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Do., 07.12.2017

Drogenmissbrauch als Unterrichtsthema – Bünder Gymnasiasten recherchieren in der Apotheke Schulprojekt über tote Pop-Ikonen

PTA Martin Schmitz gewährte den Q1-Schülern Einblicke in das Labor der Apotheke am Bünder Goetheplatz. Apothekerin Kathrin Müller kooperiert bereits seit längerem mit dem Gymnasium am Markt.

PTA Martin Schmitz gewährte den Q1-Schülern Einblicke in das Labor der Apotheke am Bünder Goetheplatz. Apothekerin Kathrin Müller kooperiert bereits seit längerem mit dem Gymnasium am Markt. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Bünde (WB). Ungewöhnliches Projekt zweier Bio-Lei­stungskurse: Anlässlich des Unterrichtsthemas »Neurophysiologie« beschäftigen sich Schüler des Markt-Gymnasiums derzeit mit Pop-Ikonen, die durch Medikamenten- oder Drogenmissbrauch umgekommen sind. Auf dem Lehrplan stand nun auch ein Apothekenbesuch.

»Break on through to the other side« nennen die beiden Fachlehrer Thomas Braun und Carolin Seide die Aktion. Angelehnt ist der Projektname an einen Song der legendären US-Rockband »The Doors«. Deren Sänger Jim Morrison war 1971 in Paris an einer Heroin-Überdosis gestorben.

»Das Unterrichtsthema gibt es her, dass man sich auch mit Drogen und Medikamenten beschäftigt. Daher bot es sich einfach an, sich in diesem Zusammenhang auch mit Musikern zu beschäftigen, die durch Missbrauch oder Überdosierung von Drogen und Medikamenten zu Tode kamen. Etwa Michael Jackson, Prince oder Linkin-Park-Sänger Chester Bennington«, betont Thomas Braun, der den Q1-Schülern das komplexe Thema auf diese Weise anschaulich vermitteln will. Der 61-Jährige ergänzt: »Ich denke, so ein Kontext spricht die Schüler auch an.«

Ausstellung der Ergebnisse geplant

Ziel sei es, die Ergebnisse des Projekts – das auch benotet wird – im Frühjahr 2018 auf

»Goethe meets GaM«

Bereits seit einigen Jahren besteht die Kooperation »Goethe meets GaM« der Apotheke am Goetheplatz mit dem Gymnasium am Markt (GaM). Apothekerin Kathrin Müller erläutert das Zustandekommen dieser Partnerschaft: »Ich war auf einem Fortbildungskongress und wir haben dort über das Thema Nachwuchsmangel diskutiert. Die Frage stand im Raum: ›Was kann man sich überlegen, um Schüler für unseren Beruf zu interessieren.« Durch Bio- und Chemie-Lehrer Thomas Braun, den Müller auch persönlich kennt, kam der Kontakt mit der Schule schließlich zustande. Der Pädagoge war von Anfang von der Kooperation begeistert. Schließlich würden die Gymnasiasten so auch Einblicke in das pharmazeutische Berufsspektrum bekommen, »die nicht jeder erhält«.

großformatigen Plakaten der Öffentlichkeit vorzustellen. »Die Poster sollen einerseits den toten Künstler darstellen, sein Leben, seine Musik, seine psychischen Probleme und seinen Tod«, so der Bio-Lehrer. Andererseits sollen auch die neuronalen Wirkungen der Drogen oder Medikamente, die zum Tod geführt haben, veranschaulicht werden. Braun: »Und zwar so, dass es auch für den Laien verständlich ist.« Ergänzt werden soll das Ganze mit Infomaterialien zu den Musikern, die Schulamtsleiter Thomas Clausing zur Verfügung stellt.

Der biologisch-medizinische Teil des Themas wird über den regulären Unterricht abgedeckt. Um tiefer in die Materie einzutauchen, sind die Jugendlichen aber auch in der Apotheke am Goetheplatz zu Gast gewesen. Zuvor hatte Apothekerin Kathrin Müller, die mit dem Gymnasium seit längerem kooperiert, in einer Schulstunde bereits einen Vortrag zu verschiedenen Arzneigruppen gehalten und mit den Jugendlichen diskutiert.

Schüler an drei Stationen unterwegs

In der Apotheke selbst konnten die Markt-Gymnasiasten an drei Stationen in die pharmazeutische Arbeit reinschnuppern. »Sie lernen den Ausgabebereich kennen, die ›Rezeptur‹ – wo Medikamenten individuell angefertigt werden – und das Labor«, so Kathrin Müller. Dort erfuhren die Schüler vom Pharmazeutisch-Technischen-Assistenten Martin Schmitz, dass es für Kokain genau eine einzige medizinische Anwendungsmöglichkeit in Deutschland gibt: So kann eine einprozentige Kokain-Hydrochlorid-Lösung bei Augen-OPs eingesetzt werden.

Kathrin Müller klärte die Projektteilnehmer zudem über die Symptome beim Missbrauch verschiedener Drogen auf. »Durch den Konsum vom Crystal Meth können etwa die Zähne ausfallen. Die Droge macht Abhängige bereits nach kurzer Zeit seelisch und körperlich kaputt.«

Laut Thomas Braun kommt diese Form der Projektarbeit bei den Schülern gut an. Eine Einschätzung, die auch Laura Schröder (16) teilt: »Ich finde, das ist eine gute und praxisorientierte zum klassischen Unterricht. Außerdem lernt man auch die Wirkung von Drogen kennen und wird vor dem Konsum gewarnt.«

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