Mo., 01.01.2018

Für den Herforder Unternehmer ist die umstrittene Kryptowährung digitales Gold Oliver Flaskämper: »Der Bitcoin kann scheitern, der Euro wird es«

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: imago

Herford (WB/ef). Für ihn hat die Internetwährung Bitcoin auf jeden Fall Zukunft, eher als Euro oder Dollar. Davon ist Oliver Flaskämper (45), Herforder Unternehmer und Betreiber von Deutschlands einziger Bitcoin-Börse, überzeugt, wie er im Gespräch mit Edgar Fels betont.

Herr Flaskämper, haben Sie schon einmal etwas mit Bitcoins bezahlt?

Oliver Flaskämper: Ja, früher sogar häufig. Allerdings ärgere ich mich heute über jeden Bitcoin, den ich ausgegeben habe. Als wir 2011 mit der Bitcoin-Börse starteten, war ein Bitcoin 15 Euro wert. Schnell waren es 20 Euro, dann kam der erste Crash. Es ging auf zwei Euro runter. Zu dieser Zeit, 2012, habe ich häufig in einer Berliner Kneipe meinen Deckel mit Bitcoins bezahlt. Der Wirt wollte das auch so. 30 Euro waren umgerechnet 15 Bitcoins. Heute sind die 15 Bitcoins etwa 180.000 Euro wert . Im Nachhinein: Schön doof.

Code ist nach heutigem Stand der Technik nicht knackbar

Wie muss man sich den Bezahlvorgang vorstellen? Bitcoin ist ja eine virtuelle Währung.

Flaskämper: Richtig, aber es gibt Münzen. Die sind allerdings nichts anderes als das Weitergeben des dort aufgeprägten, aber durch eine Folie verborgenen 51 Zeichen langen Passwortes aus Zahlen und Buchstaben. Damit kann ich auf einen Bitcoin-Betrag zugreifen, der auf einer ganz bestimmten Adresse liegt. Dieser Code ist nach heutigem Stand der Technik nicht knackbar. Es gibt mehr Kombinationen dieses Passwortes als Elementarteilchen in dem uns bekannten Universum. Jede digitale Geldbörse für ein Bitcoin-Konto, Wallet, braucht diesen privaten Schlüssel mit 51 Zeichen.

Der Bezahlvorgang läuft so: Der Wirt hat auf seinem Tablet eine App mit seiner Bitcoin-Wallet, einer Art digitalem Portemonnaie, installiert. Dort gibt er den Euro-Betrag ein, die App rechnet in Bitcoin um und zeigt einen QR-Code an. Diesen viereckigen Code fotografiere ich mit meinem Smartphone ab und ich habe somit die Bitcoin-Adresse, auf die ich den Betrag überweise. In wenigen Sekunden erscheint die Transaktion im Bitcoin-Netzwerk. Das war’s.

Erfolgreicher Unternehmer: Oliver Flaskämper.

Wie sinnvoll ist das Bezahlen mit Bitcoins angesichts des drastisch gestiegenen Kurses?

Flaskämper: Heutzutage mit Bitcoins noch zu bezahlen, macht keinen Sinn. Man zahlt ja auch nicht mit Gold. So wie ich Gold als Wertanlage etwa in meinem Tresor habe, habe ich Bitcoins als Anlage. Bitcoins werden auch nie eine staatliche Währung ersetzen. Ich sehe Bitcoins eher als digitales Gold mit Bezahloption. Hinzu kommt, dass Bezahlen mit Bitcoins relativ teuer geworden ist. Die Gebühr beträgt etwa zehn bis 15 Dollar. Kleinere Käufe lohnen nicht. Die Gebühr bekommt übrigens immer derjenige »Schürfer«, der die Transaktionen der letzten zehn Minuten zu einem Paket, dem Bitcoin-Block, geschnürt hat – als Dankeschön dafür, dass er dem Netzwerk seine Rechenkapazität zur Verfügung gestellt hat.

Kauf nur an der Bitcoin-Börse bit­coin.de möglich

Wie kann ich in Deutschland Bitcoins kaufen?

