Mo., 06.08.2018

Jugendliche aus Bünde und Belarus sprechen mit Zeitzeugen der Nazi-Gräueltaten – mit Video Auf den Spuren der Vergangenheit

Ivan Adamovitch kämpfte mit den Partisanen gegen die Nazis und ihre Verbündeten. Die Jugendlichen aus dem Kreis Herford und aus Weißrussland besuchten ihn in seinem Haus in Ivatsevichy. Wichtig sei, das Frieden herrsche, so der 90-Jährige.

Ivan Adamovitch kämpfte mit den Partisanen gegen die Nazis und ihre Verbündeten. Die Jugendlichen aus dem Kreis Herford und aus Weißrussland besuchten ihn in seinem Haus in Ivatsevichy. Wichtig sei, das Frieden herrsche, so der 90-Jährige. Foto: Thomas Klüter

Von Thomas Klüter

Bünde/Lepel (WB). Zum 22. Mal haben sich Jugendliche aus dem Kirchenkreis Herford auf den Weg nach Weißrussland gemacht. Zusammen mit belarussischen Jugendlichen renovierten sie Häuser von bedürftigen Senioren. Die Teilnehmer des Jugendworkcamps reisten aber auch in die Vergangenheit und sprachen mit Zeitzeugen des 2. Weltkriegs.

Den zehn deutschen Workcampern mag die ehemalige Sowjetrepublik an sich schon wie aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts vorgekommen sein. Zumindest in den ländlichen Gebieten treffen sie auf von Pferden gezogene Leiterwagen, Kühe gehen auf der Straße spazieren und die meisten Häuser sind aus Holz. Zusammen mit Jugendreferentin Ulrike Jaeger erkundeten die Jugendlichen aber gezielt die Schicksale der belarussischen Juden.

Von Nazis in den Wald getrieben

Im Zentrum steht dabei Jacob Shepetinski. Jaeger traf den gebürtigen Belarussen 2005 auf dem Kirchentag in Hannover und besuchte ihn zehn Tage später in seiner jetzigen Heimat Israel. »Jacob wurde zusammen mit 10.000 Juden 1941 aus seiner Heimatstadt Slonim von den Nazis in den Wald von Chepelovo getrieben«, erzählt die Gemeindepädagogin.

Tausende Schüsse fielen an dem Tag und der, der Jacob treffen sollte, ging an ihm vorbei. Der 20-Jährige fiel trotzdem in das Massengrab, bedeckt von Blut und toten Körpern. »Dann merkte ich, dass ich noch atmete«, zitiert Jaeger Jacob Shepetinski am Ort der Gräueltat.

Jugendliche tief bewegt

Tief bewegt von dieser Geschichte standen die Jugendlichen an dem mit Gras bewachsenen Massengrab. Und telefonierten dann mit dem heute 98-Jährigen in Tel Aviv. Auf Deutsch, Russisch oder Weißrussisch sprach Jacob Shepetinski mit einigen der Jugendlichen.

»Konntest Du uns Deutschen verzeihen«, fragte die 17-jährige Carla. »Ihr könnt ja nichts dafür, sondern die Nazis«, kam aus dem Telefon. »Ein Volk, ein Führer – die Zeiten sind vorbei, heute brauchen wir Demokratie.« Was er sich für die Zukunft erhoffe, fragte ihn der 14-jährige Danik aus Weißrussland. »Ich wünsche mir, dass die Geschichte nicht vergessen wird«, sagte der 98-Jährige.

Immer mehr Fakten kommen ans Licht

»Jascha« nennen die Jugendlichen Jacob Shepetinski freundschaftlich und der spricht immer von »Ulli und ihrer Bande«. Jedes Mal in Belarus findet die Bande weitere Fakten aus der Vergangenheit und gibt sie an Jascha weiter. Jaeger und die Teilnehmer des Jugendworkcamps stellten zum Beispiel den Kontakt zwischen Shepetinski und Ivan Adamovitch wieder her, die gemeinsam bei den Partisanen gekämpft hatten.

In diesem Jahr konnten sie eine besondere Neuigkeit an Jacob Shepetinski weitergeben. Nach vielen Jahren des Verfalls haben sich zwei britische Spender gefunden, die die Synagoge in Jacobs Heimatstadt Slonim wieder instand setzen wollen.

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