Do., 08.03.2018

Wahl & Co.-Geschäftsführer Jörn Wahl-Schwentker lädt alle Fraktionen ein Mit Informationen gegen Ängste

Jörn Wahl-Schwentker ist in dritter Generation gemeinsam mit seinem Cousin Dr. Thorsten Steinmann Geschäftsführer des Logistik-Unternehmens Wahl & Co.

Jörn Wahl-Schwentker ist in dritter Generation gemeinsam mit seinem Cousin Dr. Thorsten Steinmann Geschäftsführer des Logistik-Unternehmens Wahl & Co. Foto: Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Wir zeigen den Menschen gerne, worum es sich handelt. Ich setze auf klare Informationen gegen diffuse Ängste.« Das sagt der Geschäftsführer des Bielefelder Logistik-Unternehmens Wahl & Co., Jörn Wahl-Schwentker, im Gespräch mit WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Monika Schönfeld. Der Rat der Stadt wird am Dienstag, 20. März, zur geplanten Ansiedlung Stellung beziehen.

Sie haben alle Fraktionen in den bisherigen Standort an der Gildemeisterstraße in Sennestadt eingeladen. Warum?

Jörn Wahl-Schwentker: Ich kann verstehen, dass es Ängste gibt, wenn sich ein Logistik-Unternehmen ansiedeln will. Es ist nur komisch, wenn man öffentlich Stellung bezieht, ohne sich informiert zu haben. CDU und FDP waren vergangene Woche hier, die CSB kommt heute, SPD und Grüne habe ich jetzt auch erreicht und für nächste Woche eingeladen. Das war in Steinhagen anders. Die SPD dort wollte sich nicht vor Ort informieren, weil sie sich ihre Meinung schon gebildet hatte. Zu den Grünen bin ich gefahren, als sie eine Informationsveranstaltung zu unseren Plänen machen wollten. Ich glaube, ich habe dort keinen überzeugt, aber wir haben miteinander gesprochen.

 

In Steinhagen herrschten andere Voraussetzungen

In Steinhagen hatte die rot-grüne Mehrheit des Rates die Ansiedlung von Wahl & Co. abgelehnt. Dann haben Bürger einen Bürgerentscheid gegen die Entscheidung des Rates angestrengt. Das ist doch ungewöhnlich, oder?

Wahl-Schwentker: Ja, das hat mich erstaunt und sehr gefreut. Durchaus verständlich, denn der Standort an der Autobahn wäre gut gelegen gewesen. Vor der Abstimmung gab es einen regelrechten Wahlkampf mit Leserbriefen und Stellungnahmen. Die Befürworter hatten eine Internetseite extra für Argumente und Fragen eingerichtet, leider mit bescheidenen Klickzahlen. Die, die dagegen sind, sind die lautesten.

 

Der Standort Steinhagen ist gescheitert, jetzt also der nächste Versuch in Schloß Holte-Stukenbrock?

Wahl-Schwentker: Das Gebiet am Kreuzkrug war schon früh in der Diskussion. Einer der ersten Beschlüsse der Paprika-Koalition in Bielefeld nach der Kommunalwahl war, dass das Strothbachwäldchen nicht für eine Unternehmenserweiterung infrage kommt. Danach habe ich mit allen Bürgermeistern rund um Bielefeld gesprochen. In dieser Größenordnung gibt es aber keine baureifen Grundstücke. Das Land hat uns über die Bezirksregierung bei der Suche nach Grundstücken positiv begleitet. Der Kreuzkrug war schon im ersten Check ein möglicher Standort, weil er nah am heutigen ist.

 

Bielefeld bliebe Zweigstelle für Lager-Logistik

Was wollen Sie in Schloß Holte-Stukenbrock bauen?

Wahl-Schwentker: Wir brauchen ein Stückgut-Umschlag-Terminal mit 120 bis 140 Toren. Die bisherigen 86 reichen nicht aus. Terminal und Verwaltung würden wir im ersten Bauabschnitt in Schloß Holte-Stukenbrock bauen wollen und auch den Firmensitz verlegen. Bielefeld bliebe eine Zweigstelle für Lager-Logistik.

 

Die Grünen und die SPD wollen am Kreuzkrug ein Gewerbegebiet, aber keinen Logistiker. Fühlen Sie sich als Branche ungeliebt?

Wahl-Schwentker: Das ist manchmal nicht nachzuvollziehen. Da sagen einige, der Flächenverbrauch sei zu hoch im Vergleich zur Zahl der Beschäftigten. Wir haben knapp 300 Mitarbeiter plus 100 Kraftfahrer, die bei Subunternehmen für uns arbeiten. Ich habe die Zahlen verglichen. Im Vergleich zu einem Chemiebetrieb mit Hauptsitz in OWL haben wir dreimal so viele Beschäftigte pro Fläche, im Vergleich zu anderen Branchen noch 1,4-mal soviel. Da ist keiner, der deutlich mehr Beschäftigte pro Fläche hat als wir.

 

Ein Logistik-Unternehmen bringt mehr Verkehr, Lastwagen fahren durch Wohngebiete, nutzen Landstraßen, um Maut zu sparen. Was sagen Sie zu solchen Aussagen?

Wahl-Schwentker: Wir sind ja schon da und werden wie bisher die beiden Autobahnauffahrten Bielefeld-Süd und Schloß Holte-Stukenbrock nutzen. Ein Lastwagenfahrer hat nichts davon, durch Wohngebiete zu fahren. Das dauert viel zu lange. Er muss zügig voran kommen. Und am schnellsten ist man nun mal auf der Autobahn. Die Maut ist überhaupt kein Argument. Den Fahrern ist die Maut egal. Die Subunternehmer schreiben uns die Maut auf die Rechnung. Das war’s. Ab 1. Juli hat sich das Argument sowieso erledigt. Dann sind auch Bundesstraßen komplett mautpflichtig.

 

Vor der Genehmigung stehen die Gutachten

Aber Lärm ist doch wohl ein Argument, das sie aus den Wohngebieten in der Nähe gelten lassen?

Wahl-Schwentker: Wenn Besucher hier sind, öffne ich gern das Fenster. Selbst in der Hauptverladezeit gegen 17 Uhr ist kaum etwas zu hören. Und nachts arbeiten wir an zwei, nicht an 80 Toren. Im Verfahren müssen wir auch Gutachten beibringen zur Umweltverträglichkeit und Lärmemission. Von den Ergebnissen hängt die Genehmigung ab.

 

Sie werben mit dem Slogan »Bei uns ist nicht nur das Logo grün«. Was heißt das?

Wahl-Schwentker: Wir betreiben seit 20 Jahren zertifiziertes Umweltmanagement, haben die größte Photovoltaik-Aufdach-Anlage in Ostwestfalen-Lippe. Das Hochregallager wird mit Erdwärme beheizt und das Gebäude daneben auch. Die weiteren Gebäude beheizen wir mit Kraft-Wärme-Kopplung-Heizungen, die neben der Wärme auch noch 110.000 Kilowattstunden Strom produzieren. Unser Fuhrpark wird alle vier Jahre mit Euro-6-Lastwagen erneuert.  

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