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Fr., 03.11.2017

Prozess vertagt – mutmaßlicher Täter aus Bad Oeynhausen in Psychiatrie Angriff auf Taxifahrer: Ist der Angeklagte schizophren?

Rechtsanwalt Georg Schulze spricht auf dem Gerichtsflur mit Angehörigen des Opfers.

Rechtsanwalt Georg Schulze spricht auf dem Gerichtsflur mit Angehörigen des Opfers. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Bielefeld/Herford/Bad Oeynhausen (WB). Bevor der Prozess gegen den mutmaßlichen Taxi-Schläger vor dem Landgericht Bielefeld am Donnerstag richtig losgehen konnte, war er schon wieder vorbei. Der Platz des Angeklagten, der vor zwei Jahren einen dreifachen Familienvater am Bahnhof Herford zum Pflegefall geprügelt haben soll, blieb leer.

Der 24-jährige Bad Oeynhausener, angeklagt wegen schwerer Körperverletzung, ist derzeit in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht.

Verteidiger Raban Funk überreichte dem Gericht kurz vor Beginn der Verhandlung eine knappe Erklärung des Krankenhauses Lübbecke. Darin heißt es, dass der Angeklagte seit dem 27. Oktober wegen einer »schweren Erkrankung« stationär behandelt werde und daher nicht verhandlungsfähig sei.

Eine Besserung des Gesundheitszustandes sei nicht absehbar. Unterzeichnet war der Brief vom Chefarzt des Medizinisches Zentrums für Seelische Gesundheit, Prof. Dr. Udo Schneider.

Posttraumatische Belastungsstörung?

Der Bielefelder Rechtsanwalt Georg Schulze, der die Ehefrau des Opfers als Nebenklägerin vertritt, wies darauf hin, dass »eine schwere psychische Erkrankung« keine Diagnose sei. Die 10. Große Strafkammer sah das genau so. Richter Bovenschulte sagte, dass es für das Fehlen keine hinreichende Entschuldigung gebe. Bevor er den Mann allerdings polizeilich vorführen lasse, nahm er zunächst Kontakt zur Klinik auf.

Nach einer dreiviertel Stunde erfuhren die Zuhörer – darunter viele Familienangehörige des 35-jährigen Taxifahrers –, was mit dem Bad Oeynhausener los ist.

Nach Auskunft der Ärzte leidet der 24-Jährige unter Schizophrenie, also Wahnvorstellungen. So fühle er sich nachts durch Licht auf dem Flur bedroht. Schuld soll eine posttraumatische Belastungsstörung sein.

Fraglich, wann Prozess weitergeht

Kann der Angeklagte deshalb nicht am Prozess teilnehmen? Das muss zunächst ein psychiatrisches Gutachten klären. Es ist fraglich, ob am Freitag, 10. November, verhandelt werden kann.

Verteidiger Raban Funk sagte: »Mein Mandant entzieht sich nicht absichtlich, sondern befolgt lediglich den ärztlichen Rat.«

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