Do., 08.02.2018

Es sind die Gegensätze, die das Programm des syrischen Youtubers und Comedians ausmachen - mit Video Krieg und Humor: Firas Alshater liest aus seinem Buch

Der syrische Comedian Firas Alshater erzählt in der Bibliothek Verl von seinem Leben in Berlin und liest aus seinem Buch »Ich komm auf Deutschland zu«. Dass es bei dem Auftritt eines Comedians auch still sein kann, haben viele nicht erwartet.

Der syrische Comedian Firas Alshater erzählt in der Bibliothek Verl von seinem Leben in Berlin und liest aus seinem Buch »Ich komm auf Deutschland zu«. Dass es bei dem Auftritt eines Comedians auch still sein kann, haben viele nicht erwartet. Foto: Andreas Berenbrinker

Von Andreas Berenbrinker

Verl (WB). Wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt... Da flachst ein syrischer Comedian locker mit Gästen, klopft Sprüche und begeistert mit seiner Art. Und dann sehen die 120 Gäste in der Bibliothek einen Einspielfilm über den Krieg in Syrien. Bombenhagel, blutende Kinder, schreiende Mütter – Stille während der Lesung von Firas Alshater.

Es ist dieser totale Gegensatz, die den Comedian, Schauspieler und Autoren Firas Alshater (26) ausmacht. Auf der einen Seite die Erinnerungen an den Krieg, die Gräueltaten von Assads Regime und auf der anderen Seite seine humorvolle Art, mit der er in Deutschland bekannt geworden ist. Insbesondere die junge Generation kennt Alshater aus seinem Youtube-Kanal »Zukar« mit fast 25.000 Abonnenten.

Seit 2013 lebt Firas Alshater als Flüchtling in Deutschland. »Aber ich bin sogar mit dem Flugzeug angereist«, sagt der Syrer. »Und das konnten weder die deutschen Polizisten am Flughafen, noch ich selbst so richtig glauben.« Alshater sollte in Deutschland einen Film schneiden und synchronisieren, den ein Freund von ihm in Syrien gedreht hatte, der bei den Aufnahmen durch einen Anschlag getötet wurde. »Ich hatte also ganz normale gültige Papiere für die Einreise«, erzählt Alshater. Papiere seien in Deutschland nämlich am allerwichtigsten. »Die Deutschen lieben Papiere, sie sind wichtiger als die Menschen. Hast du keine Papiere, dann bist du hier gar nichts.«

Was ist typisch Deutsch?

Was zunächst ob der deutschen Korrektheit lustig klingt, wirkt bei näherer Betrachtung sehr kritisch. Die Deutschen hätten oft ein Problem mit Fremden, mit der Kultur, der Religion. »Aber immerhin haben die Polizisten in Berlin nur grimmig geschaut, in Syrien wurde ich gefoltert«, sagt Alshater und fügt hinzu, dass die Deutschen halt einfach etwas länger bräuchten, um sich gegenüber Fremden zu öffnen.

Typisch Deutsch sei auch eine kaum zu greifende Angst vor Flüchtlingen. »Die meisten Leute treffen überhaupt keine Flüchtlinge und trotzdem haben sie Angst vor ihnen. Warum?«, fragt Firas Alshater. Dies sei wie bei Spinnen, die viele nicht leiden könnten. »Aber so richtig Angst vor ihnen hat man, wenn man ihnen erzählt, dass irgendwo im Raum einen dicke Spinne sitzt.« In diesen Momenten wirkt die Lesung tiefgründig und kritisch.

Der »typische Deutsche« würde Firas Alshater wohl als bestens integriert bezeichnen. »Aber was soll das überhaupt heißen?« Sei man integriert wegen eines Piercings, wegen der Tattoos oder wegen der deutschen Sprache, fragt der Comedian. Dies sei sowieso eine typisch deutsche Angewohnheit. »Ständig wird mir gesagt, dass ich gutes Deutsch spreche.« Dabei seien doch auch Flüchtlinge ganz normale und intelligente Menschen, die eine Sprache erlernen können...

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