Do., 08.02.2018

Gutachter stellt im Rat Verbesserungsmöglichkeiten an den Bahnübergängen vor Wartezeiten lassen sich halbieren

Ärgernis Wartezeiten an den Bahnübergängen wie hier an der Holter Straße: Gutachter Martin Vieregg zeigt Möglichkeiten auf, die Wartezeiten zu halbieren.

Ärgernis Wartezeiten an den Bahnübergängen wie hier an der Holter Straße: Gutachter Martin Vieregg zeigt Möglichkeiten auf, die Wartezeiten zu halbieren. Foto: Matthias Kleemann

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). In der Stoßzeit stehen Autofahrer im Stau vor den Bahnübergängen. Das hat sich verschärft, als der Halbstundentakt und Tempo 100 auf der Strecke Bielefeld-Paderborn möglich wurde. Jetzt gibt es aber Möglichkeiten, die Wartezeit zu verkürzen.

Lange hat die Stadt nach einem Gutachter gesucht, der nicht für die Bahn arbeitet, um die Schrankenschließung und die Ampelschaltung zu untersuchen. Im Rat hat am Dienstag Martin Vieregg vom Büro »Vieregg-Rössler Innovative Verkehrsberatung« detailliert vorgestellt, was geht. »Ich habe die Komplexität unterschätzt und noch einen Eisenbahnfachmann dazugeholt«, sagte Vieregg.

Die größten Probleme entstehen an den Bahnübergängen an den Hauptverkehrsstraßen wenige Meter vor einer Ampelkreuzung an der Oerlinghauser Straße und an der Holter Straße. Im Verlauf ist dann auch der Übergang der Bahnhofstraße betroffen. Die Ampelkreuzungen werden von der Bahn gesteuert. Passiert der Zug den Einschaltpunkt, zeigt das Signal am Andreaskreuz Rot und schaltet an der Ampel alle Richtungen auf Rot. Beide Kreuzungen erhalten die Note D, das entspricht der Schulnote 4. Vieregg erklärt: »Zumindest schaukelt sich der Stau nicht bis zur nächsten Schrankenschließung auf.«

Er berichtet, dass die Stadt selbst etwas tun kann, indem die Links- und Rechtsabbiegespuren verlängert werden. Von Eisenbahn-Seite sei das Optimierungspotenzial am größten. Die Vorlaufzeiten seien so berechnet, dass ein Zug mit Tempo 100 ohne Halt in der Stadt durchfahren kann. Das passiert aber nur selten. »99,9 Prozent der Züge halten am Bahnhof und fahren nicht 100.« Es sei zwar selten praktiziert, aber möglich, die Fahrstraße mit zwei Einschaltpunkten auszurüsten. Dann wird die Schrankenschließzeit halbiert wie auch die Wartezeit im Stau. Die Kosten schätzt Vieregg auf 400.000 Euro.

Vieregg stellte weitere Ideen vor: Die Kreuzung Oerlinghauser Straße könnte mit einer Straßenbrücke, einem Bypass über die Straße Am Bahndamm und zwei Fußgängerunterführungen umgangen werden (Kosten: 11 Millionen Euro), die Eisenbahn könnte in einen Trog oder Graben tiefergelegt werden (50 Millionen Euro und mindestens zwei Jahre Bauzeit, in der keine Bahn fährt). Das ist Zukunftsmusik, allerdings sollte das Gelände im Flächennutzungsplan für die Planung künftiger Generationen freigehalten werden. Die Kosten tragen zu je einem Drittel Straßenbaulastträger, Deutsche Bahn und Bund. Zuschüsse gibt’s, wenn man auf einen Bahnübergang verzichtet.

Die Politiker waren überrascht. Es ist mehr möglich als erwartet. Das Konzept könne an Land und Nahverkehrsgesellschaft gehen. Der Ordnungsausschuss befasst sich am 27. Februar damit.

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