Mi., 06.12.2017

Afrikanische Schweinepest: Intensive Jagd führt bereits zu Überangebot Wildbret zum Discountpreis

Wildschweinherden sind mobil. Weil dadurch die Gefahr steigt, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland vordringt, wird die Jagd auf die Tiere seit einiger Zeit verstärkt. Das führt zu stark fallenden Preisen für das Fleisch.

Wildschweinherden sind mobil. Weil dadurch die Gefahr steigt, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland vordringt, wird die Jagd auf die Tiere seit einiger Zeit verstärkt. Das führt zu stark fallenden Preisen für das Fleisch. Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

Enger (WB). Jetzt, vor dem Weihnachtsfest, ist eigentlich Saison für Wildbret. Doch die Jäger können sich darüber in diesem Jahr nicht recht freuen. Während die Preise für Reh- und Hirsch wenigstens stabil sind, bekommen sie für ihr Wildschweinfleisch mit zwei Euro je Kilogramm nur noch halb so viel wie vor einem Jahr.

Ursache ist nach Angaben des Engeraner Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands und selbst seit über 40 Jahren Jäger mit eigener Pacht, die Afrikanische Schweinepest. Sie sei zwar für Menschen unschädlich, bedrohe aber dort, wo sie auftrete, den Bestand an Hausschweinen und damit die Existenz vieler Bauern.

Würde sie sich bis Deutschland ausdehnen, sei zu erwarten, dass wichtige Abnehmerstaaten wie China sofort ein Importverbot für das normale Schweinefleisch verhängten . Ein dramatischer Preisverfall wäre die Folge.

Schon bis Polen und Tschechien vorgedrungen

Wildschweine, in der Jägersprache »Schwarzkittel«, sind sehr wanderfreudig. Inzwischen ist die Afrikanische Schweinepest bis in die Baltischen Staaten, nach Polen und in diesem Jahr auch nach Tschechien vorgedrungen.

In Deutschland drängen Bauern die Jäger, den stark angewachsenen Wildschweinbestand deutlich zu reduzieren. In Mecklenburg-Vorpommern will die Landesregierung Prämien: zwei Jahre lang pro erlegtes Tier 25 Euro. Damit soll der Bestand um 80.000 reduziert werden. Zuletzt hatten die Jäger 2016 in Mecklenburg-Vorpommern 60.000 Wildschweine erlegt.

Außerdem hob die Landesregierung das Verbot der Drückjagd zum 11. Januar 2018 für drei Jahre auf. Bei dieser Jagd kommen Treiber zum Einsatz, aber in kleinerer Zahl als bei der klassischen Treibjagd.

Trend geht zu Geflügelfleisch

Das große Angebot trifft auf einen Markt, in dem Wildbret nach Angaben Brüggemeiers vor allem bei der jüngeren Generation immer weniger gefragt ist: »Früher war Wildfleisch als Topangebot aus den Speisekarten guter Restaurants nicht wegzudenken.« Heute gehe der Trend zu hellem und damit zu Geflügelfleisch. Darunter leide der Wildbretverzehr.

Insgesamt beobachten die Jäger, dass die Bestände auch beim Rotwild zunehmen. Viele Tierarten hätten sich auf die Ausdehnung der menschlichen Besiedlung und der Verkehrswege eingestellt. Selbst das einst als extrem scheu geltende Reh werde immer häufiger an Stadträndern gesichtet.

»Das größte Risiko ist der unachtsame Mensch«

Was die Afrikanische Schweinepest (ASP) betrifft, so droht der deutschen Landwirtschaft nicht nur von hier einwandernden kranken Wildschweinen Gefahr. »Das größte Risiko ist der unachtsame Mensch«, sagt Brüggemeier.

Er fürchtet, dass Lkw-Fahrer, andere Reisende und Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa Speisereste aus ihrer Heimat in Deutschland einfach in der Natur entsorgen, wo sie von hier lebendem Wild gefressen werden können. Eine entsprechende Informationskampagne solle das verhindern.

Die Landwirte sind aufgerufen, auf ihren Betrieben größtmögliche Hygiene walten zu lassen. »Für uns Schweinehalter wäre ein Ausbruch von ASP eine Katastrophe«, sagt Hubertus Beringmeier, Bezirksvorsitzender des OWL-Bauernverbands. ASP müsse auf alle Fälle verhindert werden.

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