Sa., 17.03.2018

Rege und Jobcenter wollen Arbeitslosigkeit in Jöllenbeck, Spenge und Enger bekämpfen Projekt überwindet Stadtgrenzen

Ingo Doerk (von links) von der Rege, Kommunikationstrainerin Karina Dresselhaus, Engers Bürgermeister Thomas Meyer und Klaus Binnewitt, Geschäftsführer des Jobcenters Herford, wollen helfen.

Ingo Doerk (von links) von der Rege, Kommunikationstrainerin Karina Dresselhaus, Engers Bürgermeister Thomas Meyer und Klaus Binnewitt, Geschäftsführer des Jobcenters Herford, wollen helfen. Foto: Gerhard Hülsegge

Von Gerhard Hülsegge

Enger (WB). Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit zu bringen, ist nicht leicht. Mit dem Sozialraum-Projekt »JöSpEn« will die Regionale Personalentwicklungsgesellschaft (Rege) Bielefeld in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Herford in Jöllenbeck, Spenge und Enger Hilfestellung bei der Arbeitsplatzsuche leisten.

»Wir wollen ganz aktiv den anderen Ort erkunden«, sagte Ingo Doerk von der Rege jetzt im Ausschuss für öffentliche Sicherheit, Ordnung und Soziales des Rates der Stadt Enger. Das Projekt »JöSpEn« soll am 1. April starten. Die Finanzierung ist bis Ende des Jahres gesichert. Der Kreisausschuss des Herforder Kreistages hat bereits »grünes Licht« gegeben.

Jeder 16. Engeraner lebt von Hartz IV

36 Millionen Euro gibt der Kreis Herford jährlich für Unterkünfte der Bezieher von Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch II aus. Jeder 12. Einwohner (8,5 Prozent der Bevölkerung) in der Kreisstadt lebt von Hartz IV-Bezügen. In Enger ist es jeder 16., was einem Anteil von 6,1 Prozent entspricht. Knapp 1000 Einwohner leben demnach von staatlicher Unterstützung, 249 davon waren Ende 2017 Ausländer.

»Viele Leistungsbezieher arbeiten«, berichtete Klaus Binnewitt, Geschäftsführer des Jobcenters Herford, im Fachausschuss des Engeraner Rates. 35 sogar in Vollzeit. Sie gehören zu den so genannten »Aufstockern«, weil sie vom Verdienst ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können. 500 Personen in Enger sind arbeitslos.

Potenziale der Menschen wecken

Zusammen mit dem Job-Center und der Arbeitsagentur will die Rege Potenziale der Menschen wecken. Seit 1992 kümmert sich die Tochtergesellschaft der Stadt Bielefeld um die kommunale Arbeitsmarktpolitik in und um Bielefeld. Ihre Angebote richten sich an Jugendliche, Frauen, Menschen mit Migrationshindergrund, Langzeitarbeitslose und Ältere. Sie unterstützt Menschen dort, wo sie Hilfe brauchen und einen individuellen Bedarf haben. Gemeinsam entwickeln Mitarbeiterinnen wie Karina Dresselhaus berufliche Perspektiven, planen neue Wege zurück in die Arbeitswelt und bieten Unterstützung etwa durch individuelles Coaching, berufliche Qualifizierung und Vermittlung in Arbeit.

Die Inanspruchnahme der Hilfen ist freiwillig und in der Regel an Aktivierungs-Gutscheine gekoppelt, die vom Jobcenter ausgestellt werden. In Jöllenbeck, Enger und Spenge seien auch Betriebsbesichtigungen geplant, meinte Doerk. Schließlich wüssten Langzeitarbeitslose (darunter fällt jener Personenkreis, der länger als ein Jahr ohne Job ist) vielfach gar nicht mehr, wie es hinter den Mauern der Betriebe aussehe. Der Aktionsradius von Hartz IV-Empfänger werde mit der Zeit allein aufgrund der Immobilität immer kleiner. Wovon auch die Familienangehörigen betroffen seien. »Ein Kind wird nicht arm geboren, es wird immer arm über die Eltern«, sagte Doerk, Bereichsleiter für kommunale Arbeitsförderung bei der Rege.

Beratung im Haus der Kulturen

Die Beratung von Hilfesuchenden soll in Enger im Haus der Kulturen an der Brandstraße 11 erfolgen und in Spenge in der Charlottenburg, dem Kultur- und Jugendzentrum, das derzeit noch umgebaut wird. Ansprechpartnerin ist Karina Dresselhaus, Sozialwissenschaftlerin, psychologische Beraterin und ausgebildete Kommunikationstrainerin. Ihre Kompetenz erstreckt sich zudem auf die systematische Beratung von Bedarfsgemeinschaften.

»Das wird spannend, weil das Projekt ein gutes Beispiel interkommunaler Zusammenarbeit ist«, erklärte Engers Bürgermeister Thomas Meyer. Die Stadt kostet der Service keinen Cent.

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