Di., 13.03.2018

Premiere der Mädchengruppe des Drei-Schulen-Theaters hochpolitisch »Wir fordern Gleichberechtigung!«

»Pussys weinen nicht«: Schauspielerin Tanja Prager hat zwei Puppen im Arm. Die symbolisieren zwei Kinder ihrer Schwester, die ihr genommen worden sind, weil sie als »Hure« verschrien ist, der die Gesellschaft das Recht an Kindern abspricht.

»Pussys weinen nicht«: Schauspielerin Tanja Prager hat zwei Puppen im Arm. Die symbolisieren zwei Kinder ihrer Schwester, die ihr genommen worden sind, weil sie als »Hure« verschrien ist, der die Gesellschaft das Recht an Kindern abspricht. Foto: Monika Schönfeld

Von Monika Schönfeld

Schloß Holte-Stukenbrock(WB). Auf der einen Seite die Forderung nach den gleichen Rechten für Frauen, auf der anderen Seite dümmliche Frauenbilder in den Medien: Die Pussycats, die neue Mädchengruppe des Drei-Schulen-Theaters, hat ihre Premiere mit »Pussys don’t cry« gleich mit hochpolitischen Themen bestritten.

»Macht mal alle mit, ihr Süßen! Hab euch lieb!« In bestimmten Medien wird ein Frauenbild verbreitet, das mehr als 100 Jahre Kampf um Gleichheit und Selbstbestimmung ignoriert. Da passt der Kommentar »No brain, no pain« (kein Gehirn, kein Schmerz).

Drei Szenen in drei Räumen

Die Theatergruppe unter der Leitung von Demokrat Ramadani und Merisa Ferati, Theaterpädagogen der LAG Spiel und Theater NRW, hat ihr Stück in drei Szenen gegliedert, die nicht nacheinander aufgeführt werden, sondern dreimal hintereinander in drei Räumen. Die Zuschauer im Evangelischen Jugendhaus (am Freitag und am Samstag jeweils 50) teilen sich in drei Gruppen auf und gehen auf Drama-Tour von einem Raum in den nächsten, von einer Szene zur nächsten.

Es geht es um ein Mädchen, das sich mit den Schönheits-Erwartungen seiner Familie und Freunde auseinandersetzen muss. Statt Kirschkönigin zu werden, schlägt das Mädchen lieber auf einen Sandsack ein. Sie wird Schwergewichts-Königin, rettet als Wonderwoman Menschen das Leben bei einem Brand. Helden müssen nicht aussehen wie ein Girlie.

Im zweiten Raum thematisieren die Schauspielerinnen die Rolle von Mädchen in streng religiösen Familien. Die eine mit muslimischem Hintergrund voll verschleiert, die andere aus streng christlicher Familie: Beide sind eingesperrt in Regeln, Ansichten und Traditionen, die keinen Platz lassen für eine eigene Meinung. »Mein Körper ist keine Provokation für einen Mann, keine Versuchung.« Das rote Band symbolisiert die Grenze, die Fessel. Die Mädchen als »Eigentum« ihrer Eltern, Zwangsheirat und frauenfeindliche Sprüche wie »sie sagen nein, aber wollen es alle« oder »sie müssen gepflückt werden, bevor es Nacht wird« zeigen die Verachtung der Frauenrechte an. Die Mädchen stecken in einem Dilemma. Sie wollen leben, wie sie es sich selbst vorstellen, wollen aber auch nicht enttäuschen oder zur Schande für die Familie werden. Sehr eindringlich: »Du wurdest mir zur Frau geschenkt. Ich will mein Geschenk jetzt auspacken.« Wie Tiere, die Beute wittern, schnüffeln die Männer an der Frau.

Sexismus im Alltag

Die dritte Szene zeigt Zwang und Diskriminierung im Alltag. Die Zuschauer werden einbezogen, bekommen Bilder in die Hand, die sie an Stellwänden befestigen: Pin-Up-Girls aus der Werbung. Sexismus im Alltag, manchmal gut getarnt, oft abwertend, verletzend. Ob es darum geht, dass der Mann die geschminkte Freundin toll findet, weil ihr das Ausstrahlung verleiht, ob er Germanys Next Top-Model guckt, weil er es witzig findet.

Die Szene endet in der Umkehr der Anforderungen an die Geschlechter: »Wir fordern: Männer an den Herd, Frauen als Chef im Haus, Männer als Sexobjekte, auch in Bordellen, dass der Mann die Schlampe ist und sich regelmäßig unters Messer legt, um der Frau zu gefallen.« Indem von Männern das gefordert wird, was die von Frauen fordern, zeigt sich, wie absurd das ist.

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