Mo., 16.04.2018

A-Capella-Gruppe Maybebop überzeugt das Publikum in der Cultura Zuhörer toben vor Begeisterung

»Liturgie« heißt dieses Stück, das ironisch den neuen Heiligtümern wie Smartphone oder Fußball huldigt. Dafür knien Christoph Hiller, Jan Malte Bürger, Lukas Teske und Oliver Gies (von links) auch gerne einmal.

»Liturgie« heißt dieses Stück, das ironisch den neuen Heiligtümern wie Smartphone oder Fußball huldigt. Dafür knien Christoph Hiller, Jan Malte Bürger, Lukas Teske und Oliver Gies (von links) auch gerne einmal. Foto: Stefan Lind

Von Stefan Lind

Rietberg  (WB). Es ist 22.15 Uhr, und in der Cultura sitzt niemand mehr auf seinem Stuhl. Die Jungs von Maybebop sind da, jener A-Cappella-Gruppe, die seit Jahren unermüdlich durch die Lande reist und ihr Publikum mit Vorstellungen auf allerhöchstem Niveau begeistert. In Rietberg ist es nicht anders, die Menschen im fast ausverkauften Rundtheater toben vor Begeisterung.

Ja, die Herren sind schon viel herumgekommen, aber in Rietberg gastieren sie zum ersten Mal. »Hey, wir wollten immer schon mal in einem Getreidesilo singen«, lästern sie angesichts des Veranstaltungsortes. Gähn! Alle Witze über die Cultura sind in den vergangenen Jahren schon von anderen Künstlern gemacht worden. Aber egal. Viel wichtiger ist, dass die musikalischen Gäste authentisch und ausgesprochen sympathisch rüberkommen. Da kichern die anderen drei schon mal spontan über eine alberne Ansage ihres Kollegen, da vergisst einer zwischendurch den Text oder die Batterien im Sender müssen ausgetauscht werden.

Neuer Mann fügt sich gut ins Ensemble ein

Dass die Vorstellung bei aller Professionalität auch ein Hauch der Improvisation umweht, liegt an der Tatsache, dass Langzeit-Bass Sebastian Schröder krankheitsbedingt eine sechsmonatige Pause einlegen muss. Ersetzt wird er durch Christoph Hiller, doch das Wort Ersatz ist kein angemessener Ausdruck, denn der neue Mann, der in Rietberg erst seinen zweiten Auftritt mit Maybebop absolviert, fügt sich mit seiner angenehmen Stimme und seinem souveränen Auftreten so elegant in das Ensemble ein, als sei er schon immer dabei. Sogar einen Song aus seiner Feder singt das Quartett, »Teardrops«, und er gibt der aufgeführten Musik damit eine ganz neue Klangfarbe.

Ansonsten macht Maybebop auch nicht den Fehler, sich ausschließlich auf die Kompositionen des Band-Masterminds Oliver Gies zu verlassen. Die sind immer hörenswert, zumeist mit einem oder mehreren unerwarteten textlichen Schlenkern versehen, aber doch in ihrer Struktur oft sehr ähnlich. Mischt man sie aber in ein Repertoire, in dem auch Coverversionen und unerwartete Bearbeitungen Platz haben, fügt sich alles zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

Marcel aus dem Publikum singt mit

Und so geht es denn, ganz dem Programmtitel »sistemfeler« entsprechend, um eine Welt, »wo das WLAN sich ganz von allein verbindet«. Die »kleine Melodie« erweist sich als ungemein anspruchsvolle gesungene Version des Dave-Brubeck-Klassikers »Blue Rondo a la Turk« (im 9/8-Takt!), und wenn das wunderhübsche »Dat du min Leevsten büst« auf Plattdeutsch erklingt, ist es ganz still im Saal. Das ändert sich schlagartig, als Marcel aus dem Publikum (eigentlich aus Ahlen) mit Maybebop singen darf.

Er hatte sich vorher gemeldet und das Stück »Festung« ausgesucht. Sein Vortrag ist erste Sahne, der Beifall will gar nicht enden. Und natürlich gibt es wie in jedem Konzert ein improvisiertes Stück, auf der Bühne erdacht von Oliver Gies nach Zurufen aus dem Publikum. Es entsteht ein Reggae, in dem es um die Angst vor Freitag, dem 13., geht. Das Fachwort dafür heißt Triskaidekaphobie, und selbst das bekommt er im Text unter.

Zwei Zugaben gibts für das Publikum, das sich vor Begeisterung gar nicht beruhigen will, und das Versprechen: »Wir kommen gerne wieder nach Rietberg.« Wer in die glücklichen Gesichter der vier Herren blickt, der weiß: Das meinen die auch so!

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