derzeit 148 Wohneinheiten. Dabei handelt es sich vorrangig um Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser. Bis 2020 sollen in der Doppelstadt bis zu 774 Wohnungen gebaut werden. Foto: Borgmeier

Von Carsten Borgmeier

Rheda-Wiedenbrück (WB). Bis zum Jahr 2035 müssten laut einer aktuellen Studie in Rheda-Wiedenbrück etwa 3350 neue Wohnungen gebaut werden. Bürgermeister Theo Mettenborg (47, CDU) und der Technische Beigeordnete Stephan Pfeffer (54) haben am Donnerstag erläutert, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind.

»Wir gehören zu den Gewinnern«, kommentierte der Bürgermeister den Zuzug von mehr als 10.000 Menschen nach Rheda-Wiedenbrück in den vergangenen 30 Jahren. Während andere Kommunen in Ostwestfalen-Lippe – wie zum Beispiel Höxter – sinkende Einwohnerzahlen zu vermelden hätten, wachse Rheda-Wiedenbrück hauptsächlich infolge wirtschaftlicher Prosperität.

Demnach lebten 1988 – dem Jahr der Landesgartenschau (LGS) – ungefähr 38.000 Menschen in der Doppelstadt an der Ems. Zum Ende Dezember 2017 waren es nach Angaben aus dem Bürgerbüro 49.928 Einwohner. Doch dieses Wachstum sei ein »wichtiges, forderndes Thema« für Politik und Stadtverwaltung, betonte Mettenborg. In dem Zusammenhang war 2017 die Wohnraum-Studie erstellt worden, in der der örtliche Bedarf ermittelt wurde.

1309 wohnungssuchende Haushalte mit fast 3000 Personen

»Vom sozialen Wohnungsbau bis hin zum Einfamilienhaus für junge Familien – auf allen Ebenen gibt es Menschen bei uns, die ein neues Zuhause suchen«, fasste Stephan Pfeffer als Technischer Beigeordneter zusammen. Aktuell gibt es nach Auskunft des 54-Jährigen in der Stadt 1309 wohnungssuchende Haushalte mit fast 3000 Personen. Pro Jahr entstehen nach Pfeffers Angaben in Rheda-Wiedenbrück im Schnitt 186 Wohnungen. Die größten Probleme, mehr zu bauen, seien der schwierige Grunderwerb sowie restriktive Regelungen der Bezirksregierung Detmold. Diese Vorgaben machten es demnach nahezu unmöglich, Bauland in ländlichen Bereichen der Stadt wie beispielsweise in Batenhorst oder St. Vit auszuweisen, sagte Bürgermeister Mettenborg. Und Grundstückseigentümer hätten vielfach einfach kein Interesse, ihre Flächen zu verkaufen.

In den kommenden zwei Jahren sollen in Rheda-Wiedenbrück der Studie zufolge bis zu 774 neue Wohnungen entstehen: Als Beispiele werden die Baugebiete Landweg mit etwa 68 Wohneinheiten, Kaiserforst (148 Wohneinheiten) sowie Pflug (bis zu 103 Wohneinheiten) genannt. Auch am Rondell werde gebaut. Zu 20 Prozent handele es sich dabei auch um öffentlich geförderte Wohnungen für Familien/Personen mit geringem Einkommen. Im Bereich der Simonssiedlung sollen zwischen 25 und 50 Wohneinheiten nachträglich hinzugebaut werden, Fachleute sprechen dabei von einer Nachverdichtung.

Probleme mit Nachbarn an der Gütersloher Straße

Dass neuer Wohnraum nicht automatisch nur zu positiven Ergebnissen führt, ist derzeit an der Gütersloher Straße zu erleben: In jenem Bereich, an dem früher das Evangelische Krankenhaus Rheda stand, sind Leiharbeiter eines örtlichen Schlachthofes eingezogen. Bei den Mietern soll es sich hauptsächlich um Männer aus Osteuropa handeln, die, wohl rechtskonform, zwei Gebäude mit insgesamt 24 Wohnungen nutzen. In jeder dieser Wohnungen leben nach übereinstimmender Auskunft von Stadtverwaltung und Anwohnern zwischen vier bis sechs Leiharbeiter.

»Wenn man uns das vorher gesagt hätte, hätten wir hier keine Eigentumswohnung gekauft«, sagte ein verärgerter Anwohner (66), der anonym bleiben möchte und der um den Wert seiner Immobilie fürchtet. Einige der mehr als 100 Leiharbeiter, die nach Informationen dieser Zeitung pro Kopf im Monat 200 Euro Miete zu zahlen haben, lärmten und feierten oft bis tief in die Nacht, was schon zu Polizei-Einsätzen geführt habe. Andere Anwohner, die ebenfalls dort Wohnungen kauften, sprechen von arglistiger Täuschung: Der Makler habe ihnen damals von den Leiharbeitern als zukünftige Nachbarn nichts berichtet.

Von Seiten der Stadtverwaltung sei man mit den Vermietern im Gespräch, um die Situation zu entspannen, sagte Mettenborg. Auch Vertreter der Schlachthof-Subunternehmer haben sich am Mittwoch nach Auskunft von Nachbarn in und an den Leiharbeiter-Wohnungen umgesehen und erkundigt, wo es Probleme gebe.

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