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Mi., 13.08.2014

Verfassungsschutz spricht von Salafistentreffpunkt – Betreiber-Verein bestreitet das Welche Rolle spielt die Moschee?

Diese Facebook-Seite mit dem Siegel Mohammeds, das auch das zentrale Element der IS-Flagge ist, ist möglicherweise von einem Konvertiten aus Herford ins Netz gestellt worden. Die Polizei sieht den Ursprung der Seite »im Umfeld der Moschee-Szene« (kleines Foto). Das farbige Bild auf der Facebook-Seite steht im Internet für die Freiheit der Palästinenser.

Diese Facebook-Seite mit dem Siegel Mohammeds, das auch das zentrale Element der IS-Flagge ist, ist möglicherweise von einem Konvertiten aus Herford ins Netz gestellt worden. Die Polizei sieht den Ursprung der Seite »im Umfeld der Moschee-Szene« (kleines Foto). Das farbige Bild auf der Facebook-Seite steht im Internet für die Freiheit der Palästinenser. Foto: Moritz Winde

Von Christian Althoff

Herford (WB). Die Assalam-Moschee in Herford dient nach Informationen des Verfassungsschutzes jungen Salafisten aus Tschetschenien als Treffpunkt. Der Verein »Islamisches Zentrum Herford«, der die Moschee betreibt, beteuert dagegen, dort finde keine Radikalisierung statt.

Etwa ein Dutzend Salafisten sind der Polizei in Herford bekannt. Damit leben in der 65.000- Einwohner-Stadt doppelt so viele Salafisten wie im Bundesdurchschnitt.

Die Assalam-Moschee steht schon seit längerem unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden. Hier soll auch ein Teil der sechs Männer verkehren, die heute vor einer Woche in Herford Jesiden überfallen und verletzt haben. Alle Angreifer würden der salafistischen Szene zugerechnet, sagte gestern ein Polizist. Bei den Verdächtigen handelt es sich um einen deutschen Konvertiten (26) aus Herford, einen Tschetschenen (20) aus Hamburg, einen deutschen Herforder (20), einen Deutschen (25) aus Hiddenhausen, einen Russen (25) aus Herford und einen gebürtigen Tschetschenen (25), der jetzt Deutscher ist und ebenfalls in Herford lebt. Einer der mutmaßlichen Salafisten soll im Polizeigewahrsam um sich getreten haben, weil er seine Schuhe ausziehen sollte. Verletzt wurde niemand.

 Wie berichtet, werden zwei der sechs Männer vom Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln als Top-Salafisten eingeschätzt, darunter der Herforder Konvertit. Ein Vorstandsmitglied des Moschee-Vereins sagte gestern, er kenne die angeblichen Salafisten nicht. »Wir fragen aber auch niemanden nach seinem Namen. Bei uns sind alle Muslime willkommen.« Der Sprecher sagte, in der Assalam-Moschee würden keine radikalen Predigten gehalten. »Wir sind überhaupt nicht einverstanden mit dem, was im Irak passiert. Wir wollen in Frieden und Freiheit mit den anderen Religionen zusammenleben.«

»Die Zahl der Salafisten und Konvertiten nimmt extrem zu«

Können dem Moschee-Verein die salafistischen Aktivitäten, von denen die Polizei weiß, verborgen bleiben? Die Kripo geht beispielsweise davon aus, dass eine Facebook-Seite, die möglicherweise einem Konvertiten gehört, aus dem Umfeld der Moschee-Szene betrieben wird. Die Seite gehört angeblich einem Aslan Al-Almani (etwa »Der deutsche Löwe«) – ein Name, der wie der eines Konvertiten klingt. Es soll aber nicht jener sein, der an dem Überfall beteiligt war. »Aslan Al Almani« gibt an, aus Herford zu stammen und bis 2002 die Geschwister-Scholl-Realschule besucht zu haben.

»Die Zahl der Salafisten und Konvertiten nimmt extrem zu«, sagt Daniel Sieveke aus Paderborn, CDU-Mitglied und Vorsitzender des Innenausschusses im Landtag. 2012 ging der Verfassungsschutz noch von 500 Salafisten in NRW aus, heute sollen es dreimal so viele sein. »Und wir können niemanden daran hindern, nach Syrien zu reisen«, sagt der Abgeordnete. Insgesamt sollen etwa 400 Männer aus Deutschland für den »Islamischen Staat« kämpfen. Sieveke: »So gut wie alle muslimischen Gemeinden lehnen das ab. Sie fühlen sich unter Generalverdacht gestellt und empfinden die Salafisten als Bedrohung für das Ansehen ihrer Religion.«

Christian Dahm (SPD), Herforder Landtagsabgeordneter und Polizist, sagte, die Salafistenszene in Herford sei seit langem bekannt, die Stadt sei aber »keine Hochburg«. Er wolle aber trotzdem versuchen, das Präventionsprojekt »Wegweiser – gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus« nach Herford zu holen. Das im März gestartete Projekt, das bisher nur in Bochum und Bonn läuft, will den Einstieg junger Menschen in die gewaltbereite salafistische Szene verhindern. Dabei kümmern sich Betreuer vertraulich um Jugendliche.

