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Do., 11.05.2017

Ausstellung über Protestkultur erinnert an den Herforder Jaguar-Club Den Beat nach Westfalen geholt

Von Security war noch nicht die Rede: Die Nähe zum Publikum genießt der Sänger der Easybeats, die 1967 zwei Mal zu Gast waren. Als Vorgruppe traten die Scorpions auf.

Von Security war noch nicht die Rede: Die Nähe zum Publikum genießt der Sänger der Easybeats, die 1967 zwei Mal zu Gast waren. Als Vorgruppe traten die Scorpions auf. Foto: Kommunalarchiv

Von Hartmut Horstmann

Herford (WB). Herford vor 50 Jahren: Einen magischen Frühling erlebten die Freunde der Beatmusik, als sich im damaligen Jaguar-Club Stars wie Jimi Hendrix, The Who und Cream die Ehre gaben.

Für Westfalen herausragend

Diese paar Wochen des Frühjahrs 1967 hatten es für die Herforder in sich. »Was dort passierte, war in Westfalen absolut herausragend«, sagt Dirk Bogdanski. Und er muss es wissen, denn als Mitarbeiter des Museums für Westfälische Literatur hat er sich intensiv mit dem Bereich Populärkultur beschäftigt. Das Museum, untergebracht im Haus Nottbeck in Oelde, widmet dem Jaguar-Club eine Ausstellung, die am Sonntag, 14. Mai, um 16.30 Uhr eröffnet wird.

Es geht um Protestkultur

Dass Herford vor fünf Jahrzehnten beatmusikalisch ganz vorne war, ist allerdings nicht der Grund, die Präsentation jetzt zu zeigen. Vielmehr ist sie ein Vorgriff auf das anstehende Jubiläum des kommenden Jahres: 50 Jahre 1968. Eine große Ausstellung ist hier für September geplant, und der Jaguar-Club dient gewissermaßen als Anheizer. Für die Veranstalter ist der Jaguar-Club ein Beispiel dafür, »dass man in Sachen Protestkultur in Westfalen nicht hinter dem Mond wohnte«. Und weil es bei Jugendkultur immer aufs Ganze geht, trägt die Ausstellung für Herford den Titel »We want to make a revolution«.

Carola Frauli gründete Club

Ob in Herford damals wirklich eine revolutionäre Situation vorherrschte, können nur die Zeitgenossen beurteilen. Doch wie dem auch sei: Von einer Aufbruchsstimmung lässt sich allemal reden. Und möglich wurde diese dank Carola Frauli, der Gründerin des Jaguar-Clubs. Viele Widerstände habe sie damals zu überwinden gehabt, erinnerte sie sich anlässlich ihres 90. Geburtstags: »Herford war so konservativ. Ich wundere mich, dass ich das als Frau überhaupt geschafft habe.«

Ehemaliges Kino

Auf den Namen Jaguar-Club war Carola Frauli gekommen, weil sie für ihre Söhne und deren Band »The Jaguars« Auftrittsmöglichkeiten suchte. Schnell erwies sich der Schützenhof als zu klein und die Beat-Mutter mietete das ehemalige Kino Scala an der Mindener Straße an, um es für Auftritte herzurichten. Von 1966 bis 1970 gaben sich im Jaguar-Club die Helden der Popkultur die Klinke in die Hand. Für die Veranstalterin, die für ihre »Jugendarbeit« den sicheren Job beim Finanzamt aufgegeben hatte, war das Konzert der Band Cream der absolute Höhepunkt: »Eric Clapton war einfach first class.«

»Jimi war sensibel«

Nicht gut in Form gewesen sei hingegen Jimi Hendrix, erinnert sich Frauli in ihrem Buch »Musikszene der 60/70er Jahre«. Der Musiker habe nach einer langen Tournee apathisch und ausgebrannt gewirkt. Dabei schätzte sie ihn sehr. Als im September 1970 die Nachricht vom Tod des Ausnahmegitarristen um die Welt ging, dachte sie: »Menschen, die im Showgeschäft bestehen wollen, müssen knallhart sein – und nicht so sensibel wie Jimi.« Die Ausstellung im Kulturhaus Gut Nottbeck ist vom 14. Mai bis zum 9. Juli zu sehen. Die Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertage: 11 bis 18 Uhr.

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