Sa., 30.12.2017

Werther hat 2018 viel vor: Bürgermeisterin Marion Weike blickt nach vorn Weniger Lücken, mehr Bauplätze

Was ist eher umgesetzt: Wohnhäuser am Blotenberg oder der neue Kreisel an der Einfahrt zum neuen Busbahnhof? Werther darf gespannt bleiben.

Was ist eher umgesetzt: Wohnhäuser am Blotenberg oder der neue Kreisel an der Einfahrt zum neuen Busbahnhof? Werther darf gespannt bleiben. Foto: Ulrich Fälker

Werther (WB). 27 größere Projekte, so hat Bürgermeisterin Marion Weike durchgezählt, stehen in Werther im neuen Jahr an. Im Gespräch mit Margit Brand hat sie auch auf das zurück geblickt, was 2017 liegen geblieben ist.

»2017 möchten wir ernten«, lautete vor einem Jahr die Überschrift über das schon traditionelle Jahresabschlussgespräch mit Ihnen. Das hat nicht so richtig geklappt, oder?

Marion Weike: Das würde ich so nicht sagen. Die Drogerie Rossmann hat inzwischen geöffnet. Wir haben das kleine Baugebiet bei Weinhorst in Häger vorbereitet. In der Rodderheide wird die erste Halle gebaut, die Erneuerung des ZOB steht bevor. Und im Hintergrund ist auch einiges passiert – vielleicht für die Öffentlichkeit nicht so wahrnehmbar.

Marion Weike

Aber auf das Schild »Grundstücke zu verkaufen« am Blotenberg haben die Wertheraner gemeinsam mit Ihnen vergeblich gewartet... Sie waren Ende 2016 optimistisch, in Kürze einen Satzungsbeschluss für das Neubaugebiet zu bekommen.

Weike : Das ist ohne Zweifel ärgerlich. Es ist nicht zu akzeptieren, dass Leute, die bei uns ein Grundstück suchen, die Hoffnung aufgeben und wegziehen. Aber unser Ziel bleibt es, das Projekt kurzfristig umzusetzen, vielleicht ja auch mit den Stimmen der CDU. Ich bin optimistisch, dass wir 2018 den Satzungsbeschluss für den ersten Abschnitt hinbekommen. Eventuell müssen wir den zweiten Teil direkt nachlegen. Aber nun müssen die vielen Einwendungen sorgfältig bearbeitet werden.

Der Wohnungsmarkt ist und bleibt leer gefegt. Schafft die kleine »Weinhorst-Siedlung« wirklich Abhilfe?

Weike : Es gibt in der Tat Bauwillige, die sich ein Wohnen im Dorf vorstellen können und auch gezielt nach Grundstücken in Häger fragen. Elf Bauplätze sieht der alte Bebauungsplan vor. Möglicherweise lassen sich darauf auch Doppelhäuser realisieren.

Helfen 24.000 Euro Anschubfinanzierung für sozialen Wohnungsbau wie jüngst beschlossen?

Weike : Das eigentliche Problem ist die schlechte Förderkulisse des Landes NRW, in die Werther und die umliegenden Städte vor ein paar Jahren geraten sind. Es kann nicht sein, dass die Kommunen hier dauerhaft in die Bresche springen. Bund und Land stellen ja durchaus Fördergelder zur Verfügung, die die Investition in sozialen Wohnungsbau ermöglichen. Nur partizipieren wir vor Ort leider nicht davon. Klaus Besser, Anne Rodenbrock-Wesselmann, Dirk Speckmann, Michael Meyer-Herrmann und ich haben NRW-Bauministerin Scharrenbach im November mit der Bitte angeschrieben, unsere Kommunen in eine andere Förderkulisse einzustufen. Eigentlich für das Land ganz einfach.

Das Weco-Gelände ist weiter politische Dauer-Baustelle. Wird es da 2018 endlich eine Lösung geben?

Weike : Ich gehe davon aus, dass wir im neuen Jahr ein ganzes Stück weiter kommen. Dass die vorliegenden Pläne der Schoofs-Gruppe überdimensioniert sind, sehen inzwischen, glaube ich, auch die meisten in der Politik so.

Was hat der Stadtentwicklungsworkshop, zu dem Politik und Verwaltung sich Anfang 2017 zusammen gefunden hatten, gebracht?

Weike : Keine unerwarteten Ergebnisse. Ich habe allerdings den Eindruck, dass die Vorstellungen der Fraktionen, ob weitere Wohngebiete ausgewiesen werden sollen, sehr weit auseinander gehen. Bislang fehlt zu dieser Grundsatzfrage eine offene politische Auseinandersetzung. Mal abgesehen vom Blotenberg: Auch darüber hinaus sollten Perspektiven geschaffen werden, wo Wohnen in Zukunft möglich werden soll. Stattdessen haben die Grünen jetzt sogar gegen das Baugebiet bei Weinhorst gestimmt, obwohl damit – wie im städtischen Flächenmanagement vorgesehen – Lücken geschlossen werden.

