Di., 13.03.2018

Bang-Trainingszentrum sagt Fachkräftemangel den Kampf an »Hier sammeln wir Praxiserfahrung«

Von wegen Theorie, Praxisorientierung steht hier im Fokus: Azubi Jens Stickling (Hüttenhölscher), Ausbildungsleiter Frank Icke und Azubi Gerrit Joel Oetter (Upmann, von links) schauen sich die pneumatische Steuerung ganz genau an.

Von wegen Theorie, Praxisorientierung steht hier im Fokus: Azubi Jens Stickling (Hüttenhölscher), Ausbildungsleiter Frank Icke und Azubi Gerrit Joel Oetter (Upmann, von links) schauen sich die pneumatische Steuerung ganz genau an. Foto: Kerstin Eigendorf

Von Kerstin Eigendorf

Verl (WB). Fachkräftemangel ist in aller Munde. Genau hier setzt das Bang-Trainingszentrum in Verl und Steinhagen an. Hier werden Azubis ausgebildet, die dann Lücken füllen, die auf dem Arbeitsmarkt seit Jahren immer größer werden und in vielen Firmen nicht geschlossen werden können.

Bis zu 35 Auszubildende pro Jahrgang werden in Verl und Steinhagen fit gemacht für den Beruf. Sie durchlaufen bis zu 60 Tage Grundausbildung in einem Metallberuf, absolvieren 30 bis 35 Tage Prüfungsvorbereitung und 20 bis 25 Tage Abschlussprüfungsvorbereitung.

Was sie an ihrem Bang-Trainingszentrum haben, wissen die Azubis genau. »Hier sammeln wir Praxiserfahrung«, sagt Gerrit Joel Oetter und arbeitet parallel weiter an einer pneumatischen Steuerung. »Das ist tatsächlich der größte Vorteil hier«, sagt Ausbildungsleiter Frank Icke. In vielen Unternehmen gebe es überhaupt nicht die Möglichkeit, aufgrund nicht vorhandener Spezialgeräte, die Azubis gezielt auf die Prüfungen vorzubereiten.

»Außerdem fehlt es in den Unternehmen oft an Zeit und geeigneten Ausbildern, um die Azubis fit zu machen und zu spezialisieren«, betont der gelernte Werkzeugmechaniker, der den Standort Verl 2013 mit aufgebaut hat und vor kurzem auch den Start am neuen Standort Steinhagen als Nachfolger von Halle begleitet hat. Regelmäßig besucht er die Ausbilder und Azubis in den Unternehmen.

»Da erfährt man dann halt auch mal, was man sonst nicht mitkriegt. Etwa, dass viele Firmen sich die Möglichkeit eines Gabelstaplerführerscheins wünschen«, erzählt Icke. So etwas greife das Bang direkt auf, und jetzt biete es eben auch den Erwerb eines solchen Führerscheins an. »Das meinen wir mit passgenauen Angeboten.«

Das Bang steht aber nicht nur für die reine Ausbildung. Seine Arbeit beginnt oft schon weit davor. »Wir haben für ein Verler Unternehmen zum Beispiel in deren Räumen zwei Einstellungstests gemacht, diese ausgewertet und Empfehlungen abgegeben«, berichtet Icke und fügt nicht ohne Stolz hinzu, dass die Azubis im Bang »fünf Prozent besser abschneiden bei den Noten als der Kammerdurchschnitt«. Außerdem sei die Abbrecherquote mit zwei bis drei Prozent »extrem gering«.

Wie kommt das? »Wir können die Azubis einfach viel engmaschiger betreuen und gezielter für den Beruf fit machen«, sagt Icke. Dazu gehöre auch, dass Defizite früh erkannt und beseitigt würden. »Denn das, was früher normal war, ist heute nicht mehr selbstverständlich.« Damit spielt er darauf an, dass die Rechtschreibkenntnisse, aber auch einfache Dinge wie das Ausfüllen von Formularen für viele Jugendliche eine Herausforderung seien. »Auch hier haben wir ein Auge drauf«, sagt der 47-Jährige.

Das gilt auch für die etwa 20 Umschüler in Verl und acht Umschüler in Steinhagen und die zwölf Azubis, die im Mechatroniklabor in Verl ausgebildet werden. Denn seit 2017 hat sich das Bang Industrie 4.0 auf die Fahne geschrieben. Dazu gehört neben E-Learning auch eine hochmoderne Lerninsel, die virtuell Dinge entstehen lässt, die früher undenkbar waren.

Seit diesem Jahr sind auch zwei Flüchtlinge als Umschüler im Elektrobereich Teil des Bang. Und auf diesem Gebiet entwickelt sich das Ausbildungsnetz weiter. Auf Initiative von Ehrenamtlichen aus Verl ist die Idee entstanden, ein Konzept für Orientierungskurse für Migranten anzubieten. Und so bleibt das Ausbildungszentrum nicht stehen, sondern entwickelt sich stetig weiter als Schulungszentrum mit Zukunftsvisionen.

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