Do., 15.02.2018

Versmolds Bürgermeister Michael Meyer-Hermann spricht über Chancen und Probleme »Wohnraum ist kaum verfügbar«

Blick auf das interkommunale Gewerbeegebiet Borgholzhausen-Versmold, in dem es viele neue Entwicklungen gibt. Links im Bild ist eine Erweiterungsbaustelle der Nagel-Group erkennbar, rechts von der Bundesstraße B476 baut das Unternehmen Hagos

Blick auf das interkommunale Gewerbeegebiet Borgholzhausen-Versmold, in dem es viele neue Entwicklungen gibt. Links im Bild ist eine Erweiterungsbaustelle der Nagel-Group erkennbar, rechts von der Bundesstraße B476 baut das Unternehmen Hagos Foto: Ulrich Fälker

Von Burkhard Hoeltzenbein

Versmold (WB). Sprudelnde Steuereinnahmen geben auch der Stadt Versmold ein Stück Handlungsspielraum zurück. Bürgermeister Michael Meyer-Hermann will Schulden reduzieren und in die Bestandserhaltung, etwa bei Straßen und Wirtschaftswegen investieren. Das Jahr 2018 soll aber auch ein Jahr werden, in dem sich Versmold entwickelt.

Wo steht Versmold am 31. Dezember 2018? Auf die Finanzen bezogen, beantwortet Michael Meyer-Hermann die Frage zunächst mit dem Verweis auf die geplante Haushaltskonsolidierung. Im Zuge derer soll eine Sondertilgung von 500.000 Euro vor allem Kredite auf »null« fahren, bei denen Zinsbindungen auslaufen und die ohne Vorschusszinsen ablösbar sind.

Einen so guten Haushalt wie derzeit hatte Versmold lange nicht mehr

»Stand heute stehen wir gut da. Einen so guten Haushalt, bei dem wir sogar einen Überschuss erwirtschaften hatten wir schon seit Langem nicht mehr«, konstatiert der Bürgermeister im Vergleich zu den Defiziten in den Vorjahren. Wobei er da Unterschiede macht, wie Schulden zustande kommen. »Man kann nicht immer aus dem ›Cash‹ Bauflächen erschließen und in Infrastruktur investieren«, erklärt Meyer-Hermann etwa mit Blick auf die Erschließung von Baugebieten. Auch diese Investitionen hätten zu höheren Schulden geführt. »Aber man muss dann auch in Zeiten, wo Geld hereinkommt, diese wieder zurückführen.«

Ob dies ein Signal ist, um Steuern zu senken? »Wünsche gibt es immer«, ist Meyer-Hermann da vorsichtig. Man müsse sehen, was machbar sei, geordnete Finanzen hätten oberste Priorität.

 

Baulandpreis auch in Versmold kräftig angestiegen

Noch immer sei Versmold im Vergleich zu den Nachbarkommunen bei den Baulandpreisen absolut konkurrenzfähig. Dass die Preise auf frei verhandelbaren Flächen allerdings auch hier anziehen, sei nicht von der Hand zu weisen. Die Erschließungskosten für Straßenbau und Kanäle seien ebenfalls deutlich gestiegen. Ein Grund, warum innerhalb von drei Jahren der Quadratmeterpreis von 115 auf 140 Euro gestiegen sei.

Dass mehr getan werden müsse, liegt für Meyer-Hermann auf der Hand. »Wir haben immer noch ein knappes Angebot und müssen das aufholen, was in den Jahren davor nicht geschaffen wurde.« Mit dem näherrückenden Baugebiet am Hohlweg und der frisch freigegebenen Fläche für den Bau einer Klimaschutzsiedlung am Eschkamp in Bockhorst würden sowohl in der Kernstadt als auch in dem Ortsteil attraktive Angebote geschaffen.

Stadt Versmold will den Rathaus-Vorplatz neu gestalten

Die aktuell gute finanzielle Lage gebe Politik und Verwaltung Schwung, um nun geplante Vorhaben anzugehen. »Traditionell kommen in der zweiten Hälfte der Wahlperiode große Dinge in die Umsetzung«, sagt Meyer-Hermann. Wie die seit Jahren diskutierte Gestaltung der Innenstadt. »Wir werden mit dem Rathausplatz anfangen«, kündigt er an. Eine Baumaßnahme, die sich bis in das nächste Jahr hineinziehen wird. »Da wird dann endlich sichtbar, was wir in den letzten Jahren erarbeitet haben.« Was vor 30 Jahren mal gut war, müsse nun gestalterisch auf einen neuen Stand gebracht werden. Aspekte wie Barrierefreiheit stünden heute viel mehr im Fokus.

Baulich und planerisch passe da gut zusammen, dass die Stadt den Kirchplatz vor der Petri-Kirche verändern möchte, zugleich die Evangelische Kirchengemeinde mit dem Bau eines neuen Gemeindezentrums dort das Stadtbild verändern werde.

