Mi., 14.02.2018

Taschendiebinnen schlagen in Bünde und Hiddenhausen zu – Bewährungsstrafen Staatsanwalt kassiert in bar

Zwei Frauen sind gestern wegen Diebstahl und Computerbetrug zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Zwei Frauen sind gestern wegen Diebstahl und Computerbetrug zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Foto: Arno Burgi/dpa

Von Ulrich Pfaff

Bünde  (WB). Selten ist bei Dieben vor Gericht Schadenersatz zu holen. Noch seltener, dass er bar auf den Tisch kommt. So wird der Prozess gegen zwei Frauen aus Waltrop dem Schöffengericht in Detmold in besonderer Erinnerung bleiben. 4000 Euro in 50-Euro-Scheinen wechselten in der Verhandlung den Besitzer – auch zum Vorteil der einen Angeklagten.

Das Amtsgericht hat gestern beide zu Bewährungsstrafen verurteilt. Sie hatten auch in Bünde und Hiddenhausen zugeschlagen. Es ist eine perfide Masche: Sie beklauten ältere Menschen, um dann mit deren EC-Karte das Konto zu plündern.

Täterinnen erbeuteten 8425 Euro

Die Staatsanwaltschaft Detmold legte den beiden angeklagten Frauen (23 und 41 Jahre alt) insgesamt 20 Taten zur Last, zwischen November 2016 und November 2017 – je zehn Diebstähle mit anschließendem Computerbetrug. Im Lidl-Markt in Bünde hatten sie im November 2016 aus der Jackentasche eines Kunden den Geldbeutel gezogen, 400 Euro in bar erbeutet und in der Sparkassenfiliale 1000 Euro vom Konto abgehoben.

In Hiddenhausen war es Mitte Januar 2017 ähnlich gelaufen: Nach dem Diebstahl einer Börse holte das Duo 1000 Euro vom Konto des Opfers, beim zweiten Mal zog der Automat die bereits gesperrte EC-Karte ein. Weitere Tatorte nach demselben Muster waren Minden, Gütersloh, Lemgo und Detmold.

Geständnisse von beiden Frauen

Der Gesamtschaden beläuft sich auf exakt 8425 Euro. Pech für die beiden Waltroperinnen: Am 23. November gerieten sie in einem Aldi in Detmold an den Falschen: Der Bestohlene schrie laut, so dass die Täterinnen gestellt werden konnten. Beide gingen in Untersuchungshaft.

Auf Zeugenladungen hatte Richter Martin van der Sand zunächst verzichtet: Die beiden Verteidiger hatten im Vorfeld signalisiert, dass die beiden Frauen zu Geständnissen bereit seien. Tatsächlich ersparte der erfolgreiche Ausgang eines Rechtsgesprächs, im Volksmund Deal genannt, dem Gericht einen weiteren Verhandlungstag und einigen Geschädigten den Weg nach Detmold.

Bargeld im Gerichtssaal gezählt

Bewährung sei für die Jüngere nicht drin, gab Staatsanwalt Alexander Görlitz zu Protokoll – denn sie war im Gegensatz zu ihrer Komplizin an allen Diebstählen beteiligt, und sei die Haupttäterin. Das Herz des Staatsanwalts ließ sich dennoch erweichen: vom Vater der jungen Frau, der aus Bulgarien angereist war und dem Gericht anbot, hier und jetzt 4000 Euro in bar einzuzahlen, damit der Schaden, den seine Tochter angerichtet hatte, wenigstens zum Teil ausgeglichen werden konnte.

Und so kam es, dass der Staatsanwalt zum ersten Mal im Gerichtssaal Bargeld zählen durfte. Die Geständnisse blieben klar, aber knapp. Beide Frauen räumten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein und entschuldigten sich reumütig. Das Gericht hielt sich an seinen Teil der Abmachung: Die 41-Jährige bekam eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten auf Bewährung und 100 Sozialstunden, die 23-Jährige 21 Monate, ebenfalls auf Bewährung. Sie muss jedoch binnen acht Wochen aus Deutschland ausreisen.

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