Di., 06.03.2018

Zunehmende Stürme, weniger Regen: Förster Johannes-Otto Lübke fordert mehr Mischwälder Klimawandel bedroht heimischen Wald

Linda Finke und Dieter Graf vom Heimatverein Amshausen freuen sich darüber, dass Revierförster Johannes-Otto Lübke bei ihnen von seinen Erfahrungen berichtet.

Linda Finke und Dieter Graf vom Heimatverein Amshausen freuen sich darüber, dass Revierförster Johannes-Otto Lübke bei ihnen von seinen Erfahrungen berichtet. Foto: Sara Mattana

Steinhagen (WB/mat). Eigentlich ist beim Thema Nachhaltigkeit in den Wäldern im Altkreis Halle alles im grünen Bereich. Eigentlich – ein Sturm wie »Friederike« kann ein solches Ökosystem jedoch schnell aus dem Gleichgewicht bringen.

Welche Folgen unvorhergesehene Naturereignisse oder die Holznutzung der Industrie haben können, erklärte Revierförster Johannes-Otto Lübke jetzt den Besuchern in der Alten Feuerwehr. Auf Einladung des Heimatvereins Amshausen erläuterte er »Die Veränderungen des Waldes im Laufe der Zeit«. Denn Lebensumstände und veränderte technische Möglichkeiten haben großen Einfluss auf die heimischen Wälder.

Nachhaltige Holznutzung ist wichtig

Seit zehn Jahren betreut Johannes-Otto Lübke die etwa 3000 Hektar Wald in Steinhagen, Halle und Werther. Auf diesem Gebiet wachsen 12.000 bis 13.000 Kubikmeter Holz jährlich nach – etwa 10.000 Kubikmeter werden davon geschlagen. »Die Nachhaltigkeit ist also gesichert, da mehr Holz wächst als gebraucht wird. Stürme bringen diese Nachhaltigkeit jedoch ins Wanken«, erklärt der Experte, der sich besonders große Sorgen über den Klimawandel macht: »Dadurch wird es häufiger zu Stürmen kommen und weniger Niederschlag im Sommer geben.«

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Wir müssen sparsamer sein, im Moment wird viel Tropenholz importiert, um den Bedarf zu decken.

Revierförster Johannes-Otto Lübke

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Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, können strukturreichere Wälder, die aus verschiedenen Baumarten bestehen, helfen. »Das streut das Risiko, denn beispielsweise Buchen stürzen seltener um als Fichten«, sagt Lübke. Er schlägt vor, auf Teilflächen Fichten durch Lärchen zu ersetzen und langfristig auf reine Nadelwald-Bestände zu verzichten. Allerdings wird gerade Nadelholz in der Industrie stark nachgefragt.

Und da der nachwachsende Rohstoff eine sehr gute Öko-Bilanz hat, reicht der deutschlandweite Bestand derzeit nicht aus, den Bedarf zu decken: 80 Millionen Kubikmeter Holz werden in Deutschland verbraucht, nur 65 Millionen wachsen nach. »Wir müssen sparsamer sein, im Moment wird viel Tropenholz importiert, um den Bedarf zu decken«, sagt Johannes-Otto Lübke, der auch noch einmal daran erinnerte, dass das Betreten eines Waldes stets auf eigene Gefahr erfolgt.

Denn rechtlich ist ein Waldbesitzer nicht verpflichtet, Wanderwege von Hindernissen zu befreien. Besonders nach Sturm »Friederike« war es den meisten Waldbesitzern jedoch wichtig, umgestürzte Bäume zu entfernen, und so waren die Förster wochenlang im Einsatz. »Ein gewisses Risiko besteht jedoch immer, deshalb ist im Wald grundsätzlich Vorsicht geboten«, betont Lübke.

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