Versmold will noch eine elfte Kita bauen

Auf der Agenda stehe weiter die Versorgung mit Kita-Plätzen. »Wir haben im Vorjahr mit der DRK-Kita am Stadtpark die zehnte Kindertagesstätte in Versmold in Betrieb genommen«, rechnet er vor. Diese sei schon wieder voll belegt. Zahlen, die er »erfreulich« findet. »Es zeigt, dass Versmold wächst, bedeutet aber auch, dass wir mehr Betreuungsplätze brauchen werden.« So sollen Kitas in den Ortsteilen Oesterweg, Bockhorst und Peckeloh aufgestockt werden. »Und dann fehlt noch eine elfte Kita im nördlichen Stadtbereich, um die gute U3- und Ü3-Betreuung zu erhalten«, blickt Meyer-Hermann voraus. Die Weichen sind gestellt, alle Träger sind angeschrieben worden. »Uns ist durchaus dran gelegen, die Trägervielfalt zu erhöhen.«

Noch immer leben etwa 400 Flüchtlinge in Versmold, von denen die Meisten in den Jahren 2015 und 2016 hier ankamen. »Wir haben nachhaltig nutzbare Einrichtungen mit Perspektive geschaffen. Die größeren Projekte wie in Peckeloh seien für eine Nachnutzung ausgelegt. Die Praxis zeige aber, dass anerkannte Flüchtlinge, die einen befristeten oder unbefristeten Aufenthaltstitel haben, zumindest für einen gewissen Zeitraum dort wohnen bleiben müssten.

Alle drängen gleichzeitig auf den Wohnungsmarkt

Das Problem liege im knappen Wohnraum in Versmold: »Der ist schwierig bis nicht verfügbar«, spricht er hier Klartext. »Der Kreis Gütersloh ist wirtschaftlich stark und zieht daher viele Menschen an. Die drängen alle gleichzeitig auf den Wohnungsmarkt«, beschreibt er die Situation, die er bei der Landesregierung angemahnt habe. »Dass hier so schnell keine Wohnungen geschaffen werden können, wird nicht berücksichtigt«, kritisiert er damit auch die Wohnsitzregelungen, die auch den ländlichen Raum belasteten.

Zudem gebe es abgelehnte Asylbewerber, die weiter in den städtischen Unterkünften wohnen. Gegen deren Ausreisepflicht stünden Gründe von anhängigen Klagen über ungeklärte Identitäten bis hin zu berechtigten oder fiktiven Krankheitsbildern, die es Versmold – wie anderen Kommunen – schwer machten. »Wir müssen jene, die integriert werden sollen und wollen, unterstützen, aber die zurückführen, die – aus menschlichen nachvollziehbaren Gründen – versuchen, diese zu verhindern. Dass diese Gruppen alle zusammen in den Unterkünften leben, schüre Konfliktsituationen untereinander als auch gegenüber Mitarbeitern der Stadt.

Neue Entwicklungen im interkommunalen Gewerbegebiet

Das Interkommunale Gewerbegebiet Borgholzhausen-Versmold (IBV) soll weiter wachsen. Neue Ansiedlungen sind unter Dach und Fach, weitere folgen im Lauf des Jahres. »Wir haben mehrere Grundstücke verkauft«, sagt Michael Meyer-Hermann.

So sei »B+S« in Rekordzeit entstanden, die Unternehmen Hagos und Dübber haben bereits begonnen zu bauen. »Wir haben zudem einige weitere Interessenten und bereits Reservierungen ausgesprochen«, geht Meyer-Hermann davon aus, dass in absehbarer Zeit alle Flächen vergeben sein könnten. Dass damit die Diskussion um den dritten Bauabschnitt im Interkommunalen Gewerbegebiet wieder aufflammen wird, sei klar.

»Wir wollen aber nicht erst auf Nachfrage reagieren. Daher ist es richtig, dass im neuen Regionalplan Bedarfe berücksichtigt werden«, erklärt der Bürgermeister. Entsprechende Gespräche, wie viele Hektar zugestanden werden, würden mit der Bezirksregierung laufen, es gehe um die Planung bis zum Jahr 2035. »Wir müssen uns jetzt auf den Weg machen«, mahnt Meyer-Hermann. Denn großflächige Industrieansiedlungen ließen sich nur im IBV ermöglichen. »Wir müssen uns selbstbewusst positionieren. Dass absehbar der A-33-Lückenschluss kommt, ist ein Argument für uns.«

Auch im Stadtgebiet müssen in den Gewerbegebieten kleinteiligere Lösungen bei Anfragen der heimischen Wirtschaft möglich sein. »Wir sprechen von bis zu 5000 Quadratmetern«, erklärt er. Auch diese Potenziale flössen in den Regionalplan mit ein.

Ein Hemmnis in der Entwicklung von Gewerbe wie Siedlungsflächen sei, dass begehrte Flächen zwar überplant seien, sich aber im privaten Eigentum befänden. »Da ist die Verkaufsneigung derzeit eher gering.« Was für Meyer-Hermann nachvollziehbar ist. »Boden wird immer mehr wert und auf der Bank gibt es kaum Zinsen.« Allerdings würden sich in direkten Gesprächen, auch nach Vermittlung über das Rathaus immer wieder Möglichkeiten auftun.

 

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