Do., 21.12.2017

Ärztenetzwerk MuM beteiligt sich an Telemedizin-Projekt Spezialist wird per Video zugeschaltet

MuM-Geschäftsführerin Annette Hempen im Gespräch mit Oberarzt Dr. Robert Deisz von der Uniklinik Aachen. Das Ärztenetzwerk beteiligt sich an einem Projekt, bei dem mittels der Telemedizin der Kontakt zu unterschiedlichen Fachärzten hergestellt werden soll.

MuM-Geschäftsführerin Annette Hempen im Gespräch mit Oberarzt Dr. Robert Deisz von der Uniklinik Aachen. Das Ärztenetzwerk beteiligt sich an einem Projekt, bei dem mittels der Telemedizin der Kontakt zu unterschiedlichen Fachärzten hergestellt werden soll. Foto: Raske

Von Hilko Raske

Bünde (WB). Bindehautentzündung, Bronchitis – für die Mediziner des Bünder Ärztenetzwerks MuM Erkrankungen, mit denen sie häufig konfrontiert werden. Doch was tun, wenn der Rat eines Spezialisten , beispielsweise eines Infektiologen, erforderlich ist? Das Ärztenetzwerk beschreitet hier neue Wege.

Seit Februar dieses Jahres beteiligt es sich am Projekt »TELnet@NRW«. Ziel ist es, Patienten im ländlichen Raum lange Fahrten zu ersparen, Wartezeiten zu verkürzen und die Zusammenarbeit zwischen den Allgemeinmedizinern vor Ort und Spezialisten an Unikliniken zu fördern.

»Schon jetzt zeichnet sich im medizinischen Sektor ein Fachkräftemangel ab. Hinzu kommt, dass die ärztliche Versorgung vor allem im ländlichen Raum künftig nicht mehr im vollen Umfang gewährleistet sein wird«, sagt Annette Hempen, Geschäftsführerin des Ärztenetzwerkes.

Projekt wird für drei Jahre gefördert

Kommentar

Eine medizinische Unterversorgung im ländlichen Bereich, dazu eine wachsende Anzahl älterer Menschen, die häufiger unter (chronischen) Krankheiten leiden – das sind einige der Herausforderungen, vor denen das deutsche Gesundheitswesen steht. Das Bünder Ärztenetzwerk MuM hat die Zeichen der Zeit erkannt. Seit Jahren setzt es sich deshalb innovativ für eine bessere Patientenbetreuung ein, die die Aspekte der Digitalisierung und der Telemedizin berücksichtigt. Mit der Beteiligung an »TELnet@NRW« stellt es erneut unter Beweis, dass es wegweisende Entwicklungen mit anstößt und begleitet. Für die Bünder ist das ein Gewinn, können sie doch bereits jetzt schon an dem teilhaben, was in wenigen Jahren die Zukunft der Patientenbetreuung sein wird.

Nicht zuletzt wegen dieser Entwicklung beteilige sich MuM an dem Projekt. Es werde im Rahmen des Innovationsfonds durch den Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert und laufe über insgesamt drei Jahre. Die Projektleitung liege bei der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care des Universitätsklinikums Aachen.

Neben dem Bünder Ärztenetzwerk beteiligten sich unter anderem die Uniklinik Münster, die Universität Bielefeld, 17 Krankenhäuser und das Ärztenetzwerk Köln-Süd. Schwerpunkte seien dabei, die Zusammenarbeit zwischen dem ambulanten und stationären Bereich zu vertiefen und den Rat von Infektiologen einzuholen. »Dazu wird das Videokonferenzsystem ›Elvi‹ verwendet, welches bereits seit zwei Jahren in unserem Bünder Ärztenetzwerk im Einsatz ist«, informiert die MuM-Geschäftsführerin.

»Seit Beginn des Projekts sind allein in Bünde bis jetzt 24.640 Fälle erfasst worden«, so Annette Hempen. Die Daten würden anonym ausgewertet, nur das Alter des Patienten müsse mit angegeben werden. Selbstverständlich werde der Infektiologe nicht in jedem Fall per Video hinzugeschaltet – das sei nur der Fall, wenn es kompliziert wird.

Natürlich setze das die Einwilligung des Patienten voraus. »Bisher waren die Patienten immer erfreut darüber, dass ein Spezialist hinzugeschaltet werden kann.« Die Patienten könnten dabei unkompliziert und zeitnah per »Elvi« den Spezialisten vorgestellt werden. Im Rahmen des Projektes würden so vier Infektiologen des Universitätsklinikums Aachen rund um die Uhr für Bünder Patienten erreichbar sein.

Zusammenarbeit ist hervorragend

Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten des Netzwerks MuM und Spezialisten aus Aachen sei hervorragend. »Ich lerne ganz viel von den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, denn die Verläufe von ambulanten Fällen bekommen wir hier im stationären Sektor in der Regel nicht zu sehen«, bestätigt auch Dr. Fabian Juzek-Küpper, Infektiologe an der Uniklinik Aachen. Und die Telemedizin helfe, das Spezialistenwissen flächendeckend zur Verfügung zu stellen, betont auch Annette Hempen.

Erste Zwischenergebnisse aus dem Projekt »TELnet@NRW« sollen übrigens während eines Kongresses am 7. März 2018 in Münster vorgestellt werden.

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