Fr., 18.05.2018

Schauspieler veranschaulicht in Schloß Holte-Stukenbrock Ferdinand Matuszeks Leben Sein Schicksal ist unvergessen

Mit beeindruckendem Schauspiel erzählt in der Aula am Gymnasium Schloß Holte-Stukenbrock Michael Grunert in der Ein-Mann-Inszenierung die Lebensgeschichte des polnischen Zwangsarbeiters Ferdinand Matuszek.

Mit beeindruckendem Schauspiel erzählt in der Aula am Gymnasium Schloß Holte-Stukenbrock Michael Grunert in der Ein-Mann-Inszenierung die Lebensgeschichte des polnischen Zwangsarbeiters Ferdinand Matuszek. Foto: Uschi Mickley

Von Uschi Mickley

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Es waren aufwühlende Szenen, mit denen die Besucher des Theaterstücks »Im Herzen ein Nest aus Stacheldraht« konfrontiert wurden.

Gnadenlos realistisch hat Schauspieler Michael Grunert die Geschichte des polnischen Zwangsarbeiters Ferdinand Matuszek in Erzählform präsentiert. Die Premierenvorstellung wurde in Bielefeld gezeigt. Rund 60 Zuhörer hat das Stück am Mittwochabend in Schloß Holte-Stukenbrock tief bewegt. Manfred Büngener, Vorsitzender des Fördervereins der Gedenkstätte Stalag 326, gegrüßte die Gäste.

Begleitet von Bildprojektionen, Musik sowie biografischen Zwischenrufen wurden Szenen dargestellt, die für Stationen im Leben des Zwangsarbeiters stehen. Matuszek wurde im Alter von 15 Jahren seiner Familie entrissen.

Eindrucksvoll veranschaulicht Grunert die seelischen Konflikte des Zeitzeugen, der Grausames erleben musste. Atemlose Stille herrscht in der Aula, als der Darsteller nach vorne tritt. Mit Entsetzen in den Augen schildert er aus der Sicht des Protagonisten, wie er gezwungen wurde, mit anzusehen, wie der Kriegsgefangene Piotr Ponomorow an der Weserhütte Minden von einem SS-Mann erschossen wurde. Matuszek hatte dem Russen erlaubt, auf dem Feld Kartoffeln einzusammeln.

Atmosphärisch verdichtet wurden die Szenen mit einfachen Requisiten: Stacheldraht, Steine, ein Tisch, ein Stuhl und Kartoffeln. Grunert verleiht der Ein-Mann-Inszenierung mit eindrucksvoller Mimik und Gestik große Intensität und Tiefgang, veranschaulicht glaubhaft Verzweiflung und Schuldgefühle. Kurz vor Ende der Vorstellung werden historische Parallelen gezogen. Ein Bild mit einem sinkenden Flüchtlingsboot wird auf die Leinwand projiziert.

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»Die Schicksale seiner Mitmenschen gingen ihm stets zu Herzen.«

Elfriede Bloch

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Die Inszenierung geht den Zuschauern unter die Haut. Die gelungene Darstellung eines nicht einfachen Theaterstücks honorieren sie am Ende mit minutenlangem Applaus. Unter ihnen ist auch Elfriede Bloch, die Lebensgefährtin Matuszeks, der im Jahr 2014 verstarb. Sie hat mit Tränen zu kämpfen, so ergreifend sind die Erinnerungen, die sie mit dem Spiel verbindet. Für die Arbeit an dem Stück hat sie viele Gespräche mit Regisseurin Regina Berges und dem Darsteller Michael Grunert geführt und somit den Zugang zum Leben eines besonderen Menschen ermöglicht.

»Die Schicksale seiner Mitmenschen gingen ihm stets zu Herzen«, erzählt die 72-jährige, die in Bad Oeynhausen lebt. Sie wünscht sich sehr, dass sich auch junge Menschen das Stück ansehen. Ferdinand Matuszek hat sie vor 20 Jahren kennen gelernt, als er Transporte für Tschernobyl-Waisen organisierte. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat sie der Bezug auf die aktuelle Flüchtlingsthematik besonders beeindruckt.

Diese Aussagekraft erachtet auch Zuschauerin Dorentina Rheker als wertvoll. Sie hat Ferdinand Mastuszek während einer Vorstellung des Drei-Schulen-Theaters erlebt, als er das Sehnsuchtslied russischer Soldaten »Katjuschha« sang. »Die Geschichte hat mich emotional sehr berührt. Das Schicksal wurde knapp, prägnant und spannend erzählt.«.

Als Grundlage für das Stück diente das Buch »Ich habe nichts gegen Deutsche, nur gegen Faschisten«, das von Oliver Nickel, Geschäftsführer der Gedenkstätte Stalag 326 und Historiker Friedhelm Schäffer veröffentlicht wurde. Das Stück wird voraussichtlich am 16. Juni in der Kulturfabrik Vlotho gezeigt, Telefon 05733/5795. Informationen zu weiteren Aufführungen unter Telefon 0521/94854567.

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