Fr., 12.01.2018

Herforder Beamtin beschwert sich über Aufnahmeritual Polizistin sollte Zwiebel essen

Roh nicht jedermanns Geschmack.

Roh nicht jedermanns Geschmack. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Herford (WB). Die Dienstgruppe »Berta« der Herforder Polizei hat ein Aufnahmeritual: Neulinge sollen eine rohe Zwiebel und Knoblauch essen. Eine Beamtin hat das abgelehnt – und sich beschwert.

Ein Behördensprecher bestätigte, dass die Dienstgruppe eine Feier veranstaltet habe. Dabei seien zwei neue Kolleginnen, die der Dienstgruppe zugewiesen worden seien, zu dem lange praktizierten Ritual gebeten worden.

Während eine Frau kein Problem damit gehabt habe, habe die andere sich geweigert und das Ansinnen als »ekelig« abgelehnt. »Damit war es dann aber auch gut. Die Frau ist zu nichts gezwungen worden«, sagte der Behördensprecher.

Versetzung beantragt

Die Polizistin fürchtet allerdings nach Angaben aus ihrem Umfeld Nachteile wegen ihrer Weigerung. Sie hat sich beim Wachleiter beschwert und ihre Versetzung zum Polizeipräsidium Bielefeld beantragt. Ob das nur wegen des Aufnahmerituals geschah oder andere Gründe hat, ist unklar.

In der Behörde wird geprüft, ob Vorgesetzte, die an der Feier teilgenommen haben, gegen Vorschriften verstoßen haben. Das soll nach vorläufiger Einschätzung aber nicht so sein.

»Aufnahmerituale sind nirgendwo bei der Polizei vorgesehen«

Herforder Polizisten bewerten den Fall unterschiedlich. Einer sagte dem WESTFALEN-BLATT, man solle die Sache nicht überbewerten: »Da wird eine Mücke zum Elefanten gemacht.« Ein anderer meint, Aufnahmerituale seien grundsätzlich nicht mehr zeitgemäß.

Victor Ocansey, Sprecher des Landesamts für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei: »Aufnahmerituale sind nirgendwo bei der Polizei vorgesehen. Niemand darf irgendeinen Schaden nehmen, hier sind Ethik, Fürsorge und Kollegialität gefragt. Das sind Themen, die in der Aus- und Fortbildung hohe Bedeutung haben.

Niemand darf in eine Situation geraten, in der er sich durch Gruppenzwang genötigt sieht.« Trete so ein Problem auf, gebe es in jeder Behörde Ansprechpartner, um Hilfe zu bekommen.

Grenzen nicht überschreiten

Lothar Hellfritsch, früherer Präsident des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen: »Aufnahmerituale dienen der Teambildung. Allerdings muss man schauen, um welches Ritual es geht. Wenn neue Spieler beim FC Bayern etwas vorsingen müssen, ist das in Ordnung.

Rituale, die als eklig empfunden werden, überschreiten die Grenze. Gerade im beruflichen Umfeld stehen Menschen dann unter dem Zwang, etwas widerwillig zu tun oder aber nicht dazuzugehören.«

Kommentare

vielleicht

leidet die Polizistin genau unter dieser Presse, weil sie sich gar nicht an die Presse gewandt hat und sie das auch gar nicht möchte. aber genau weil sie es auf den Dienstweg gebracht hat, haben leider "Kollegen" die Presse informiert. Vielleicht sollte man hier auch keine Verurteilung der Polizistinmachen. Es liegt bestimmt nicht an dem Essen einer Zwiebel. Es wird andere Umstände gegeben haben, warum die Polizistin sich beschwert hat. Es ist ja schon verwunderlich, das so ein Aufnahmeritual seit Jahren laut Presse bekannt ist und geduldet wird. Vielleicht sollte der Herr Ocansey die Polizistin ml fragen, wie es wirklich war und nicht wie es in der Presse steht.

Die Polizei Bielefeld kennt keine Aufnahmerituale!

Als Polizist in Bielefeld, der seinen Eid auf das Grundgesetz abgelegt hat und sich die Fähigkeit zu Mitgefühl und Offenheit bewahrt, verwehre ich mich gegen die unlautere Unterstellung von Aufnahmerituale bei der Polizei Bielefeld!

Vielleicht

...sollte diejenige ihre Beschwerde einfach nur über den Dienstweg nach oben reichen und tunlichst diese Presse vermeiden...dann wäre ihr Leben ab jetzt noch etwas erträglicher als das, was sie jetzt dadurch angerichtet hat...

vielleicht

hatte diese Polizistin Humor, aber der Artikel ist nicht zu Ende recherchiert und stellt nur die Sichtweise eines Angehörigen der Behörde da. Vielleicht sollte man mal hinterfragen, warum jemand was nicht ißt und wie die Umstände waren, wie die Polizistin das "Essen" zu sich nehmen sollte.

Diw weis noch nicht, was in Bielefeld auf sie zukommt!

wenn

diese Frau Polizistin etwas Humor gehabt hätte, dann hätte sie sagen sollen, lieber "Gastgeber" bitte vormachen, und außerdem finde ich es schlimm, dass diese Person sich an die Öffentlichkeit wendet.

6 Kommentare

Sicherheits-Text:*

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5417730?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F