Kommentare

Haben Hassprediger in der Moschee denn Auftrittsverbot?

Wenn die arabische Assalam-Moschee in der Ahmser Straße 85 und der dazugehörige Verein "Islamisches Zentrum Herford" dem Radikalsalafismus und dem Extremismus glaubhaft entgegentreten will, sollte er u.a. ein Auftrittsverbot für Hassprediger wie Pierre Vogel und Ibrahim Abou Nagie und andere dieser Ausrichtung aussprechen und dies auch öffentlich kommunizieren. Jede Einrichtung, jeder Verein, jede Organisation, Partei, jede Schule, auch der Sportbereich, auch Nachbarschaftsinitiativen, also alle, diejenigen, die insbesondere ihr jeweiliges Umfeld und Jugendliche konkret erreichen (können) und Jugendarbeit machen, müssen allein schon aus Eigeninteresse (Imagefragen) Aufklärungsarbeit leisten. Wenn in der Stadt "Lies!"-Stände mit der bekannten Verteilung kostenloser Korane aus der "Lies!"-Stifung von Abou Nagie durchgeführt werden, kann sich z.B. auch eine Vereinigung der Geschäftsleute und Kaufmannschaft mal dagegen verwehren, denn jeder fünfte Dschihadist, der ins Terrorgebiet nach Nordirak und Syrien ausreiste, war zuvor aktiv bei dieser "Lies!"-Kampagne. In Herford und in Bielefeld finden solche "Lies!"-Stände auch statt. In Bielefeld sogar jeden Samstag - und keiner protestiert oder macht Gegenaufklärung über diese gefährliche Sekte, die vom Verfassungsschutz immerhin beobachtet wird. Abou Nagie hat ein Lager in Herford für seine "Lies!"-Kampagne und die Medien nannten kürzlich noch die Zahl von 30-40 Radikalsalafisten in Herford. Vier Dschihadisten aus Herford sind bereits ausgereist. Einer davon, Sebastian B. (26), wurde im Januar 2015 in seiner Wohnung am Westring in Herford vom SEK (Sondereinsatzkommando der Polizei) verhaftet, da er im Terrorgebiet gewesen sein soll und wie man später erfuhr, auch zu den Angreifern auf den yezidischen Imbissbesitzer gehört haben soll. Er ist also mutmaßlich einer dieser Rückkehrer, die in der Szene wie Helden gefeiert werden. Radikalsalafisten nennen sich selbst natürlich nicht so, sie nennen sich Muslime und halten sich für die "wahren Muslime" und ihre abgedrehte Lehre und pervertierte Auslegung des Islams und des Korans betiteln sie auch als "Die wahre Religion". Alle anderen, auch andere Muslime, bezeichnen sie als "Ungläubige", als "Kuffar". Und darum sollten gerade friedliche Muslime (das sind 98 oder 99 %) auch engagiert gegen Radikalsalafisten Stellung beziehen und verhindern, dass sie ihre Religion und ihre Lebensweise und die Integrationserfolge, die viele Muslime aufweisen, in den Schmutz ziehen. Hier sind also klare Positionen und klare Handlungskonzepte gefragt, die öffentlich wahrnehmbar sein müssen. Auf diese Weise entsteht ein sinnvolles Miteinander und eine lebendige Zivilgesellschaft mit allen zusammen, in der Extremismus und Gewalt keinen Platz haben. Wenn man keine Experten und Expertinnen vor Ort hat, dann sollte und dann kann man solche einladen und sich unterstützen lassen. Eines ist klar - abwarten und hoffen, dass "es" vorbeigeht, ist keine Option. Hier müssen alle aktiv werden!

Zustimmendes Schweigen

"Ein Vorstandsmitglied des Moschee-Vereins sagte gestern, er kenne die angeblichen Salafisten nicht. »Wir fragen aber auch niemanden nach seinem Namen. Bei uns sind alle Muslime willkommen.«"

Genau das ist das Problem. Wenn die Moschee-Vereine Terroristen bei sich dulden und verstecken, dann machen sie sich mitschuldig. Diese dann noch als gute Muslime zu adeln, obwohl sie den Wesenskern des Islam verraten und beschmutzen, ist mehr als zynisch.

Die Ausreise nach Syrien und andere Länder braucht niemand zu verhindern. Die Rückkehr aber muß zwingend unterbunden werden. Wir müssen uns doch nicht die Terroristen freiwillig ins Land (zurück)-holen.

3 Kommentare

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