Mi., 14.03.2018

Nora Boekler begeistert Publikum mit komödiantischem Talent Nörles Traumjob in Mamas Mampferia

Die schwäbische Kabarettistin Nora Boekler wechselt rasend schnell die Rollen – temperamentvoll und witzig.

Die schwäbische Kabarettistin Nora Boekler wechselt rasend schnell die Rollen – temperamentvoll und witzig. Foto: Petra Kramp

Von Petra Kramp

Versmold (WB). Die meisten im Publikum kennen »das Nörle« bislang noch nicht. Dahinter verbirgt sich die 35-jährige gleichsam temperamentvoll-witzige schwäbische Kabarettistin Nora Boekler, die rasend schnell die Rollen wechselt.

Sie gibt übergangslos die renitente, aber schlagfertige Rapperin Chucky alias Jaqueline, mimt die esoterische Atemkurs-Leiterin Wibke mit dem unvollendeten Augenaufschlag oder Nörles »Muddi« Angelika, die sich immer wieder auf die Bühne fuchst, weil sie doch ihr Töchterchen an den Mann bringen möchte.

Kein gutes Timing, ist doch die Aula am Schulzentrum Versmold, randvoll besetzt mit Frauen und nur einem Quotenmann. Aber das Nörle ist auch so nicht zu beneiden. Gesegnet mit einer technik-jecken Mama, die sich die Telefonnummer des Hausarztes auf den Oberarm tätowierte: »Damit ich, falls ich mal umfalle, direkt Hilfe bekomme.« Die nur deshalb regelmäßig per Iphone ihre Menüfotos bei »Inschtagramm« ins Netz stellt, um dem Seniorenheim zu entgehen. Denn, so schlussfolgert sie pragmatisch: »Damit kann ich nachweisen, was ich am 27. Oktober 2008 gegessen habe.«

Bekanntschaften waren nicht von Dauer

Die bisherigen Bekanntschaften von Nörle haben sich als nicht dauerhaft erwiesen, weder der professionelle Hypochonder Philipp-Gregor noch der abstrakte Maler Tommy, der blitzschnell nach dem Besuch ihrer Eltern seinen Status bei Facebook ändert. So bleibt dem Schauspieltöchterlein nichts anderes übrig, als ihrem Traumjob Kellnerin in »Mamas Mampferia« nachzugehen. Um flugs, unter großem Gelächter des vergnügten Publikums, ihre Stammkunden zu imitieren. Der Oberbrüller ist die gesangstalentbefreite Intelligenzbestie Jacqueliiine, genannt Chucky. Dazu braucht es nur ein verkehrt herum aufgesetztes Käppie, den Rest besorgt Boecklers komödiantisches Talent. Chucky sonnt sich im »Lob«: »Der Dieder Bohlen hat zu mir gesagt: Wenn du bei uns im Keller singst, kommen die Kartoffeln freiwillig geschält nach oben.«

Multitalent Boeckler rappt, springt, näselt und gibt, ihr Halstuch flugs als Kopftuch nutzend, die esoterische Wibke. Die Atemkursleiterin, die im Stammcafé alles bekommt, nur nicht ihren »Hagebutten-Pfefferminz-Roibush-Cranberry-Hirtentäscheltee. Aus biologischem Anbau. Aus Süd-Tibet.« Und die daraufhin beleidigt warmes Leitungswasser ordert, »im handgeblasenen Glas.« Aber hartnäckig auf ihren bei Neumond geernteten Arabica-Kaffeebohnen aus Ecuador besteht. Und die zum Abschluss eine hinreißende Helene-Fischer-Parodie gibt. »Atemlos ist vorbei, heute atmen wir für zwei«, klingt es prompt aus nahezu allen Damenkehlen. »Das Nörle«, der Wirbelwind, der selbst das Wort »Wechseljahre« ertanzen kann, denn wofür bekommt man sonst Schauspielunterricht, hat die Versmolderinnen im Sturm erobert.

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