Do., 17.05.2018

Hubertus Meyer-Burckhardt überzeugt beim Lesefrühling in Werther »Glücklichsein ist eine Entscheidung«

Er ist nicht nur Profi vor und hinter der Kamera. Hubertus Meyer-Burkhardt hat in Werther unterhaltsam aus seinem Buch »Frauengeschichten« gelesen und erzählt.

Er ist nicht nur Profi vor und hinter der Kamera. Hubertus Meyer-Burkhardt hat in Werther unterhaltsam aus seinem Buch »Frauengeschichten« gelesen und erzählt. Foto: Petra Kramp

Von Petra Kramp

Werther (WB). Er sammelt seit Jahren seltene Eau de Toilets und ist unter starken Frauen großgeworden. Letzteres bekennt Hubert Meyer-Burckhardt gleich zu Beginn der Lesung seines Buches »Frauengeschichten« im bekannten locker-leichten, stets zugewandten Plauderton vor rund 300 begeisterten Zuhörerinnen, nebst einigen versprengten Männern.

Er mutmaßt: »Die sind anscheinend von deren Frauen mitgeschleppt worden, in der Hoffnung, die Schöneberger käme auch mit.« Und schwärmt von seiner unkonventionellen Großmutter, »der Hohepriesterin der Unvernunft«. Ihre Devise: »Wir rechnen mit dem Schlimmsten und hoffen auf das Beste.« Meyer-Burckhardt erklärt: »Genau das hat mich interessiert, als ich die Radiosendung »Meyer-Burckhardts Frauengeschichten « erfunden habe, woraus dann auch das Buch entstanden ist. Starke Frauen zu porträtieren, die etwas vertragen, das Leben abkönnen und sich für ihre Lebenszeit verantwortlich fühlen.

Großmutter war ein Naturereignis

»Meine Großmutter«, bekennt er, »war ein Naturereignis. Und ich bedaure alle, die sie nicht kennengelernt haben.« Dass Frauen ganz anders das Leben anpacken, brachte die Psychologin und Bestsellerautorin Dr. Eva Wlodarek in seiner ersten Radiosendung mit einer Frage auf den Punkt: »Was bleibt von der Person ohne deren Funktion?« »Frauen stellen sich dieser Frage mit Vergnügen, bei Männern bleibt von der Person häufig nicht viel übrig.«

So befand die Soziologin Annelie Keil in ihrem Interview: »Das Leben muss nicht halten, was ich mir von ihm versprochen habe.« Und endete mit einer Liebeserklärung an das Leben: »Glücklichsein ist eine Entscheidung«. Die große Erika Pluhar, deren Leben von vielen privaten Schicksalsschlägen durchwoben ist, sprach gar Meyer-Burckhardts Lieblingssatz: »Das Leben ist auch dann ein Geschenk, wenn einem nichts geschenkt wird.«

Marianne ist die Lebensfreude in Person

Aus den vielen Interviews pickt sich der »Grandseigneur des Talks«, der hauptberuflich als Produzent hinter der Kamera steht, das Gespräch mit seiner Freundin und Schauspielerin Marianne Sägebrecht heraus. »Marianne ist die Lebensfreude in Person, ein Fixstern voller Optimismus.« Mit leicht verstellter Stimmlage imitiert er zum Vergnügen der Zuhörer das bayrische Urgewächs und hat doch Mühe, im ihr eigenen schnellen Sprachduktus zu lesen. »Nimm Bitterstoffe zu dir«, rät sie ihm. »Nur von einem Glück zum anderen hetzen, das geht nicht.« Meyer Burkhardt zollt ihr auch insofern Respekt, weil sie einst der Filmproduktion von Harry Potter als auch Woody Allen einen Korb gab, da sich die Termine nicht mit den ihrigen verbinden ließen. Sie, die schon mit Michael Douglas und Michel Piccoli drehte.

Eine Riesenschlange wartet in der Pause geduldig auf die Möglichkeit, das Buch signieren zu lassen und um ein kleines Pläuschchen mit dem »Grandseigneur des Talks« führen zu können. »Es ist für mich ein enormes Privileg, Gespräche führen zu dürfen«, bekennt er und freut sich sehr, wenn sein Buch als respektvolle Verneigung vor Frauen verstanden wird.

Ein kleiner Flacon auf Meyer-Burkhardts Tisch erregt am Ende der Lesung die Neugier einer Zuhörerin. Der Autor »outet sich« mit seiner Leidenschaft für seltene Eau de Toilets. »Dies hier stammt aus einer kleinen Parfümerie in Tel Aviv.« Sagt’s, sprüht davon etwas in die Menge und gibt einen Tipp an die Quotenmänner: »Wenn der Zenit der Schönheit verglimmt, sollten Sie es erst recht verwenden.« Und verspricht augenzwinkernd: »Dann sehen Sie noch mal das Glitzern in den Augen Ihrer Frau.« Und prophezeit im Hinausgehen lachend: »Werther wird so das Paris Westfalens.«

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