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Fr., 17.06.2016

Förderverein Dokumentationsstätte Stalag plant neue Ausstellung Exponate gesucht

Der Förderverein Dokumentationsstätte Stalag plant eine neue Ausstellung: (von links) Vorsitzender Manfred Büngener, Victoria Evers mit einem von Kriegsgefangenen gebastelten Strohkästchen und einer Tasse, und Geschäftsführer Oliver Nickel.

Der Förderverein Dokumentationsstätte Stalag plant eine neue Ausstellung: (von links) Vorsitzender Manfred Büngener, Victoria Evers mit einem von Kriegsgefangenen gebastelten Strohkästchen und einer Tasse, und Geschäftsführer Oliver Nickel. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock(WB). Der Förderverein Dokumentationsstätte Stalag 326 plant eine neue Ausstellung. Zeitzeugen, Bilder, Briefe oder Objekte aus den drei Zeitabschnitten Kriegsgefangenenlager, Internierungslager Eselheide/Staumühle und Sozialwerk Stukenbrock werden gesucht.

Die Ausstellung wird nicht vor 2018/19 fertig sein, sagten am Freitag der Vorsitzende des Fördervereins, Manfred Büngener, und Geschäftsführer Oliver Nickel. Seit zwei Jahren laufen die Vorarbeiten. Recherchiert wurde im Militärarchiv Freiburg, im Bundesarchiv Koblenz, im National Archives London und in regionalen Archiven und Datenbanken, um Quellen zu sichern. »Wir haben Fotos und 1000 neue Dokumente gefunden, die uns jetzt digital vorliegen«, sagt Nickel. Er hat bereits acht Interviews mit Zeitzeugen geführt – mit einem Mann, dessen Vater Wachmann im Stalag war, mit Landwirten und deren Kindern, die auf dem Hof Kriegsgefangene eingesetzt haben. »Die Bereitschaft zu reden, wird größer. Wir haben bewiesen, dass wir sensibel mit Daten umgehen und dass wir wissenschaftlich arbeiten. Die Menschen verstehen, wie wichtig Geschichte ist. Viele wollen ihre Geschichten erzählen und nicht mit ins Grab nehmen.«

Italienische Tagebücher

Maristella dalla Costa zum Beispiel ist Tochter eines italienischen Kriegsgefangenen, der den Krieg überlebt hat. Sie hat der Dokumentationsstätte die Tagebücher ihres Vaters als Kopie zur Verfügung gestellt. »Wir möchten die Tagebücher gerne übersetzen und als Buchprojekt herausbringen«, sagt Nickel.

Das Ausstellungsteam besteht aus Oliver Nickel, Victoria Evers, Jens Hecker, Norbert Ellermann, Friedhelm Schäffer, Olga Ohly, Laura Niewöhner, Tatiana Rumyantseva, Jens Pape und Jan Tiemann. Historiker aus Berlin beraten das Team zu museumspädagogischen Konzepten, sie besichtigen Ausstellungen anderer Gedenkstätten. Kooperiert wird auch mit Universitäten, Professorin Andrea Becher von der Uni Paderborn arbeitet mit den Stalag-Leuten zum Beispiel das Thema für Grundschüler auf.

Objektsprechstunde und Erzählcafé

Wer Fotos oder Gegenstände hat, wird gebeten, sich mit der Dokumentationsstätte in Verbindung zu setzen, Telefon 05257/3033 (donnerstags von 10 bis 14 Uhr oder auf Anrufbeantworter Nachricht mit Telefonnummer hinterlassen) oder per E-Mail unter der Adresse info@stalag326.de. Hier kann auch eine »Objektsprechstunde« vereinbart werden. »Wir versuchen herauszufinden, ob Gegenstände, Bilder oder Fotos aus dem Stalag stammen«, sagt Victoria Evers. Viele haben noch etwas, verkaufen es aber im Internet-Kaufhaus Ebay oder werfen es weg. Über Fundstücke könne ein Leihvertrag geschlossen werden, oder Dokumente und Bilder kopiert werden.

Der Förderverein plant außerdem ein Erzählcafé – voraussichtlich aber erst ab Herbst 2017. Denn viele haben Erinnerungen. Eine Bielefelderin zum Beispiel hat im Sozialwerk ein Pippi-Langstrumpf-Buch geschenkt bekommen – wie sie sagt, ihre schönste Erinnerung an ihre Kindheit.

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