Mi., 03.01.2018

Knut Weltlich setzt ein filmisches Denkmal Film über die alte Kleinbahn in Werther

Auf diesem historischen Foto von M. Rüter ist die Lokomotive »Dicke Dornberg« an der Haltestelle Isingdorf zu sehen, im Hintergrund steht das Haus Rüter.

Auf diesem historischen Foto von M. Rüter ist die Lokomotive »Dicke Dornberg« an der Haltestelle Isingdorf zu sehen, im Hintergrund steht das Haus Rüter.

Von Johannes Gerhards

Werther (WB). »Ach wie war es doch zudem mit der Kleinbahn so bequem. Leider tut sie nicht mehr fahren wie vor mehr als 60 Jahren«, heißt es volkspoetisch am Ende des noch nicht ganz fertig gestellten Films, in der die ausgestorbene Schmalspurbahn zu neuem Leben erweckt wird.

Bürger aus Werther und Umgebung dürfen sich aber jetzt schon auf die kommenden öffentlichen Vorführungen freuen, die für Anfang des Jahres geplant sind. Über vier Jahre lang hat Knut Weltlich an dem Projekt gearbeitet und mittlerweile rund 20.000 Euro Eigenmittel investiert. Angeregt vom 2016 bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommenen Stadtführer und Heimatforscher Wilhelm Redecker ist er den Spuren der 1956 endgültig stillgelegten Bahnstrecke gefolgt und lässt die Kleinbahn nun virtuell wieder durch die Landschaft schnaufen.

Verstorbener Stadtführer hat Filmprojekt angeregt

»Das unglaubliche Hintergrundwissen von Wilhelm Redecker hat schon gefehlt«, sagt Knut Weltlich, sonst sei der Film bestimmt früher fertig geworden. Einige Zeitzeugen kommen zu Wort und berichten anschaulich von ihren persönlichen Erlebnissen mit der Kleinbahn. Zwischendurch können die Zuschauer aus der Vogelperspektive oder ebenerdig die Fahrt der animierten Version von Lokomotive »Dicke Dornberg« durch die heutige Landschaft verfolgen.

Aus rund 30 Stunden Rohmaterial hat Weltlich in aufwendiger und liebevoller Kleinarbeit einen faszinierenden fast vierzigminütigen Film zusammen geschnitten und so ein lebendiges Stück Heimatgeschichte erschaffen. Seit dem 1. April 1901 wurden auf der 13,9 Kilometer langen Strecke Werther – Dornberg – Schildesche Menschen, Tiere und Güter transportiert. »Für Werther öffnete sich damals ein kleines Tor zur großen Welt«, hatte Wilhelm Redecker noch 2014 gesagt, als Weltlich mit den Filmaufnahmen begann.

Aufwendige Computeranimationen für den Film

Im Jahre 1954 wurde zunächst der Personen- und zwei Jahre später auch der Güterverkehr eingestellt, weil sich der Betrieb wirtschaftlich nicht mehr lohnte. Die Gleise sind verschwunden, die Bahntrasse ist an vielen Stellen nur noch zu erahnen. »Wir sind mit der Kamera durchs Gebüsch gelaufen um der Strecke zu folgen«, erinnert sich Knut Weltlich an die Dreharbeiten vor Ort.

In diese Aufnahmen wurde dann der aus zwei Personen- und einem Güterwaggon bestehende Zug per Computeranimation hinein montiert. »Für eine Sekunde Film werden 25 Einzelbilder benötigt«, berichtet Knut Weltlich über die im Wesentlichen von Khan Lun ausgeführten Arbeiten am Schneiderechner.

»Ich durfte damals beim Rangieren auf der Lokomotive mitfahren«, berichtet der Sohn eines Lokführers, andere erinnern sich an verqualmte Abteile und gemütliche Schachpartien während der Fahrt. Auch spektakuläre Unfälle oder Fliegerangriffe während des Krieges kommen zur Sprache. Zusätzlich wird historisches Fotomaterial gezeigt, das aber trotz mehrerer Aufrufe leider nicht so üppig zur Verfügung stand.

Zuschauer erhalten Original-Fahrkarten der Bielefelder Kreisbahnen

»Fotografieren war im Gegensatz zu heute eine Seltenheit«, sagt Knut Weltlich. Noch hat er nicht sämtliche Bildlizenzen zusammen, deswegen kann der Film derzeit nicht öffentlich gezeigt werden. Das soll sich aber in den nächsten Wochen ändern. Eine Vorführung im großen Saal des evangelischen Gemeindehauses ist geplant, Kontakte zu den Heimatvereinen in Spenge, Enger, Jöllenbeck und Dornberg sind geknüpft. »Jeder Zuschauer erhält am Eingang eine Originalfahrkarte der Bielefelder Kreisbahnen«, kündigt Weltlich an, der sich bereits stilecht mit den historischen Requisiten Knipserzange, Münzwechslertasche, Signalkelle und Schaffnermütze ausgestattet hat.

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