Mo., 01.01.2018

Verler Michael Diels zum Jahreswechsel in harter Aikido-Schule in Japan Geisterruf am Neujahrstag

Michael Diels (19) aus Verl freut sich auf den 1. Januar. In Japan ist das ein ganz besonderer Tag – auch ohne Raketen und Böller.

Michael Diels (19) aus Verl freut sich auf den 1. Januar. In Japan ist das ein ganz besonderer Tag – auch ohne Raketen und Böller.

Verl (abb). Während die Verler am Neujahrstag ausschlafen, ihren Kater kurieren oder einen Spaziergang mit der Familie unternehmen, steht für Michael Diels in Japan einer der wichtigsten Tage des Jahres an. Der junge Mann besucht dort eine Aikido-Schule und berichtet nun von seinen Erlebnissen.

Michael Diels (19) freut sich schon auf den 1. Januar. »Der Neujahrstag hat für die Japaner eine sehr religiöse Bedeutung und ist für sie eines der wichtigsten Feste.« Man gehe mit der Familie und Freunden in einen Tempel. »Man betet für ein gutes neues Jahr, Glück, Zufriedenheit und Gesundheit«, sagt der junge Verler, der seit dem vergangenem Juli die Aikido-Schule von Hitohiro Saito in Iwama besucht. Auch der Kauf neuer Talismane – in Japan ein wichtiges Utensil – gehöre zum »Hatsumode« (Neujahr) dazu wie das gemeinsame festliche Essen mit der Familie. Im Trainingsraum der Schule, dem »Dojo«, findet zudem das traditionelle Fest »Kagami Biraki« statt. »Das ›Dojo‹ wird hier vom letzten Jahr gereinigt«, erklärt Diels. Bei einer Aikido-Vorführung (»Enbukai«) werden am Neujahrstag abschließend die guten Geister für das neue Jahr herbeigerufen.

Während Michael Diels sich auf das Neujahrsfest freut, sieht er dem Silvestertag eher gelassen entgegen. »Da geht es hier ziemlich ruhig zu. Raketen oder Böller gibt es nicht, es herrscht ein eher besinnliches Beisammensein.« Der Verler, der im Jugendorchester Verl Tuba spielt, wird den Tag mit der Familie einer Freundin in Kobe verleben.

Weihnachten fern der Heimat war für Michael Diels ungewohnt und auch etwas traurig, da die Geburt Christi dort gar nicht gefeiert wird. »Ich bin ein großer Weihnachtsfan und habe diese heimelige Atmosphäre und natürlich meine Familie vermisst«, sagt der 19-Jährige. Besonders auf dem Land – Iwama liegt etwa 100 Kilometer nordöstlich von Tokio – sei das Fest unbedeutend, »da hier sehr wenige Christen leben.« Gleichwohl würde Weihnachten für gewerbliche Zwecke genutzt. »Die Japaner nutzen halt jede Art Feierlichkeit für den Kommerz und deshalb sieht man in den Supermärkten auch Kassiererinnen mit Weihnachtsmann-Mütze und die Kinder lieben Santa Claus.« Eine tieferer Bedeutung habe all dies aber für die Japaner nicht.

Voller Freude, aber auch mit viel Respekt spricht Michael Diels von seinen ersten gut fünf Monaten in der harten Aikido-Schule, die vom Sohn des besten Schülers von Aikido-Begründer Ueshiba Morehei geleitet wird. »Ich bin hier Teil der Familie und fühle mich sehr wohl«, sagt Diels. Am »coolsten« sei bisher das Volksfest »Matsuri« gewesen. »Das ist wie unser Schützenfest mit leckerem Essen, Bier und Sake sowie einem Umzug.« Er würde aber auch sehr hart behandelt und speziell beim Aikido streng korrigiert. Diels: »Die Erziehung, auch im Training, ist sehr streng. Ich wurde auch schon mit Holzwaffen geschlagen, als ich nicht richtig stand oder die Waffe nicht perfekt getragen habe.« Wichtig sei dann, keine Miene zu verziehen sowie laut und entschlossen »Hai« (Ja) und »Sumimasen« (Entschuldigung) zu sagen. Natürlich habe es auch schon den Impuls gegeben, nach Hause zu wollen. »Der Druck ist schon sehr groß und selbstverständlich habe ich schon oft an meine Familie, Freunde oder mein Bett gedacht«, sagt Diels.

Während er in der jüngsten Zeit viel Gemüse und Zitronen zur Essigherstellung geerntet hat sowie neben dem Training Dienste wie Staubsaugen, Aufräumen oder Ofen einheizen (»hier ist es immer kalt«) verrichtete, wird er in Zukunft seinen Schwarzgurt (»Shodan«) machen und dafür hart trainieren. Im Mai möchte Michael Diels nach Verl zurückkehren. Als einer der wenigen Europäer hätte er dann ein Jahr in der harten Aikido-Schule von Hitohiro Saito überstanden.

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