Flaskämper: Das geht nur bei uns an der Bitcoin-Börse bit­coin.de. Wir haben bisher quasi ein Monopol. Grundsätzlich dürfte jede Bank Bitcoins anbieten. Allerdings gibt es viele Kritiker, die den Verbraucher mit Blick auf eine Spekulationsblase davor warnen, Bitcoins zu kaufen. Auch wir warnen unsere Kunden: Wer in Bitcoins investiert, muss im schlimmsten Fall mit einem Totalverlust rechnen. Das gilt aber grundsätzlich wohl für jede Anlage. Eine Garantie, dass der Bitcoin morgen noch etwas wert ist, gibt es nicht. Aber es gibt auch keine Garantie, dass der Euro morgen noch etwas wert ist. Wer in Deutschland mit Bitcoins gewerblich handeln möchte, bedarf einer Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Wir haben die Erlaubnis, unseren Handelsplatz zu betreiben, mittelbar über die Kooperation mit unserer Partnerbank Fidor in München.

Zur Person

Oliver Flaskämper ist Gründer und Vorstand der Priority AG (zehn Mitarbeiter). Nach einer kaufmännischen Ausbildung gründete er seit 1998 gut ein Dutzend Firmen mit Internet-Geschäftsmodellen, darunter den Online-Preisvergleich Geizkragen.de und den Online-Gehaltsrechner nettolohn.de, mit adbutler.de eines der größten deutschsprachigen Affiliate-Netzwerke (Partnerprogramme) und das Seminar-Portal SemiGator.de. Seine Bitcoin.de ist Deutschlands bisher einziger regulierter Handelsplatz für die neue Internetwährung Bitcoin.

 

Wer besitzt Bitcoins?

Flaskämper: Dazu gibt es keine Statistiken. Man kann es auch nicht herausbekommen. Ebenso nicht, wieviele Bitcoin-Millionäre es gibt. Bitcoin.de hat gut 560.000 registrierte Nutzer. Aus vielen Gesprächen mit Kunden heraus kann ich sagen, dass hinter den Bitcoin-Käufern zu einem Großteil Leute stehen, die üblicherweise auch Gold kaufen – also Investoren und Privatanleger. Auch reiche Unternehmerfamilien schichten kleine Teile ihres Vermögens in Bitcoins um. Wer Anfang des Jahres für 1000 Dollar eingestiegen ist, wird sich sicher nicht geärgert haben. Eine Garantie, dass es so weitergeht, gibt es nicht.

Der Wert eines Bitcoins hat sich in den vergangenen Monaten vervielfacht! Ein Bitcoin war zuletzt über 20.000 Dollar wert. Vor einem Jahr waren es noch etwa 1000 Dollar. Wie kommt es zu dieser Entwicklung?

Flaskämper: Immer mehr Menschen begreifen die Endlichkeit in diesem System – also die Limitierung auf 21 Millionen Bitcoins. Das gibt den Menschen das Vertrauen, dass der Wert langfristig eigentlich nur steigen kann. Ich vergleiche das gerne mit dem Gemälde von Leonardo da Vinci, das kürzlich für 450 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt hat. Dies geschah im Vertrauen darauf, dass es nicht noch ein zweites gleiches Gemälde gibt. Alles um den Bitcoin herum ist inflationär.

Auf 21 Millionen Stück limitiert

Wer hat die Beschränkung auf 21 Millionen Stück festgelegt?

Flaskämper: Das war der Gründer der Bitcoins. Er hat die maximale Zahl in die Software, in den Algorithmus, programmiert. Jeder, der diese Software herunterlädt, installiert und damit online geht, stimmt dadurch auch der Limitierung von 21 Millionen zu. Man kann die Limitierung zwar ändern, schafft dadurch aber eine neue digitale Währung, für die man wieder Vertrauen aufbauen und Kunden gewinnen müsste. So aber garantieren mir die Millionen Nutzer von Bitcoin weltweit, dass es bei der Beschränkung von 21 Millionen bleibt. Niemand hätte Interesse an einer Entwertung durch eine Erhöhung der Anzahl von Bitcoins.

Manche sagen, ein Bitcoin könnte in Richtung eine Million $ gehen. Ist das realistisch?

