Mi., 14.02.2018

Polzenith-Kessel verfeuert am Hallenbad Naturholz – geringer Feinstaubausstoß Herz der Nahwärmeinsel

Lars Pollmeier (2. von links) erklärt im Inneren des Heizcontainers Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Florian Ostermann (Energieagentur Lippe) und Fachbereichsleiter Manfred Bonensteffen (von links), wie der Kessel mit Holz befüllt wird.

Lars Pollmeier (2. von links) erklärt im Inneren des Heizcontainers Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Florian Ostermann (Energieagentur Lippe) und Fachbereichsleiter Manfred Bonensteffen (von links), wie der Kessel mit Holz befüllt wird. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Bürgermeister Hubert Erichlandwehr geht davon aus, dass das Holzheizwerk am Hallenbad ein »Leuchtturmprojekt« wird, das Vertretern anderer Kommunen als Beispiel dienen könnte. Das heimische Unternehmen Polzenith hat am Dienstag den Kessel im Container geliefert. Im April wird das Holzheizwerk in Betrieb gehen.

Technische Daten

Die Nahwärmeinsel kostet 1,5 Millionen Euro, 245.000 Euro davon bekommt die Stadt als Förderung. Der Holzheizkessel hat eine Leistung von 600 kw, das BHKW 50 kw thermisch und 90 kw elektrisch. Die erzeugte Wärme liegt bei 2,65 Millionen kwh pro Jahr. Für April ist der erste Probebetrieb geplant.

Das Holzheizwerk ist das Herzstück der Nahwärmeversorgung der »Insel« aus Hallenbad, Turnhalle, Real-/Gesamtschule, Gymnasium und Rathaus. Das Blockheizkraftwerk im Hallenbad bleibt in Betrieb, ein weiteres wird noch installiert. »Wir haben immer mal wieder vorgefühlt, ob die Stadt solch eine Lösung möchte«, sagt Lars Pollmeier, mit seinem Bruder Gregor junior Geschäftsführer des Unternehmens Polzenith. Das 1962 gegründete Unternehmen baut vor allem Heizzentralen für die Holzindustrie und den Gartenbau. Das Holzheizwerk in Schloß Holte-Stukenbrock ist etwas kleiner, aber der erste kommunale Auftrag.

»Die Heizkessel in Hallenbad und Realschule mussten mittelfristig erneuert werden. Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, ob wir weiter auf konventionelle Techniken setzen, oder etwas anderes prüfen«, sagt der Leiter des Fachbereichs Tiefbau und Umwelt, Manfred Bonensteffen. Florian Ostermann, Projektingenieur der Energieagentur Lippe, hat geprüft, ob ein Nahwärmenetz technisch und wirtschaftlich zu betreiben ist.

Regenerativen Brennstoff ersetzt fossilen

Zurzeit wird die Wärme noch mit Gasverbrennung erzeugt. Mit dem Holzheizwerk werden 30 Prozent der Kosten im Vergleich gespart. Wesentlicher sei aber, dass der fossile Brennstoff (Gas) gegen regenerativen (Holz) ausgetauscht werde. »Das ist klimaneutral. Im Vergleich zum Bestand werden 525 Tonnen Kohlendioxid weniger erzeugt, das entspricht 71,5 Prozent weniger. Die Anlage, so Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, amortisiert sich nach 13 Jahren.

Naturholz aller Art nutzbar

Besonders wichtig ist Lars Pollmeier, dass die Anlage keine Designer-Hackschnitzel benötige, sondern Naturholz aller Art verdaue. Das Holz wird vor der Verbrennung gehäckselt auf eine Größe von 10 bis 30 Zentimetern Länge. Der Kessel verträgt auch eine restfeuchte von 60 Prozent. Mit der Abgastechnik liegt das Holzheizwerk besser als jedes andere Kraftwerk. Erlaubt seien 20 Milligramm Feinstaub pro Kubikmeter Abluft, erreicht werden 3 Milligramm. »Die Brennstoffpalette, die Filtertechnik und die Möglichkeit, kostengünstig bei Bedarf zu erweitern ist das Besondere des Holzheizwerks im Container«, sagt Lars Pollmeier. Die Montage dauert gerade mal drei Tage.

Zusätzlich zum Holzheizwerk wird das Blockheizkraftwerk im Hallenbad und ein weiteres im Stromverbund Turnhalle, Hallenbad und Real-/Gesamtschule die Hälfte des Strombedarfs der Gebäude decken.

Eventuell pflanzt Stadt selbst Holz an

Durchschnittlich werden pro Woche zwei Lastwagen-Ladungen Holz verfeuert, im Winter vier. Da 40 Prozent des Stadtgebiets Wald sind, herrscht kein Mangel an Nachschub. Der Sturm Friederike hat viel Holz eingeschlagen. Genutzt wird Forst-, Rest- und Kronenholz. Nicht angenommen werden Gartenabfälle, die nach wie vor gegen Gebühr beim Klärwerk abgegeben werden können. Die Stadt könne sich auch vorstellen, selbst Brennstoff anzupflanzen. Auf einer städtischen Fläche könnten schnell wachsende Hölzer wie Eschen und Weiden herangezogen werden.

Die Holzheizanlage der Nahwärmeinsel wird zentral gesteuert, zwei Mitarbeiter des Bauhofes werden abgestellt, um Lieferungen entgegenzunehmen. In der neuen Halle hinter dem Hallenbad stehen der Heizcontainer, das Material und das neue Blockheizkraftwerk.

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