So., 24.12.2017

Wie oft haben die Politiker getagt? Rietberger Bürgermeister legt Statistik vor 91 Stunden lang geredet

Legt eine aktuelle Staistik über die Anzahl und Länge von Sitzungen im Jahr 2017 vor: Rietbergs Bürgermeister Andreas Sunder.

Legt eine aktuelle Staistik über die Anzahl und Länge von Sitzungen im Jahr 2017 vor: Rietbergs Bürgermeister Andreas Sunder. Foto: Stefan Lind

Von Stefan Lind

Rietberg (WB). »Man darf über alles reden, nur nicht über zehn Minuten«. Der Satz von Kurt Tucholsky, oft zitiert, mag ein gut gemeinter Ratschlag sein, im politischen Alltag lässt er sich schwer bis gar nicht umsetzen. Exakt 91 Stunden und neun Minuten haben die Gremien der Stadt Rietberg vom Rat über den Fachausschuss bis zum Aufsichtsrat der Gartenschaupark GmbH im abgelaufenen Jahr getagt.

Das geht aus Unterlagen hervor, die Bürgermeister Andreas Sunder zu Beginn der jüngsten Ratssitzung (die natürlich noch nicht in die Statistik einging) der Öffentlichkeit präsentierte. Er hatte eigens eine neunseitige Power-Point-Präsentation vorbereiten lassen, um die Zahlen besser erläutern zu können.

Was die Übersicht deutlich machte: Mittlerweile kommen Rat und Verwaltung zu deutlich mehr Sitzungen zusammen als noch vor ein paar Jahren. 2010 waren es 34, 2017 bereits 50. Allerdings: Rechnet man die Durchschnittslänge jedes Termins aus, so geht es inzwischen zumindest etwas flotter zu in den Diskussionen. 2010 lag diese Zahl bei 1 Stunde und 57 Minuten, inzwischen sind es 1 Stunde und 48 Minuten.

Mehr Sitzungen als noch im Jahr 2010

Acht Mal tagte im abgelaufenen Jahr der Rat, sieben Mal der Grundstücksausschuss, fünf Mal der Haupt- und Finanzausschuss, um ein paar Beispiele zu nennen. Spitzenreiter ist in jeder Beziehung der Bau-, Planungs- und Verkehrsausschuss. Das Gremium kam zu neun Sitzungen zusammen, die sich auf 21 Stunden und 40 Minuten addieren, im Durchschnitt 2 Stunden und 25 Minuten. Erschwerend kommt hinzu, dass es hier einige Ausreißer nach oben gab. 4 Stunden und 20 Minuten brauchten alle Beteiligten am 5. Dezember, um zum Ende zu kommen, im Mai waren es 3 Stunden und 25 Minuten. Doch auch im Haupt- und Finanzausschuss (3 Stunden und 52 Minuten) und im Rat (3 Stunden und 35 Minuten) wurde schon über Gebühr diskutiert.

Die überbordende Länge so mancher Sitzung war schon in der Vergangenheit immer mal wieder Ziel heftiger Kritik – von Zuhörern, die manches Mal lange warten mussten, bis der Tagesordnungspunkt, der sie interessierte, aufgerufen wurde, aber auch von Kommunalpolitikern, die sich nach einem langen Arbeitstag nicht noch stundenlang mit gleich mehreren hochkomplexen Themen auseinandersetzen wollten.

»Unser erklärtes Ziel muss es sein, die Ausreißer von der Zahl her zu reduzieren«, betonte Bürgermeister Andreas Sunder vor dem Rat. Es sei wichtig, sich stärker auf die Regeln im Umgang miteinander zu konzentrieren. Und wenn es denn gar zu lange dauere, sei eine Pause zwischendurch dringend notwendig.

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