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Mo., 01.12.2014

Digitaler Masterplan zum Breitbandausbau bis 2025: Ortsteile gucken in die Röhre Auf Datenautobahn abgehängt

Diskutierten zum Breitbandausbau (von links): Albrecht Pförtner (Pro Wirtschaft), Bundestagsabgeordnete Christina Kampmann, Moderator Hans Feuß, Andreas Poppenborg (infokom Gütersloh) sowie Jochen Reeh-Schall (Friedrich-Ebert-Stiftung).

Diskutierten zum Breitbandausbau (von links): Albrecht Pförtner (Pro Wirtschaft), Bundestagsabgeordnete Christina Kampmann, Moderator Hans Feuß, Andreas Poppenborg (infokom Gütersloh) sowie Jochen Reeh-Schall (Friedrich-Ebert-Stiftung). Foto: Klaus Münstermann

Von Klaus Münstermann

Versmold (WB). Die Hesselteicher und Bockhorster fühlen sich als Menschen zweiter Klasse in Bezug auf die Übertragungsgeschwindigkeit im Internet. Auf Basis des digitalen Masterplans soll das Breitbandnetz bis 2025 in den Kommunen des Kreises ausgebaut werden. Versmolds Ortsteilen macht Andreas Poppenborg jedoch wenig Hoffnung.

Der Geschäftsführer des Zweckverbandes für kommunale Informations- und Kommunikationstechnik infokom Gütersloh hat die Pläne im Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt. Und dabei musste er gleich einräumen: »Der geplante Erschließungsgrad in Versmold liegt bei 77 Prozent der 8907 Haushalte.« Kreisweit will der Zweckverband laut Masterplan hingegen 89 Prozent mit einem flächendeckenden Glasfasernetz erreichen. Damit seien Übertragungsraten von mehr als 100 Mbit/s möglich.

Versmold verfügt in der Innenstadt über einen der derzeit 27 Glasfaser-Hauptverteiler der Telekom im Kreis Gütersloh. In einem Radius von vier Kilometern um diesen Verteiler herum beträgt die Übertragungsgeschwindigkeit 50 Mbit/s. »Je weiter sie vom Hauptverteiler entfernt wohnen, desto langsamer wird das Netz«, sagte Poppenborg.

Wenn die Stadt Versmold alle 8907 Haushalte mit Glasfaserverbindungen versorgen wollte, müssten auf 415 Kilometern Leerrohre verlegt werden. Dabei entfallen allein auf die Wege von den Kabelverzweigern zu den Hausanschlüssen 112 Kilometer.

Im Masterplan sind deshalb in jeder Kommune so genannte Innenräume definiert worden. Beschränkt man sich also beim Netzausbau auf Versmolds Kernstadt müssen nur 102 Kilometer Leerrohre verlegt werden. Davon führen dann 31 Kilometer von den Kabelverzweigern zu den Häusern. Auf diese Weise werden jedoch eben auch nur 77 Prozent der Haushalte erreicht. Der Neubau sämtlicher Leitungen würde 4,3 Millionen Euro kosten. »Davon fallen 70 bis 80 Prozent im Tiefbau an«, sagte Andreas Poppenborg. Deshalb wäre es sinnvoll bei ohnehin anstehenden Baumaßnahmen eine so genannte Mitverlegung vorzunehmen. Die Kosten dafür würden um etwa 2,6 Millionen Euro auf 1,7 Millionen sinken. Eine weitere Gestaltungsvariante sei, sich beim Netzausbau nur auf die Gewerbegebiete zu beschränken. Dann wären Investitionen von 1,3 Millionen Euro im Falle des Neubaus zu veranschlagen. Kann man bestehende Rohre nutzen sind es 600 000 Euro.

Dass in Versmolds Randbezirken auch schnelles Internet möglich wird, diese Erwartungen hatte Andreas Poppenborg auf einer Podiumsveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Vorwoche bereits mehr als gedämpft. »In Versmold ist die große Zersiedelung das Problem«, sagte Andreas Poppenborg. Und die Telekom arbeite eben auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten. 70 Prozent der Kabelverzweiger, die zum Haus führen, wolle das unternehmen ausbauen.

Deshalb müssten in den Ortsteilen alternative Technologien wie Richtfunk zum Einsatz kommen. Henning Rattenholl, Vorsitzender des Heimatvereins Bockhorst, und Hans-Wilhelm Wacker, Sprecher der Dorfgemeinschaft Hesselteich, dämmerte es bei Poppenborgs Vortrag sofort: »Wir werden wieder zu denen gehören, wo nix passiert. Wie sehen die Planungen denn konkret aus?«, wollten die beiden wissen. Dazu konnte Poppenborg an dem Abend wenig sagen. Bürgermeister Michael Meyer-Hermann sagte auf WB-Anfrage am Freitag: »Für die Ausbaumaßnahmen in den Ortsteilen sind in den kommenden Jahren jeweils 90 000 Euro in den städtischen Haushalt eingestellt.«. Zu veranschlagen sind laut Andreas Poppenborg 1,5 Millionen Euro. Glück haben die Versmolder, die einen Kabelanschluss von unitymedia haben. Im Gegensatz zu allen übrigen Altkreiskommunen ist das Netz des Kabelbetreibers in Versmold rückkanalfähig und kann somit auch für ein schnelles Internet genutzt werden.

Nicht nur in den Ohren von Henning Rattenholl und Hans-Wilhelm Wacker muss es wie Hohn geklungen haben, was Christina Kampmann auf dem Podium sagte. Die Bielefelder Bundestagsabgeordnete ist Mitglied des neues Ausschusses »Digitale Agenda« in Berlin. In dem habe sich die große Koalition verständigt, bis 2018 Internetverbindungen mit einer Übertragungsrate von 50 Mbit/s flächendeckend einzuführen: »Wir wollen eine digitale Spaltung des Landes verhindern.«

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