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Di., 29.12.2015

Fla-Fla-Aktivisten bauen die Nachtbar B 7 am Bahnhof zum Jugendzentrum um Ein Bordell wird entrümpelt

Simon Büscher (25), Vorstand des Trägervereins, räumt die alte Bar leer. Hier trägt er eine Box.

Simon Büscher (25), Vorstand des Trägervereins, räumt die alte Bar leer. Hier trägt er eine Box. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Alles muss raus: Seit Montag herrscht in der Nachtbar B 7 wieder Leben. Fla-Fla-Aktivisten haben begonnen, das Bordell in ein Jugendzentrum umzubauen. Erst einmal muss entrümpelt werden.

Ohne Mampf kein Kampf: Darum beginnt der frühe Montagmorgen mit einem gemeinsamen Frühstück. Knapp 20 Frauen und Männer haben sich noch vor dem Hellwerden an der Diebrocker Straße 2 getroffen, um mit anzupacken und um ihren Traum vom Eigenheim zu verwirklichen.

Obwohl die Arbeit einen zu erschlagen droht, ist die Stimmung prächtig. Alle strotzen vor Tatendrang. Die Freude auf die Zukunft ist groß. Ende 2016 sollen die ersten Partys steigen. Wenn alles glatt geht. »Eigentlich habe ich Schulferien. Das Fla Fla aber ist mein zweites Zuhause. Da ist es doch Ehrensache, dass ich mithelfe. Ich will doch ein Teil dieser neuen Ära sein«, sagt Kevin Stock.

»Eine Riesen-Chance«

Weil die Miete am jetzigen Fla-Fla-Standort an der Goebenstraße zu teuer für die Selbstverwalter wird, hat der Trägerverein – das ist der Verein zur Förderung von selbstbestimmter Jugend-, Sozial- und Kulturarbeit – das rote Backsteinhaus gegenüber dem Bahnhof gekauft. Zum ersten Mal in der 46-jährigen Geschichte ist das Jugendzentrum damit wirklich autonom. Nur der Kredit muss regelmäßig bedient werden. »Eine große Verantwortung und zugleich eine Riesen-Chance«, meint Student Simon Büscher. Der 25-Jährige findet es wichtig, dass es unkommerzielle Freiräume gibt, wo Platz für Kulturelles und Politisches ist und wo jeder willkommen ist. »Gerade in Zeiten von zunehmender rechter Gewalt.« Da die Stadt das Fla Fla finanziell nicht mehr fördert, ist man auf Spenden angewiesen. 

Aus dem alten Bordell B 7 wird das neue Jugendzentrum. Es liegt an der Diebrocker Straße 2. Foto: Moritz Winde

Durchgesiffte Unterlagen fliegen aus dem Fenster

Das zwielichtige Etablissement steht seit Jahren leer. Obwohl: »Leerstehen« trifft es nicht. Im Gegenteil: Fast das komplette Interieur hat der Vorbesitzer zurückgelassen. Auf drei Etagen und in Dutzenden Zimmern türmen sich Freudenhaus-Utensilien – vom Bett bis zum Lackschuh. Brauchbar ist fast nichts mehr. Auf dem Dachboden stapeln sich Matratzen. »Zieht bloß Handschuhe an«, warnt Sven Hoffmann, als er die durchgesifften Unterlagen aus dem Fenster schleudert. Was zu gefährlich ist, muss die engen Treppen herunter getragen werden. Und das ist eine Menge. Überall werden Wände abgestemmt, Bretter abgeschraubt und Kabel rausgerissen. Im neuen Fla Fla wird nichts mehr an das B 7 erinnern.

Nach zwei Stunden sind die XXL-Mulden voll. Kurze Pause, dann weiter. Zu tun ist genug. Infos zum Baufortschritt geben die Verantwortlichen auch regelmäßig auf ihrem Blog.

Kommentare

FLA FAL

oder BLA BLA, sind das nicht Linksautonome? Woher haben die so viel Geld?

1 Kommentare

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