Sa., 30.12.2017

Löschzug Verl hat so viele Einsätze wie selten – 196 Mal ausgerückt Rekordjahr für die Feuerwehr

Von Julian Stolte

Verl (WB). Eine Gasexplosion zerstört am 15. März um 5.45 Uhr den »Jägerhof«. Die Feuerwehr rückt aus, ist zehn Stunden im Einsatz. Dieser Einsatz ist spektakulär und doch nur einer von vielen – jedoch von ungewöhnlich vielen.

Für den Löschzug Verl wird das Jahr 2017 als Rekordjahr in die Statistik eingehen. Bis zum Silvestertag ist der Löschzug 196 Mal zu Einsätzen ausgerückt. »Normal wären zu diesem Zeitpunkt etwa 120«, sagt Martin Wanders, seit Herbst neuer Leiter der Feuerwehr. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr ist die Wehr 169 Mal alarmiert worden. In diesem Wert ist der Kaunitzer Löschzug schon enthalten.

Der Verler Standort liegt also in diesem Jahr alleine schon deutlich darüber. Die Arbeit für die ehrenamtlichen Wehrleute steigt jedoch in der gesamten Stadt. Auch Kaunitz hat bereits 90 Einsätze in der Statistik – 30 mehr als üblich.

Diese Werte sind beachtlich, zumal der außergewöhnliche Sturm am 19. Juli lediglich einmal in der Übersicht auftaucht. »Wir haben nach dem Sturm am frühen Abend 70 Alarme abgearbeitet«, erinnert sich Martin Wanders an den Sieben-Stunden-Einsatz. In der Einsatzliste taucht der gesamte Aufwand aber lediglich als laufende Nummer 105 auf.

Als Gründe für das erhöhte Einsatzaufkommen gibt Wanders einige andere Gründe an. Eine Zunahme gibt es laut Wanders bei Türöffnungen. »Davon haben wir inzwischen viele«, sagt der Wehrleiter. Als Grund dafür vermutet Wanders das erhöhte Sicherheitsbewusstsein der Bürger. »Die Leute schließen sich heutzutage häufiger ein«, meint er. In Notlagen müssten dann die Türen für den Rettungsdienst geöffnet werden. Die Feuerwehr sei aber insgesamt häufiger unterwegs, um den Rettungsdienst beim Tragen der Patienten zu unterstützen. Dies liegt laut Wanders unter anderem daran, dass »eine Zeit lang ziemlich enge Treppenhäuser gebaut wurden«. Außerdem gebe es mehr Menschen mit Übergewicht, die mit Tragetüchern oder über den Drehleiterkorb transportiert werden müssen.

Ein aktuelles Thema sei außerdem die allgemeine Rauchmelderpflicht in NRW, die vor einem Jahr in Kraft getreten ist. Weil diese Geräte auch Fehlauslösungen haben, rückt die Wehr deshalb mehr aus als zuvor.

Bei diesen drei Hauptgründen für den Anstieg der Einsatzzahlen erwartet Martin Wanders für die kommenden Jahren keine wesentliche Veränderung. »Deshalb kann man wohl eher davon ausgehen, dass die Zahlen auf diesem Niveau bleiben werden«, sagt Wanders im Gespräch mit dieser Zeitung.

Umso wichtiger ist für den Chef der Feuerwehr das Thema Personal. Das hohe Einsatzaufkommen hat aber laut Wanders bisher nicht für dauerhaft schlechte Stimmung gesorgt. Und die beste Nachricht ist sowieso: Bei den 196 Einsätzen im Jahr 2017 (Stand: 29. Dezember) hat es keinen einzigen Todesfall gegeben. Wenn das auch im kommenden Jahr so bleibt, dann ist die Anzahl der Einsätze ohnehin eher zweitrangig.

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