Do., 22.02.2018

Apotheker Reinhard Rokitta soll 500 Euro Bußgeld zahlen und klagt dagegen Gesundheitsamt verbietet Spendenaktion

Reinhard Rokitta muss seine Spendensammelaktion vorerst einstellen. Er spricht in dem Zusammenhang von einem »ungeheuerlichen Vorgang«.

Reinhard Rokitta muss seine Spendensammelaktion vorerst einstellen. Er spricht in dem Zusammenhang von einem »ungeheuerlichen Vorgang«. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Bünde (WB). Reinhard Rokitta hat Ärger mit dem Kreisgesundheitsamt. Die Behörde hat dem Inhaber der Bünder Punkt-Apotheke untersagt, mit einem CD- und Bücherflohmarkt vor seinem Laden Spenden für gemeinnützige Zwecke zu sammeln.

Und nicht nur das: Weil er einer ersten Aufforderung des Amtes nicht sofort Folge leistete und den Tisch mit Lektüren und Musikplatten bis Anfang Februar nicht entfernte, wurde ihm auch noch eine Zahlung von 500 Euro aufgebrummt. Damit ist Rokitta nicht einverstanden, will daher nun vor dem Verwaltungsgericht gegen den Bescheid des Kreises vorgehen: »Das bezahle ich nicht«, sagt er.

Aktion läuft seit fünf Jahren

»Seit mehr als fünf Jahren gibt es die Spendenaktion schon. Bis jetzt hat sich niemand daran gestört«, empört sich der Apotheker. Immer zu den Öffnungszeiten seines Geschäfts konnten sich Passanten an den – ebenfalls gespendeten – CDs und Büchern bedienen, dafür kleine Euro-Beträge in eine Sammelbox im Laden werfen.

Mit dem Geld, das durch die Bücher zusammenkam, wurden Tierschutzorganisationen im Ausland unterstützt. Die Erlöse der CD-Aktion gingen im Zuge des so genannten Bünder Christbaum-Schmuckings an gemeinnützige Einrichtungen und Organisationen vor Ort. Bei der jüngsten Auflage flossen etwa 1600 Euro an den Förderverein der Bünder Kita am Markt. »Insgesamt haben wir in den letztem fünf Jahren 7000 Euro weitergeben können«, sagt Rokitta. Mit dem Einsatz für den guten Zweck ist nun vorerst Schluss, vor einigen Tagen entfernte er die Aufsteller mit CDs und Büchern.

Geld für gemeinnützige Zwecke

Anfang des Jahres hatte der Apotheker ein Schreiben des Kreises erhalten, wurde aufgefordert, sein Spendenprojekt einzustellen. »Die Aktionen wurden der Punkt-Apotheke als ›Verkauf von nicht apothekenüblichen Waren‹ ausgelegt«, erläutert Rokitta. Er vermutet, dass sich Mitarbeiter des Kreises bei einem Kontrollbesuch im vergangenen Oktober an dem Bücher- und CD-Tisch gestört haben.

Der Apotheker sagt: »Ich halte diese Maßnahme des Kreises Herford für spitzfindig, wenn nicht gar für willkürlich. Zumal in dem entsprechenden Bescheid ausdrücklich ausgeführt worden ist, dass es gleichgültig sei, ob die eingesammelten Gelder für gemeinnützige Zwecke, etwa für den Tierschutz, eingesetzt werden.«

Zunächst habe er die Aufforderung aus Herford nicht ernst genommen, aber die Behörde ließ nicht locker.

Apotheker erhält im Internet viel Zuspruch

Auch im Internet machte Rokitta seinem Ärger mittlerweile Luft, erhielt dafür viel Zuspruch. Auf Facebook schrieb er: »Um mich vor weiteren Repressalien der Kreisgesundheitsbehörde zu schützen, sehe ich mich zurzeit erst einmal nicht mehr in der Lage, mich für gemeinnützige Zwecke in meiner Eigenschaft als Apotheker einzusetzen, was ich sehr bedauere.«

Weil es sich um ein laufendes Verwaltungs- und Gerichtsverfahren handelt, will sich der Kreis Herford nicht zu dem Fall äußern.

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