Fr., 23.06.2017

Gunter Gabriel stirbt nach Sturz in Herforder Hotel Liedermacher und Querkopf

Einer seiner letzten Auftritte im Bünder Land: Gunter Gabriel sang 2015 im Rahmen seiner legendären Wohnzimmerkonzerte auch im Möbelhaus Heinrich in Kirchlengern.

Einer seiner letzten Auftritte im Bünder Land: Gunter Gabriel sang 2015 im Rahmen seiner legendären Wohnzimmerkonzerte auch im Möbelhaus Heinrich in Kirchlengern. Foto: Tismer

Von Daniel Salmon und Peter Schelberg

Bünde/Herford (WB). Vor sechs Jahren war er »Stargast« bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen des Hotels Waldesrand in Herford. Dort stürzte Sänger Gunter Gabriel am 10. Juni von einer Steintreppe – und verletzte sich so schwer,  dass er am Donnerstag in einem Krankenhaus in Hannover starb.

Waldesrand-Chef Dirk Stranghöner bestätigte am Donnerstag: »Ja, er ist bei uns gestürzt.« Zum genauen Hergang könne er nichts sagen, weil er an diesem Tag nicht im Dienst gewesen sei. Gunter Gabriel sei ins Klinikum eingeliefert und später verlegt worden. »Er hat auf dem Weg zu Konzerten öfter bei uns übernachtet.«

Seinen letzten großen Auftritt im Bünder Land hatte Gunter Gabriel vor knapp zwei Jahren. Bei einem Auftritt im Möbelhaus Heinrich in Kirchlengern gab er vor einem begeisterten Publikum seine größten Hits zum Besten. Mehrere hundert Besucher jubelten ihm zu »Hey Boss, ich brauch mehr Geld« oder »Komm unter meine Decke« zu.

»Ich habe eine Menge Fausthiebe einstecken müssen«

Kurz zuvor hatte der Interpret dem WESTFALEN-BLATT noch ein Interview gegeben, war dabei auch auf seine Geburtsstadt Bünde eingegangen. »Ich habe eine Menge Fausthiebe einstecken müssen, bin nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren worden. Für mich ist Glück, Musik zu machen, von den Leuten dafür geliebt zu werden. Ich bin auch demütig geworden. Heute weiß ich, dass meine harte Jugend in Bünde die Basis für alles war, was ich heute bin«, sagte Gabriel.

Überrascht vom Tod des Musikers wurde auch Renate Erdbrügger, Wirtin der Gaststätte an der Enger Straße. »Ich war erschüttert, als ich die Nachricht von seinem Tod erhielt«, sagt sie. In der Vergangenheit war Gabriel öfter bei Erdbrüggers, wenn er zu Besuch in seiner alten Heimat war.

»An seinem 74. Geburtstag war er bei uns«

»Mein Vater war mit ihm gut bekannt. Noch vor einigen Wochen habe ich mit ihm telefoniert. Wir haben länger gesprochen. Er hatte noch so viel vor. Ich denke, er hatte gute und schlechte Zeiten erlebt, war ein Stehaufmännchen und hat nie versucht, anderen die Schuld für seine Miseren zu geben«, erinnert sich die 59-Jährige, die den Sänger ebenfalls seit Jahrzehnten persönlich kannte. Erdbrügger: »An seinem 74. Geburtstag war er bei uns, hat zu Mittag gegessen. Zu seinem 75. vor zwei Wochen hatte ich ihm noch per SMS gratuliert. Gelesen hatte er die wohl aber nicht mehr.« Zu diesem Zeitpunkt war der Interpret nach seinem schweren Sturz bereits im Krankenhaus.

Auch in Herford hatte Gunter Gabriel immer wieder Station gemacht. Von einer Herforder Firma ließ er 2000 eine CD mit dem Song »Es steht ein Haus im Kosovo«, produzieren. Mit 2000 Exemplaren flog er anschließend in einer Bundeswehr-Transall in die Krisenregion. Mit Norbert Görder und Carlo Dewe von der Rockakdemie Herford präsentierte er 2004 den »Herford Song«, den er beim Hoeker-Fest mit Grundschülern aus Eickum sang. Als seinen ältesten Freund bezeichnete er 2009 Wolfgang Ueckermann: »Ich habe Wolfgang sogar ein Lied geschrieben.«

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