Mi., 07.02.2018

Anatole Gomersall dirigiert das Schüler- und das Jugendorchester Alles, was das Leben ausmacht

Die Familie Gomersall hat ihr eigenes Orchester gegründet: Anouk (Klavier), Vater Anatole (er spielt neben dem Saxophone, der Klarinette, dem Horn viele weitere Instrumente), Henry (Horn), Mutter Nicole (Ukulele) und Miles am Schlagzeug.

Die Familie Gomersall hat ihr eigenes Orchester gegründet: Anouk (Klavier), Vater Anatole (er spielt neben dem Saxophone, der Klarinette, dem Horn viele weitere Instrumente), Henry (Horn), Mutter Nicole (Ukulele) und Miles am Schlagzeug. Foto: Manuela Fortmeier

Von Manuela Fortmeier

Verl (WB). Im ehemaligen Bauernhaus der Familie Gomersall in Avenwedde sind Fröhlichkeit und Lebensfreude spürbar und besonders viel Musik zu hören. Als Familie haben sie ihr eigenes, kleines Orchester gegründet und wann immer es die Zeit zulässt, wird zusammen musiziert.

Aktuell proben die neunjährigen Drillinge Anouk, Henry und Miles auf ihren Instrumenten gerade ein gemeinsames Stück. Kein Wunder: Ihr Vater ist Anatole Gomersall, Vollblutmusiker, Dirigent und Leiter des Verler Schülerorchesters und Jugendorchesters des Musikvereins Verl und Mitglied der Band »Quintessence Saxophone Quintet«. Mutter Nicole spielt Ukulele.

Aufgewachsen in Rye in England, als ältester von vier Kindern und Sohn des erfolgreichen Dirigenten Anthony Gomersall, erlebte Anatole Gomersall schon früh Musik in all ihren Facetten. »Mein Vater war ebenfalls mit Leib und Seele Dirigent. Oft habe ich ihn bei seiner Arbeit beobachtet, seine Konzerte besucht. Hier liegt auch der Ursprung dafür, dass ich die Liebe zur russischen Orchestermusik entdeckt habe, und dass Schostakowitsch, Strawinski, Prokofjew zu meiner Leidenschaft wurden und es bis heute geblieben sind«, sagt Gomersall.

Noch heute erinnert er sich daran, wie sein Vater oft nachts die Schostakowitsch-Symphonien gehört habe. Insbesondere die »unangenehmen, dissonanten Klänge der 7., 9. und 11. Symphonie« seien dadurch zu seinen Lieblingen geworden. Am liebsten habe er sie auf der Partitur mitverfolgt.

Das Schreiben und Improvisieren, aber auch das bessere Verstehen von Tönen habe er mit dem Jazz erlernt. Für einen Musiker sei Jazz die Eröffnung einer neuen Welt, »die Welt der musikalischen Mündigkeit und Selbstständigkeit. Für mich ist Musik wie eine Art Religion.« Es sei zwar nicht jedermanns Ding, sich von der Melancholie eines Orchesterstückes zu Gefühlen der Trauer hinreißen zu lassen, aber genau das sei es, was das Leben ausmache. Eben Freude, Leid, Liebe und Trauer in regelmäßigem Wechsel.

»Wenn es mir gelingt, dass die Jugendlichen durch die Arbeit mit den Noten ihren Blickwinkel für die Zukunft so ausrichten können, dass sie dadurch eine neue, schönere Ebene entdecken, dann habe ich meine Arbeit richtig gemacht«, sagt Gomersall. Jedoch gelinge so etwas nur mit Disziplin und Respekt, aber »auch der Humor spielt hier eine große Rolle«.

Die Frage, ob er glaubt, dass seine Kinder später wie er beruflich Musik machen werden, beantwortet er so: »Ich hoffe ja, und ich weiß auch genau, warum.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5492189?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516081%2F