Mo., 19.06.2017

Firma Schröder: Branche setzt auf Maschinen und Knowhow aus Werther Pökel-Profis sind weltweit gefragt

Wie erzielt die Maschine die besten Ergebnisse? Jan Grundmann testet es mit Rollbraten.

Wie erzielt die Maschine die besten Ergebnisse? Jan Grundmann testet es mit Rollbraten. Foto: Margit Brand

Von Margit Brand

Werther (WB). Warum wirft der Rollschinken Bläschen? Für den Großkunden aus Amerika wird die Firma Schröder Maschinenbau das klären. Nicht umsonst sind die Wertheraner Weltmeister in Sachen Pökel-Technologie.

Das ahnt nicht gleich jeder, der durchs Gewerbegebiet Esch fährt. Aber in 50 Jahren hat das Unternehmen sich einen Namen gemacht in der Lebensmittel-, insbesondere der fleischverarbeitenden Industrie. Und dieser Name »Schröder« bleibt, wenngleich das von Helmut Schröder gegründete Familienunternehmen mit seinen knapp 150 Mitarbeitern wie berichtet seit April zur Weber-Gruppe in Breidenbach gehört. 1100 Mitarbeiter produzieren an zehn internationalen Standorten Systeme für die Verarbeitung, Veredelung und das Schneiden von Wurst, Fleisch, Käse und andere Lebensmittel.

Weiter auf Augenhöhe

Die neue strategische Größe werde Schröder (zuletzt 20 Millionen Jahresumsatz) helfen, mit den zunehmend größer werdenden Handelspartnern der lebensmittelverarbeitenden Industrie weiterhin auf Augenhöhe zu bleiben, sagt Peter Danwerth, seit 2008 Geschäftsführer in Werther.

Filetstück in der Rodderheide

Die Weber-Gruppe will mit Schröder in Werther expandieren. Dafür hat das Unternehmen im neuen Gewerbegebiet ein 9000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft – inklusive Erweiterungsoption über weitere 3000 Quadratmeter. »Das Filetstück der Rodderheide«, sagt Geschäftsführer Peter Danwerth. Hier soll ein neues Technologiezentrum entstehen, das Kunden aus der ganzen Welt unter anderem ermöglicht, Produktverbesserungen vor Ort auszutesten. Bislang geschieht dies im Esch auf kleinem Raum. Einen Termin für den Baustart gibt es noch nicht. »Wir horchen noch in den Markt hinein«, sagt Danwerth. Wobei die ersten Reaktionen auf das Zusammengehen von Weber und Schröder positiv seien: »Die Kunden applaudieren.« Die Auftragslage sei erfreulich.

Aber auch Weber Maschinenbau profitiert. Das Schneiden, Einlegen und Verpacken könne Kunden dank des Know-Hows der Schröder-Crew künftig aus einem Guss angeboten werden, blickt Tobias Weber, geschäftsführender Gesellschafter der Weber-Gruppe, nach vorn. 100 Prozent Marktanteil für Schröder-Maschinen im Umkreis von 50 Kilometern spricht für die Qualität, die die Hessener eingekauft haben. Aber nicht nur im »Fettfleck« Deutschlands ist Schröder gut im Geschäft. Weltweit sind Maschinen aus Werther gefragt.

130 Maschinen pro Jahr

Etwa 130 pro Jahr verlassen die Hallen im Esch. Eigene Verpackungsmaschinen gibt es seit 2010, dazu Spezialwerkzeuge für die Tiefziehverpackung anderer Hersteller. Die eigenen Pökel-Injektoren werden bereits seit vier Jahrzehnten immer weiter verfeinert. Denn aus dem, was die Großmutter nach einem Griff ins Salzfass noch aus dem Handgelenk machte, ist längst eine Wissenschaft geworden.

Beim Pökeln, wie es schon die Wikinger kannten, zieht Salz pro Tag einen Zentimeter ins Fleisch und verdrängt dort das Wasser. Soviel Zeit zum Haltbarmachen hat die Industrie heute nicht. Stattdessen wird mit dicht an dicht liegenden Nadeln Salzlake ins Fleisch gespritzt. Gesättigt ist eine Salzlösung bei 25 Prozent. »Wir verwenden 30-prozentige Lake«, lächelt Danwerth.

Salzlake spezial

Wie die Gesetze der Natur ausgehebelt werden, ist Betriebsgeheimnis. So wie Schröder auch das Patent darauf hält, dass Panade beim Braten nicht vom (Fertig-)Schnitzel fällt. Zumindest dann nicht, wenn der Lachsstrang eines Schweines zuvor einen von Schröders Zonen-Injektoren durchlaufen hat. Der berücksichtigt, dass der lange Rückenmuskel nicht an allen Stellen gleich fest ist.

Das eigentliche Geheimnis des Erfolges aber sehen Danwerth wie Weber darin, dass alle Vertriebsleute der Firma »studierte Schlachter« sind, wie sie sagen. Beratung kommt vor dem Verkauf. Wenn Schröder helfen kann, dass der Rollschinken aus Amerika in der Verpackung eben keine Bläschen wirft, dann gehen den »German Metzgermeisters« weltweit die Türen auf.

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