Di., 20.02.2018

Leseherbst in Versmold: Simone Kriebs will Eltern den Blick öffnen »Kinder nicht perfektionieren«

Manche Eltern umkreisen ihre Kinder wie Hütehunde, beobachtet Simone Kriebs mit Sorge. Sie hielt in Versmold zum Abschluss des Leseherbstes ein Plädoyer für mehr Gelassenheit.

Manche Eltern umkreisen ihre Kinder wie Hütehunde, beobachtet Simone Kriebs mit Sorge. Sie hielt in Versmold zum Abschluss des Leseherbstes ein Plädoyer für mehr Gelassenheit. Foto: Kramp

Versmold (WB/park). Aus Mücken Elefanten machen? Das will Simone Kriebs, Diplom-Pädagogin und Familientherapeutin, verhindern. Sie wirbt mit ihrem Buch »Die entspannte Familie« zum Ende des Leserherbstes humorvoll für eine Erziehung, weg vom Perfektionismus hin zu mehr Liebe.

Denn der stressige Familienalltag  entspricht halt nicht oft der Windelwerbung. »Kinder wollen nicht perfektioniert, sondern schlicht geliebt werden, wie sie sind. Und Eltern, die sich kümmern.«

Vorsicht, »Hütehund«-Eltern!

Aber sie stellt in der Versmolder Kita in der Gartenstraße, in der die Lesung passenderweise stattfindet, auch gleich klar: »Wir sollen nicht alle ›Hütehund-Eltern‹ werden oder bleiben, die sich pausenlos rund um die Uhr in alles einmischen und regeln wollen.«

Kriebs mag das mittlerweile gebräuchliche Wort »Helikopter-Eltern« nicht so sehr. Und  ersetzt es mit dem Hütehund-Bild, der sich rund um die Uhr pausenlos kümmert. »Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen, aber das ist ein sehr schmerzhafter Prozess.« Das weiß sie aus eigener Erfahrung. Ihre beiden Kinder sind jetzt 20 und 16.

Kinder sind »junge Menschen«

Kriebs spricht auch nicht gerne von Kindern, sondern von jungen Menschen. Denn: »Kinder sind von Geburt an eigenständige Wesen. Die heutige Kleinkindforschung zeigt, dass junge Menschen alle Potenziale und Fähigkeiten mitbringen, die sie für ihr Leben brauchen.« Und darum plädiert sie für mehr Vertrauen in die eigene, (altersgemäße) Verantwortung selbst der Kleinsten.

Das typische Beispiel Zähneputzen. »Wer hat nicht schon – nach x-maligen Karies- und Baktus-Geschichten dennoch quasi rittlings auf dem Kind gesessen, um nahezu mit Gewalt die Zähnchen zu putzen.« Doch es gehe auch anders: »Du siehst das nicht ein. Okay. Aber ich möchte, dass du die Zähne dennoch geputzt bekommst. Du kannst jetzt entscheiden, ob das weiterhin mit Theater geht oder ob wir das friedlich hinbekommen.« So, befindet Kriebs, hat das Kind  selbst dann noch eine Entscheidungsmöglichkeit. Aber die letztendliche Verantwortung und Entscheidung bleibt bei dem Elternteil.

Weniger Ratgeber lesen

 »Vergessen Sie alle Ratgeber, die einen nur verunsichern. Beherzigen Sie am Ende nur eines: Entscheiden müssen letztendlich Sie. Positionieren Sie sich. Vermitteln Sie Klarheit. Und haben Sie ein offenes Herz. Haben Sie Vertrauen in sich. Und in den jungen Menschen. Seien Sie authentisch und haben Sie Vertrauen darin, dass Sie per se eine gute Mama sind. Vom Kind hätte man zwar gerne die Bestätigung, aber genau dafür ist das Kind nicht da. Und«, fügt sie augenzwinkernd an, »haben Sie Vertrauen darin, dass das Kind einen Tobsuchtsanfall überleben wird. Raus aus: Ich finde für dich eine Lösung.«

Denn die Fachfrau befindet: »Dafür sind wir Eltern gar nicht da. Unser Job ist, sie aufs Leben vorzubereiten.«

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