Mi., 31.01.2018

Schaukochen und Verkostung unterschiedlicher Insektenarten im Bünder Mexim’s Hausgrillen im Schokoladenmantel

Andreas Köppe bereitet Heuschrecken, Mehlwürmer oder Hausgrillen vor den Augen der Gäste zu.

Andreas Köppe bereitet Heuschrecken, Mehlwürmer oder Hausgrillen vor den Augen der Gäste zu. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Von Karl-Hendrik Tittel

Bünde (WB). Garniert mit knackigen Salatherzen, knusprigen Nachos und pikanter Guacamole warten die Teller auf ihren Einsatz. Die Gäste nippen am ersten Getränk des Abends und blicken neugierig in Richtung Kochstation – wo Andreas Köppe gerade einen Schwung Heuschrecken ins schäumende Erdnussöl taucht.

Genau gesagt sind es Wüstenwanderheuschrecken, die dort in kleinen Schalen neben weiteren Vertretern aus dem Reich der Kerbtiere auf ihr Ölbad warten. Die Verkostung von Mehlwürmern oder Hausgrillen kommt für Bünder Verhältnisse einem kulinarischen Abenteuer gleich.

Im Mexim’s wird dieses Schaukochen der besonderen Art bereits das vierte Mal veranstaltet – stets mit überregionalem Interesse. Treibende Kraft dahinter ist Andreas Köppe aus Enger, der in Brasilien zwei Jahre ein Restaurant führte, wo auch Insekten auf der Speisekarte standen. »Ich möchte den Menschen die Scheu nehmen, Insekten sind in einigen Kulturen normale Nahrungsmittel«, sagt der 57-Jährige.

Gäste kommen sogar aus Kassel

Von ihrem Tisch aus können Jutta und Dirk Mainzer gut beobachten, wie Köppe verschiedene Insektenarten zubereitet. Das Ehepaar ist für diesen Abend extra aus Hofgeismar bei Kassel nach Bünde gefahren. Als frittierte Mehlwürmer, gebratene Heuschrecken, schokolierte Grillen und Teigröllchen unbekannten Inhalts dann auf ihren Tellern liegen, halten beide kurz inne.

»Der erste Bissen ist Kopfsache, ich finde die ganze Sache sehr interessant und auch weniger ekelig als gedacht«, resümiert Dirk Mainzer. »Ich musste mich schon überwinden, bin aber froh, dass ich diese Erfahrung gemacht habe«, so Jutta Mainzer. Beide sind sich einig: Die Insekten schmeckten in erster Linie nach den jeweiligen Gewürzen und sind von der Konsistenz her mehlig bis knusprig.

»Ja, die haben wenig Eigengeschmack, deshalb kann man so viel mit ihnen machen«, sagt Andreas Köppe. Ihm geht es aber nicht nur um das Geschmackserlebnis. »Insekten sind ressourcenschonende, alternative Proteinquellen.« Er sehe in ihnen die Chance auf eine nachhaltige und klimafreundliche Ernährung – auch in Europa. Mehr noch: »Ich bin mir sicher, dass in wenigen Jahren auch in Restaurants in OWL Insekten auf der Speisekarte stehen werden.«

Insekten nun auch in Deutschland zugelassenes Nahrungsmittel

Da seit dem 1. Januar eine neue EU-Verordnung in Kraft getreten ist, die Insekten auch in Deutschland als Nahrungsmittel zulässt, steht dem theoretisch nichts mehr im Wege. Aber noch ist das Mexim’s die einzige Gastronomie weit und breit, in denen zumindest zweimal im Jahr Paprikaspieße mit Heuschrecken und ähnliches gekostet werden können. »Wir sind immer offen für neue Ideen und wollen Akzeptanz für alternative Lebensmittel schaffen«, sagt Geschäftsführer Mario Fürstenau.

Die Zubereitung der Insekten und der normalen Speisen erfolgten strikt getrennt. »Neugierige können sich heute gerne in unserer Küche umschauen.« Dort helfen vier Auszubildende von Edeka-Wehrmann Andreas Köppe bei der Vorbereitung, garnieren Teller, bereiten die Saucen vor und probieren die eine oder andere Kreation. »Mehlwürmer schmecken ein wenig nach Hackfleisch«, so das Urteil.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5472224?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514624%2F