Fr., 13.07.2018

Storchen-Nachwuchs im Enger Bruch – »Eltern« aus Platzgründen ausquartiert Aller guten Dinge sind drei

»Wo bleibt das Futter?« scheinen die drei Jungstörche zu denken, die im Enger Bruch zur Welt gekommen sind. Ein vierter Storch ist verendet.

»Wo bleibt das Futter?« scheinen die drei Jungstörche zu denken, die im Enger Bruch zur Welt gekommen sind. Ein vierter Storch ist verendet. Foto: Gerhard Hülsegge

Von Gerhard Hülsegge

Enger (WB). Im Enger Bruch wird das Familienleben praktiziert. Das Weißstorchen-Paar, das sich dort niedergelassen hat, hat drei Junge bekommen. Ein vierter Jungstorch hat nicht überlebt.

»Er wurde vermutlich aus dem Nest gestoßen«, sagt Eckhardt Lietzow. Der Naturfotograf verbringt täglich mehrere Stunden damit, das Geschehen in dem 55 Hektar großen Naturschutzgebiet zwischen Spenger- und Wertherstraße zu beobachten. Sein Auto parkt er auch gerne am Rande des Industriegebietes. Die Kamera mit Teleobjektiv postiert er dabei auf einem Holzbrett unter dem geöffneten Fenster auf dem Beifahrersitz.

Zu spät für eine Berringung

Dass nicht alle Störche, die zur Welt gebracht werden, überleben, ist für Naturkundler eine Binsenweisheit. Um das Trio, das überlebt hat, zu beringen, ist es bereits zu spät. »Dafür sind die Störche schon zu alt und zu lebendig«, so Lietzow.

2017 hatten sich zum ersten Mal nach 100 Jahren wieder Weißstörche im Enger Bruch niedergelassen. Auch in diesem Jahr hat Lietzow das Geschehen dokumentiert. Am 6. März notierte der Engeraner auf seiner Internet-Seite (www.lietzow-naturfotografie.de): »Erstmals in diesem Jahr konnte heute wieder ein Weißstorch in der Nähe des schon 2017 benutzten Nestes gesehen werden. Um 18.25 Uhr konnte ich ihn im Abendlicht auf der Nestplattform fotografieren. Der Storch ist links beringt. Es liegt also die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Vogel um das Männchen unseres letztjährigen Brutpaares handelt.«

Alt-Störche schlafen auf Strahlern

Am 8. März stand fest: Es ist das Storchenmännchen aus dem Vorjahr. Seine Ringnummer: DEW 4T128. Westlich des Transportbetonwerkes suchte und fand Vater Storch an die 250 Regenwürmer, kritisch beäugt von Turmfalke, Rehen und einem Fasan. Am 13. März flog die Störchin ein. Anhand der Ringnummer (DER AU628) erkannte Lietzow: Es ist das Brutweibchen des vorigen Jahres. »Herzlich willkommen«, schrieb Lietzow in sein Internet-Tagebuch.

Die beiden Störche bauten danach fleißig an ihrem Nest, das vom vergangenen Jahr halbwegs erhalten war. Es wurde erheblich vergrößert. Am 19. Mai schließlich zwischen 19 und 20 Uhr wurden vier Jungstörche gesichtet. Am 20. Juni notierte Lietzow: »Die verbliebenen drei Jungen sind jetzt knapp sechs Wochen alt und entsprechend gut genährt. Auf dem Nest ist inzwischen für die Altvögel kein Schlafplatz mehr reserviert, sie schlafen (wie schon im Vorjahr) auf den Strahlern der nahe gelegenen Spedition.«

Ständig auf Nahrungssuche

Inzwischen finden die beiden Altstörche Mäuse, Maulwürfe, Regenwürmer und anderes Getier für ihren Nachwuchs auch auf der gemähten Heuwiese an der Spenger Straße. Die kurze Regenperiode der vergangenen Tage hat der Natur und den Tieren gutgetan. Und viele Spaziergänger erfreuen sich an dem Anblick der Storchenfamilie im Enger Bruch auf dem 30 Meter hohen Horst. Angeraten ist allerdings, die Zweibeiner nicht zu sehr zu stören.

Die Anzahl der Störche nimmt auch im Kreis Herford stetig zu. »Den Rekord hält allerdings immer noch der Kreis Minden-Lübbecke«, sagt Eckhard Lietzow. »Dort haben sich in diesem Jahr 74 Paare mit 168 Jungen angesiedelt.«

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