Di., 06.03.2018

Gesamtschule bezieht Stellung zu Diskussionen über Hauptschulbildungsgang in Bünde »Wir haben die Kapazitäten nicht«

Antje Stuke, Leiterin der Erich Kästner-Gesamtschule, hält die Einrichtung eines Hauptschulzweiges an der Realschule für sinnvoll. Dann würden die Kinder nicht wegen Misserfolgs aus ihren gewohnten Strukturen gerissen.

Antje Stuke, Leiterin der Erich Kästner-Gesamtschule, hält die Einrichtung eines Hauptschulzweiges an der Realschule für sinnvoll. Dann würden die Kinder nicht wegen Misserfolgs aus ihren gewohnten Strukturen gerissen. Foto: Thomas Klüter

Von Thomas Klüter

Bünde (WB). »Um die Seele der Kinder kümmert sich dabei niemand«, sagt Antje Stuke mit Blick auf den Schulwechsel nach der Erprobungsstufe an der Realschule. Die Leiterin der Erich Kästner-Gesamtschule (EKG) und ihre Kollegen beziehen jetzt Stellung zur angedachten Einrichtung eines Hauptschulbildungsganges in Bünde. Schulkonferenz und Elternpflegschaft der Realschule Mitte hatten zuvor die Einrichtung an der Gesamtschule ins Gespräch gebracht.

Die Kapazitäten an der Gesamtschule seien gar nicht vorhanden, so Stuke. Das eigentliche Argument, das gegen die Aufnahme der Hauptschüler an der Gesamtschule spricht, ist aber ein ganz anderes: Die Leistungsheterogenität könnte aus dem Gleichgewicht geraten. »Sollte die EKG die einzige Schule in Bünde bleiben, die Schüler zum Hauptschulabschluss führt, wird sie in den Augen der Eltern zur Ersatzhauptschule«, sagt Frank Braksiek, Abteilungsleiter der Unterstufe. Viele Eltern, die ihre Kinder mit Realschul- oder Gymnasialempfehlung gerne an einer funktionierenden Gesamtschule anmelden möchten, würden dann abspringen. »Die Gesamtschule gäbe es dann nur noch auf dem Papier«, so Braksiek. »Bünde hätte dann das alte dreigliedrige Schulsystem zurück.«

»Schüler entwickeln sich unterschiedlich schnell«

Das Konzept der Gesamtschule ist aber genau dazu ein Gegenentwurf. »Wir gehören zu den integrierten Schulsystemen und sind nicht Teil des dreigliedrigen Schulsystems«, sagt Stuke. Die Gesamtschule sei eine Schule des längeren gemeinsamen Lernens, zitierte Stuke das NRW-Schulgesetz. Kindern und Jugendlichen aller Leistungsstärken werde die Laufbahnentscheidung möglichst lange offengehalten. »Schüler entwickeln sich unterschiedlich schnell«, so die Schulleiterin. Und an der Gesamtschule können sie Schwerpunkte im entsprechenden Leistungsniveau setzen. »Nicht selten schaffen Schüler mit Hauptschul-, oder Realschulempfehlung am Ende doch das Abitur«, sagt Oberstufenleiterin Anja Steffen.

Die Oberstufe könnte es am EKG aber in Zukunft gar nicht mehr geben. »Wenn wir mehr Schüler mit Hauptschulempfehlung haben und die mit Realschul- oder Gymnasialempfehlung bleiben weg, dann werden viele Oberstufenkurse nicht mehr zustande kommen«, sagt Braksiek. Das führe dann dazu, dass noch weniger potenzielle Abiturienten zum EKG kämen. »Die selbe Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren in Herford zugetragen«, so der Unterstufenleiter. »Dieser Fehler sollte in Bünde nicht geschehen.«

Argumente vorgeschoben

Wenn Eltern für ihre Kinder die Realschule wählten, hätten sie sich für das dreigliedrige Schulsystem entschieden, sagt Schulleiterin Stuke. »Können sie den Leistungsanforderungen dann nicht folgen, können sie nicht damit rechnen, einen Platz an der Gesamtschule zu bekommen.

Argumente gegen den Hauptschulbildungsgang an der Realschule, wie die fehlende Schulküche oder ein nicht vorhandener Werkraum, hält die EKG-Schulleitung für vorgeschoben. Die noch genutzten Gebäude der Hauptschule seien fußläufig von der Realschule aus zu erreichen, sagt Stuke. »Das sind doch Profis, die kriegen das hin.«

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