Sa., 30.12.2017

Silvester-Knallerei: Steinhagener Dr. Joe Voß gibt Herrchen und Frauchen Tipps Hunden die Angst nehmen

Tiertherapeut Dr. Joe Voß weiß, wie er seinen Hunden an Silvester die Angst nimmt. Mit dem Training muss man aber früh beginnen.

Tiertherapeut Dr. Joe Voß weiß, wie er seinen Hunden an Silvester die Angst nimmt. Mit dem Training muss man aber früh beginnen. Foto: Sara Mattana

Von Sara Mattana

Steinhagen (WB). Statt um Mitternacht mit Sekt und Böllern vor die Haustür zu stürmen, sollte sich ein Hundehalter beim Jahreswechsel zuerst um seine Vierbeiner kümmern. Denn dass Zuneigung und Streicheleinheiten die Angst vor dem Knallen verstärken, ist ein Mythos – aber ein hartnäckiger.

»Noch immer hält sich das Gerücht, dass die Angst durch Ansprechen verstärkt wird. Das ist aber falsch«, weiß Dr. Joe Voß. Er ist seit mehr als 20 Jahren als Neuroethologe in der Gehirn- und Verhaltensforschung tätig und weiß, wie Tiere die Silvesternacht möglichst angenehm überstehen. Denn während ihre Besitzer das Jahr mit Punsch und Partys lautstark ausklingen lassen, leiden die meisten Hunde unter dem Lärm.

Dabei ist es ein enormer Unterschied, ob sich ein Tier panisch zurückzieht oder trotz Angst noch ansprechbar ist. »Manche Hunde kann man dann nur medikamentös durch die Nacht bringen«, sagt Joe Voß, der in diesem Fall ein Gespräch mit dem Tierarzt empfiehlt und auch selbst Beratungen anbietet. Von Sedativa mit Wirkstoffen, die die Reaktionsfähigkeit unterbinden, rät der Experte grundsätzlich ab: »Die Hunde bekommen trotzdem alles mit, und das ist umso traumatischer.«

Das ganze Jahr über mit dem Hund üben

Im Idealfall kann auf diese Mittel verzichtet werden, indem die Tiere im Vorfeld an fremde Reize gewöhnt werden. »Es reicht aber nicht, wenn man damit eine Woche vorher anfängt. Man kann das ganze Jahr über mit dem Hund üben«, sagt Voß, der sich beim täglichen Spaziergang über jeden lauten Knall freut und seine Tiere bei diesen Gelegenheiten mit einem Leckerli belohnt. So verbinden die Hunde das Geräusch mit etwas Positivem, haben weniger Angst vor Böllern.

Hunde können das fremde Geräusch nicht einordnen

Dass sich Hunde vor Lärm fürchten, liegt vor allem daran, dass sie das Geräusch nicht einordnen können. »Sie bekommen etwas mit und wissen nicht, wo es herkommt«, sagt Joe Voß, der lange Zeit an der Universität Bielefeld im Bereich der Tierverhaltensanalyse geforscht hat und seit 2010 seine Praxis betreibt. Sollte ein Hund in der Silvesternacht trotz guter Vorbereitung Angst bekommen, kann ein Anpassen des Umfelds helfen. »Es hilft, die Jalousien zu schließen und neutrale Musik laufen zu lassen. Das maskiert das Außergewöhnliche«, so Voß.

Er rät in Stresssituationen auch dazu, den Hund durch Kuscheln zu beruhigen. Grundsätzlich gilt jedoch, das Tier nicht allein zu lassen. Denn anders als Katzen können Hunde ihre Angst nicht mit sich selbst ausmachen und sind auf die Hilfe ihres Herrchens angewiesen. »Wichtig sind deshalb immer eine gute Bindung, Kommunikation und Erziehung, damit der Hund weiß, an wem er sich in Krisensituationen orientieren kann«, sagt Joe Voß.

Kurse zum Thema sollen im September 2018 beginnen

Von September 2018 an bietet er Kurse zu dieser Thematik an. Seine Praxis, die er zuvor in Werther geführt hat, möchte er im März am Otterweg 8 in Steinhagen eröffnen. Bei Fragen ist er unter 0 52 04/9 24 55 99 erreichbar.

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