Mi., 14.02.2018

Böckstiegels Atelier geht in der Feuernacht von Dresden in Flammen auf Bomben zerstören Kunstwerke

Peter August Böckstiegel in seinem Atelier unter dem Dach des Hauses am Antonsplatz in Dresden.

Peter August Böckstiegel in seinem Atelier unter dem Dach des Hauses am Antonsplatz in Dresden.

Von Klaus-Peter Schillig

Werther/Dresden (WB). Für den Künstler ist es ein Schock, ein Einschnitt in seinem Leben, ein Bruch in seinem künstlerischen Schaffen. Am Morgen des 14. Februar, nach den alliierten Bombenangriffen auf Dresden, steht Peter August Böckstiegel vor den Trümmern seines Ateliers am Antonsplatz.

Im Dresden von heute erinnert nichts mehr daran , dass hier, am Rande der Innenstadt, früher ein künstlerisches Zentrum war. Die Kunstakademie hatte am Antons­platz ein Atelierhaus zur Vermietung an Künstler zur Verfügung gestellt. Zurzeit entsteht hier der »Wallstraßen-Boulevard«, ein weiteres gesichtsloses Einkaufszentrum. Das Areal war seit den Zerstörungen vor 73 Jahren nicht wieder bebaut worden.

75 Quadratmeter unter dem Dach

1931 ist Peter August Böckstiegel in das Haus eingezogen, in dem vorher schon Otto Dix und Georg Tuxhorn gearbeitet hatten. Er hat dafür sein kleines Atelier an der Zirkusstraße aufgegeben. Unter dem Dach richtet er sich in Eigenarbeit ein 75 Quadratmeter großes Refugium ein, in dem er auch das verarbeitet, was er während der Sommermonate in Arrode aufsaugt. Denn in Dresden hat er die Mittel und Werkzeuge auch für Grafiken und Holzschnitte.

Die Straße Antonsplatz gibt es noch. Hier, wo früher das Atelierhaus gestanden hat, entsteht gerade ein riesiges Einkaufszentrum mit Namen »Wallstraßen-Boulevard«. Foto: Klaus-Peter Schillig

»Wir wissen gar nicht, was alles verloren gegangen ist«, sagt David Riedel, der künstlerische Leiter des Böckstiegel-Hauses und des künftigen Museums . Denn der Volltreffer auf das Atelierhaus hat nicht nur viele Werke vernichtet, sondern auch Böckstiegels »Büro« mit allen Dokumenten, Fotos von Kunstwerken und Verkaufsunterlagen.

Diebstahl aus dem Zug-Waggon

Der Künstler hatte nach den sich mehrenden Bombenangriffen auf deutsche Städte schon Mitte 1944 begonnen, einen Teil seiner Kunstwerke auszulagern – nach Liegau, in das kleine Haus seiner Schwiegermutter. Dort war allerdings nicht genug Platz. So konnte er beim befreundeten Walter Gatsch, dem Inhaber einer Papiergroßhandlung, im Keller des Atelierhauses seine Skulpturen unterstellen. 100 Stück, wie er später in einem Brief an seinen »lieben Freund Protze« schreibt.

Über die Verluste an Arbeiten auf Papier kann nur gemutmaßt werden. Böckstiegel selbst hat 1928, wie David Riedel in alten Unterlagen entdeckt hat, selbst 3000 Aquarelle und 3000 Zeichnungen aufgelistet. Heute weiß man von 400 Gemälden, bei denen in zwei Drittel der Fälle auch die Eigentümer bekannt sind, 400 Zeichnungen, 300 Aquarellen und 250 Druckgrafiken. Riedel: »Wir kennen höchstens ein Zehntel seines Gesamtwerkes.« Zu allem Überfluss werden beim Eisenbahntransport von Dresden nach Bielefeld auch noch 100 Holzschnitte und 20 Aquarelle aus dem Waggon gestohlen, der tagelang in Dörentrup herumsteht.

Vier Jahre später die Skulturen ausgegraben

Nach zwölf Jahren Nazi-Diktatur, in denen Böckstiegel meist nur harmlose Stillleben und Landschaften malen kann, und dem Bombardement beginnt künstlerisch seine dunkle Phase, ehe er nach Jahren wieder zu alter Kraft zurückfindet. Besonders frustierend muss es sein, 1949 in den Trümmern am Antonsplatz die Köpfe seiner Skulpturen aus dem Schutt des Kellers ragen zu sehen. Er hat alles ausgegraben und nach Werther geschickt. Einige Stücke sind inzwischen restauriert.

 

 

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