Do., 08.02.2018

Wohnungsbauförderung: Bürgermeister fordert einheitliches Mietniveau Nord-Süd-Gefälle im Kreis befürchtet

Die Häuser an der Bahnhofstraße – noch Flüchtlingsunterkunft, ab 2019 vielleicht preiswerter Wohnraum für große Familien. Von der Wohnungsbauförderung ist dieses Projekt unabhängig, denn hier investiert die Gemeinde selbst.

Die Häuser an der Bahnhofstraße – noch Flüchtlingsunterkunft, ab 2019 vielleicht preiswerter Wohnraum für große Familien. Von der Wohnungsbauförderung ist dieses Projekt unabhängig, denn hier investiert die Gemeinde selbst. Foto: Kim Schieke

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Steinhagen  (WB). Die gerade veröffentlichte Neuregelung der Wohnungsbauförderung durch das Land trifft bei Steinhagens Bürgermeister Klaus Besser nur in einem Punkt auf Zustimmung – beim »Upgrade« von Mietpreisstufe 2 auf 3.

Damit gelten für den sozialen Wohnungsbau nunmehr Mieten von 5,55 Euro pro Quadratmeter. Lange war das aus Steinhagen gefordert worden, weil die bisherigen 4,65 Euro pro Quadratmeter für Investoren bei immer höheren Vorgaben und energetischen Standards nicht auskömmlich waren. Und: »Die niedrigere Mietstufe hat uns gegenüber Bielefeld und Gütersloh, wo die höhere Stufe galt, benachteiligt. Dieses Gefälle gibt es jetzt nicht mehr«, so Besser.

Seit drei Jahren keine neuen Sozialwohnungen in Steinhagen

Wegen der schlechten Förderbedingungen ist seit 2014, als die KWG ein Mehrfamilienhaus an der Langen Straße gebaut hat, kein sozialer Mietwohnungsbau in Steinhagen mehr erfolgt. Auch liegen gemeindeeigene Grundstücke an der Swinemünder Straße und Pfirsichstraße seit langem brach, weil sich unter den alten Bedingungen kein Investor fand. Insofern ist es aus Sicht Bessers grundsätzlich auch erfreulich, dass die Landesfördermittel von 1390 auf 1680 Euro pro Quadratmeter angehoben worden sind.

Für Steinhagen erwartet Besser durchaus eine Erleichterung bei der Suche nach Investoren im Sozialwohnungsbau – gerade jetzt mit Blick auf die beiden Neubaugebiete an der Amshausener Straße von besonderer Bedeutung. Dort sollen im südlichen Teil sechs, im nördlichen bis zu 20 Mehrfamilienhäuser entstehen, sowohl frei finanziert als auch im sozialen Wohnungsbau. Zudem könnte die Gemeinde Investoren mit einem eigenen, kommunalen Förderprogramm unterstützen.

Nicht nachvollziehbar: Bedarf soll im Nordkreis unterdurchschnittlich sein

Aber: Insgesamt hält der Steinhagener Bürgermeister das Landesprogramm für unzureichend. »Nicht nur, dass das Gesamtvolumen um jährlich 300 Millionen Euro gegenüber den Vorjahren abgesenkt wird, zudem wird der Bedarf im Altkreis als unterdurchschnittlich bewertet, in Gütersloh und dem Südkreis gilt er als überdurchschnittlich.«

Diese Einschätzung hält Besser für falsch: »Sie ist aufgrund der Zahl der Wohnberechtigungsscheine erfolgt, die es nur für Sozialwohnungen gibt. Bei uns sind allerdings viele KWG-Wohnungen bei nach wie vor günstigem Mietpreis aus der Bindung als Sozialwohnungen herausgefallen.« Besser spricht von einem »Nord-Süd-Gefälle« im Kreis: »Wenn die nun schon geringeren Fördermittel verteilt werden, dann zuerst nach Gütersloh und in den Süden. Für uns bleibt vielleicht nichts mehr.«

Steinhagen und Halle haben eigenes kommunales Förderprogramm

Steinhagen und Halle könnten möglicherweise mit dem eigenen Programm ausgleichen. Doch Werther, wo es diese Mittel nicht gibt, sowie Borgholzhausen und Versmold, wo nach wie vor Mietstufe 2 gilt, drohen nach Meinung Bessers ganz abgehängt zu werden. Was muss seiner Meinung nach passieren? Besser fordert ein einheitliches Mietniveau für zusammenhängende Gebiete wie den Kreis Gütersloh und eine Erhöhung der Förderbeträge: »Wenn man energetisch und modern bauen will, dann muss man das bezahlen. Das ist eine staatliche Aufgabe, weil der Staat für einheitliche Lebensbedingungen zu sorgen hat.«

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