Do., 14.06.2018

Achtklässler lassen Wetterballon in 40 Kilometer Höhe in die Stratosphäre aufsteigen - mit Video Abgehoben: »SteinGy« im Weltall

Ein weißer Styroporkarton, randvoll mit Technik: (von links) Robin, Moritz, Jonas und Tim zeigen Kameras und GPS-Tracker, Datenlogger und Powerbank, die in der Box mit dem Wetterballon bis in 40 Kilometer Höhe aufsteigen werden.                   

Ein weißer Styroporkarton, randvoll mit Technik: (von links) Robin, Moritz, Jonas und Tim zeigen Kameras und GPS-Tracker, Datenlogger und Powerbank, die in der Box mit dem Wetterballon bis in 40 Kilometer Höhe aufsteigen werden.                    Foto: Bluhm-Weinhold

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Steinhagen (WB). Was Alexander Gerst kann, das kann das Steinhagener Gymnasium auch – zumindest fast. Am kommenden Mittwoch fliegt das »SteinGy« ins All: Mit dem Wetterballon geht es bis in 40 Kilometer Höhe an den Rand der Stratosphäre.

Es ist ein im wahrsten Sinne des Wortes abgehobenes Projekt, das Physiklehrer und MINT-Koordinator Andreas Frerkes mit den 18 Schülern des »Galileo-Profils« auf die Beine gestellt hat. »Back in Space« heißt es: »Bereits 2014 haben wir einen Wetterballon 30 Kilometer hoch bis in die Stratosphäre aufsteigen lassen. Damals haben wir Fotos und Videos gemacht. Diesmal wollen wir erstens noch zehn Kilometer höher kommen und zweitens auch Klimadaten ermitteln. Das heißt, wir können messen, wie die Luft dünner wird«, sagt der Lehrer.

Sensibilisieren für den Klimaschutz

Die Technik an Bord der Styropor-Box zeichnet Druck, Höhe, Temperatur, Ort und Luftfeuchtigkeit auf. »Wir wollen sensibel machen für den Klimaschutz«, sagt Frerkes und zitiert US-Politiker Al Gore: »Die Atmosphäre ist nur die (dünne) Lackschicht um den Globus.«

Das aber sollen die Schüler selbst herausfinden. Denn die Daten, die der Datenlogger aus dem All zurück bringt auf die Erde, werden selbstverständlich für den Unterricht zur Verfügung stehen – und zwar allen Klassen und auch fächerübergreifend.

Doch erst einmal muss der Ballon ja fliegen. Das soll am Mittwoch, 20. Juni, geschehen (mehr dazu im Extra-Kasten). Gestern haben die Achtklässler dazu die Vorbereitungen getroffen. Mit Marcel Dierig, Chef der Blomberger Firma Strato­flights, haben die Schüler die Styroporbox präpariert, die an den Wetterballon gehängt wird.

Für die Kameraaugen haben sie Löcher in die Wände geschnitten. Dazu kommen zwei GPS-Tracker, damit man den Ballon nach der Landung findet, sowie ein Datenlogger mit Temperaturfühler, für den ein weiteres Loch in die Styroporwand geschnitten wurde. Und auch zwei Batteriepacks sind unverzichtbar.

Im »Galileo«-Kurs ist Raum zum Experimentieren

»Ich wollte einfach mal was Anderes machen«, schildert Felipe seine Motivation zum Projekt. »Wer hat als Kind nicht mal vom Weltall geträumt?«, sagt Hannah. Aber es Alexander Gerst gleichtun und selbst abheben will sie nicht: »So ein Weltraumflug, das dauert zu lange.«

Start mit großer Show

Wenn das Steinhagener Gymnasium ins All fliegt, dann ist das allemal eine große Show. Und so wird der Start des Wetterballons am kommenden Mittwoch, 20. Juni, um 13.30 Uhr inszeniert. Wissenschaft soll Unterhaltung nicht ausschließen.

Andreas Frerkes will noch nicht so viel verraten. Den Begriff »Countdown« lässt er sich aber doch entlocken. Und er verrät auch, dass die Technik-AG der Jahrgangsstufe 10 mit im Boot ist, so dass auch einiges mehr an Effekten zu erwarten ist.

Für das Ereignis haben alle Gymnasiasten am kommenden Mittwoch von 13.30 Uhr an schulfrei.

Dann lieber den Ballon schicken. Im Unterricht haben sich Andreas Frerkes und die Schüler mit der Physik des Fliegens beschäftigt. Der »Galileo«-Wahlpflichtkurs gibt ihnen Raum für Experimente. »In ein Flugzeug oder eine Rakete können wir nicht steigen, aber ins Weltall wollen wir doch«, so Frerkes.

Während er bei der Wetterballon-Premiere 2014 nach eigener Aussage Blut und Wasser geschwitzt hat, ob alles gut gehen würde, hat er sich diesmal mit Jungunternehmer Marcel Dierig einen Partner ins Boot geholt, der nicht nur für die Beschaffung der Technik, sondern auch für Genehmigungen, Versicherungen und den weiteren Papierkram verantwortlich ist. Dierig arbeitet mit Schulen und Unternehmen an »Weltraummissionen« mit dem Wetterballon.

Wenn am Mittwoch der Ballon gestartet ist, sitzen er, Andreas Frerkes und vier Schüler – das Bergungsteam – schon im Auto, um sich Richtung des berechneten Landeplatzes zu begeben. So ein Flug dauert nur drei Stunden. Zwei Stunden steigt der Ballon, das Helium dehnt sich aus. Dann platzt er und kehrt am Fallschirm zurück zur Erde.

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