Apropos Lücken: Der Leerstand in der City ist unverändert groß. An der Engerstraße dagegen ist Rossmann eingezogen, der Komplex am Kleinbahnhof fast fertig. Wie wollen Sie ein Auseinanderbröckeln der Innenstadt verhindern?

Weike : Es gibt Leerstände, ja. Aber: Wir haben einen Spielwarenladen, wo gibt es das sonst noch in dieser Art? Wir können Bücher, Schreibwaren, Bekleidung, Wolle, Blumen, Lederwaren, Elektroartikel, Lebensmittel und vieles mehr in der Stadt kaufen. Es liegt an den Menschen, das auch vor Ort zu tun. Auch der neue Drogeriemarkt und die Geschäfte im einstigen Pennymarkt helfen, Kunden überhaupt in Werther zu halten. Eigentümer der Ladenlokale, Werbegemeinschaft und Stadt müssen verstärkt zusammenarbeiten, um weitere Geschäfte in der Innenstadt anzusiedeln und die Lücken zu schließen. Erste Ideen dafür gibt es: Neugründern etwa würde es am Anfang sehr helfen, wenn sie nicht gleich einen langjährigen Mietvertrag schließen müssten.

Über kurz oder lang wird die Firma Actosoft als Hauptmieter den ehemaligen H.W. Meyer-Komplex in Richtung Neubau Hof Overbeck verlassen. Welche Nachnutzung würden Sie als Bürgermeisterin sich an dieser Stelle wünschen?

Weike : Planerisch ist vieles denkbar an dieser Stelle, die ohne Zweifel sehr prägend für das Stadtbild ist. Büros, Wohnungen, Einzelhandel – fest steht: Eine gute Lösung kann es nur durch ein Zusammenspiel von Stadt und möglichen Investoren geben.

 

Eigentlich sollte das Böckstiegel-Museum schon im Herbst eröffnet werden, nun startet es erst im April 2018. War das für die Stadt eine Art glückliche Fügung, weil die Zeit für wichtige Vorarbeiten sonst noch knapper geworden wäre?

Weike : Wir hatten in der Tat nicht damit gerechnet, dass das Anlegen eines Parkplatzes so aufwändig – und auch teuer – werden würde. Grund ist die schwierige Entwässerung. Bei der Eröffnung wird es deshalb erst ein Provisorium geben können. »Glückliche Fügung« ist aber vielmehr das Museum selbst. Was die Stiftung und der Kreis Gütersloh hier Fantastisches leisten, sollte von allen in Werther wertgeschätzt werden.

 

Wie wird sich die Rodderheide 2018 verändern? Muss schon über die planerisch vorgesehene Erweiterung nachgedacht werden?

Weike : Bislang sind etwa drei Viertel der verfügbaren Grundstücke vergeben. Drei Bauantragsverfahren laufen aktuell: für die Tamoil-Tankstelle, den Umzug der Firma Duran, und auch Maschinenbau Weber (früher Schröder) will sich hier eher als zunächst geplant vergrößern. An die Flächen für zwei weitere Hektar in der Rodderheide zu kommen, wird sicher nicht leicht. Wir haben aber auch andere Optionen im Auge und stehen in Verhandlungen.

 

Von Busbahnhof bis Blotenberg, von Kunstrasen bis Kläranlage: 28 größere Maßnahmen, so haben Sie einmal durchgezählt, stehen 2018 an. Die kleine Rathausmannschaft ächzt unter viel Arbeit. Warum wehren Sie sich gegen die Einstellung eines Stadtplaners, wie von der CDU angeregt?

Weike : Wir arbeiten seit langem bestens mit Fachbüros zusammen, die Werther gut kennen und die mit ihren Experten verschiedene Fachbereiche abdecken. Da ist es oft einfacher und effektiver, Aufträge raus zu geben, als jemanden Neues einzuarbeiten.

 

Mit dem neuen ZOB soll ein Kreisverkehr entstehen. Wie sehr wünschen Sie sich einen weiteren Kreisel an der Ampelkreuzung, wenn Sie zur Stoßzeit mal wieder »ewig« in der Schlange stehen?

Weike: Das habe ich mich noch gar nicht beim Landesbetrieb Straßen NRW zu fragen getraut... Sollte sich die Situation aber nach Freigabe der A33 an der Ampelkreuzung verschärfen, könnte ein Kreisverkehr auch hier eine gute Lösung sein.

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