Flaskämper: Das liegt an der persönlichen Vorstellungskraft. Wir leben in einer digitalen Welt, die immer vernetzter wird. Darin wird analoges Geld eher keine Zukunft haben, sondern freie Kryptowährungen und staatliche Währungen, die zunehmend auch digitaler werden. Wenn man sich nun vorstellt, dass alles digitale Gold – sprich Bitcoins – mal genau so viel wert sein werden wie alles analoge Gold auf der Welt – das übrigens in einen Würfel von 22 Meter Kantenlänge unter den Eiffelturm passen würde – dann müsste ein Bitcoin einen Wert von 500.000 Dollar haben. Wenn man ferner sagt, in der digitalen Welt geht alles schneller und Bitcoins könnten eines Tages einen Teil der staatlichen Währungen verdrängen, könnten vielleicht sogar als Goldersatz oder Leitwährung dienen und könnten von Unternehmen bei hohen Transaktionen eingesetzt werden, weil alles schneller als bei Banken geht – dann könnte es sein, dass die 500.000 Dollar nicht das Ende der Fahnenstange sein müssen. Dann könnten Bitcoins eines Tages noch mehr wert sein. Aber wie gesagt, das sind alles nur Annahmen und keine Prognosen.

Durch die extreme Wertentwicklung sind sicherlich viele Leute reich geworden. Alles Zocker?

Flaskämper: Was heißt Zocker? Ich kenne viele seriöse Menschen, die ihr Geld eher konservativ anlegen, die Gold mehr vertrauen als Aktien oder Anleihen. Sie haben Bitcoins gekauft – einfach weil sie an die mathematisch gesicherte Seltenheit von Bitcoins glauben. Zocker sind eher kurzfristig orientiert. Die meisten Leute, die ich kenne, wollen Bitcoins langfristig halten. Alles um die Kryptowährung herum ist aber inflationär. Wenn sich zum Beispiel morgen der Goldpreis verdoppelt, erhöht sich automatisch die Menge an Gold. Denn dann wird mit noch mehr Maschineneinsatz und Technik noch tiefer gegraben – weil sich die Förderung lohnt. Bei Bitcoins ist es so: Wenn sich morgen doppelt so viele Menschen am digitalen Schürfprozess beteiligen, ändert sich die Menge der neu hinzukommenden Bitcoins nicht. Denn durch den Algorithmus ist geregelt, wieviele Bitcoins neu auf den Markt kommen. Aktuell sind 16,5 Millionen Bitcoins im Umlauf. Derzeit kommen jeden Tag 1800 neue hinzu – durch den Algorithmus vorgegeben. Diese Menge halbiert sich alle vier Jahre. Im Jahr 2030 werden 98 Prozent oder 20,5 Millionen der 21 Millionen Bitcoins erreicht, 100 Prozent im Jahr 2140. Die Nachfrage steigt. Die starken Schwankungen muss man aber auch nervlich aushalten können.

Stimmen der Kritiker werden lauter

Wir haben den Euro, den Dollar, das britische Pfund — wieso brauchen wir eine digitale Währung wie den Bitcoin?

Flaskämper: Ich glaube, dass es gut ist, ein freies Marktgeld zu haben, wo keine Zentralbank und keine Regierung den Daumen drauf hat. Wo also Menschen nicht über die Geldmenge entscheiden können. Die Geschichte ist voll von Geschichten von Vertrauensverlusten in staatliche Geldsysteme. Dabei wurde Geld durch Inflation und Hyperinflation wertlos und eine Währungsreform war die Folge. Es ist daher gut, wenn es einen Gegenspieler zum staatlichen Geld gibt. Geld sollte nicht mehr ausschließlich Monopol des Staates, sondern sich im Wettbewerb gegen andere Systeme behaupten müssen. Kryptowährung wird staatliches Geld nicht verdrängen. Der Unterschied ist: Der Bitcoin kann scheitern, der Euro wird vermutlich scheitern.

Die ersten Staaten kündigen Widerstand an, dazu gehört Israel. Auch die Bankenaufsicht in Deutschland und die EU sehen die Bitcoin-Entwicklung kritisch. Was passiert, wenn Bitcoin verboten wird?

Flaskämper: Die Stimmen der Kritiker werden lauter. Es ist von Regulierung die Rede oder von Einhalt gebieten. Die Börsen, die mit Bitcoins handeln, kann man natürlich regulieren. Aber das dezentrale Netzwerk, das Internet, kann man nicht verbieten. Das wäre, als wenn man die Schwerkraft verbieten wollte. Ich sehe auch keine großen Verbotsdebatten in der Zukunft. Eine zu starke Regulierung macht auch keinen Sinn. Dann ginge das System in den Untergrund und die Staaten würden keine Informationen mehr erhalten. Wir bei Bitcoin.de sind einzige Anlaufstelle für Behörden in Deutschland. Täglich erreichen uns Anfragen zum Thema Bitcoin. Wenn es uns nicht mehr gäbe, gäbe es keine Anlaufstelle für die Behörden mehr. Es gäbe auch keine Möglichkeit, Bitcoins, die im Rahmen von Strafermittlungsverfahren beschlagnahmt wurden, wieder in Euro zu tauschen und dem Staat diese Gelder zuzuführen. Das ist bei uns schon etwa 20 Mal passiert. Bitcoin ist ein Energieträger. Der Bitcoin ist nicht besser, aber auch nicht schlechter als jedes andere Geld dieser Welt. Denn mit jedem Geld der Welt kann man gute, aber natürlich auch böse Sachen machen.

Der Vergleich zum Neuen Markt hinkt

Ist der Bitcoin eine Gefahr für das Währungssystem?

Flaskämper: Ich glaube nicht. Das wäre wohl erst der Fall, wenn Menschen keine staatlichen Währungen mehr nutzen würden. Bitcoin kann diese Funktion nicht einnehmen und ist wegen der Beschränktheit eher mit Gold zu vergleichen.

Kann die Blase platzen und zu einer Art Finanzkrise wie 2007 führen?

Flaskämper: Der Journalist Sascha Lobo schrieb kürzlich im »Spiegel« von einer strukturellen Blase, die bleibt. Das passt. Ich denke, es wird noch viele Blasen geben. Nur werden diese Blasen permanent bei neuen Höchstständen platzen. Wir werden wie in der Vergangenheit immer wieder drastische Kurskorrekturen haben, aber ich glaube, auch immer wieder neue Höchststände. Der Vergleich zum Neuen Markt hinkt. Hier haben viele neue Unternehmen kein Geld verdient. Bei Bit­coin spricht vieles dafür, sich wegen der mathematisch gesicherten Seltenheit als digitales Gold zu etablieren.

Sie sind Betreiber der einzigen deutschen Bitcoin-Börse. Können Sie Ihr Glück angesichts der Kursentwicklung eigentlich noch fassen?

Flaskämper: Also, ich habe in den vergangenen Monaten viele weitere graue Haare bekommen. Es ist verdammt anstrengend, und ich bin mir der hohen Verantwortung bewusst. Natürlich gab es etwas Schmerzensgeld, das will ich nicht verhehlen. Meine Rente war allerdings schon vor der Zeit mit den Bitcoins relativ sicher und ist jetzt vielleicht noch etwas sicherer geworden.

Kommentare

Bitcoin ist ein Energieträger?

Ein voller Benzintank ist ein Energieträger. Ein leerer Benzintank ist nutzloses Gewicht..
Im Bitcoin steckt viel Energie, mehrere 100 kWh, aber das macht ihn nicht zum Energieträger. Die hineingesteckze Energie ist weg, nicht rückholbar.
Wenn sie elektrische Energie in ein e-Auto pumpen, gibts zwei Möglichkeiten davon was zu haben. Entweder sie fahren, soweit sie damit kommen, oder sie nutzen die Akkus nur als Stromspeicher. Beim Entladen kriegen sie aber nicht die Energie zurück, die sie reingesteckt haben.
Gold hat neben dem Spekulationspreis auch noch einen realen Wert, es ist nämlich unverzichtbar bei der Produktion bestimmter Produkte in der Elektronikindustrie.

Solange weiterhin in allen Foren solche negativen und kurzsichtigen Kommentae unter jedem Bitcoinartikel stehen kann ich weiterhin keine Blase erkennen und die werden wohl weiterhin stark nach oben gehen.

Im Klartext, kaufen Sie Luft (entspricht gar nichts, ist unmateriell) und man wäre tierisch reich. In der Tat kann mann 100% im Nu verlieren.
Statt diesem « Digitalgold », kauft man Metallgold.

Lustig, der Drogenhändler glaubt an seine Drogen!

4 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5389297?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F