Fr., 09.02.2018

Martin Heckmanns erlebt in Japan die Aufführung eines seiner Stücke Wenn das Publikum bei Witzen nicht lacht

Theaterautor Martin Heckmanns (46) bei einem Besuch in Herford: Besondere Erfahrungen mit einem seiner Stücke hat er in Japan gemacht.

Theaterautor Martin Heckmanns (46) bei einem Besuch in Herford: Besondere Erfahrungen mit einem seiner Stücke hat er in Japan gemacht. Foto: Hartmut Horstmann

Von Hartmut Horstmann

Herford (WB). »Big in Japan« heißt der größte Hit des in Herford geborenen Sängers Marian Gold. »Big in Japan« war jetzt auch ein anderer Herforder: Ein Stück des Dramatikers Martin Heckmanns wurde in Tokio gespielt.

»Mein Herz ist rein«

Auch wenn die Texte des Theaterautoren mittlerweile in bis zu 20 Sprachen übersetzt sind, war die Tokio-Erfahrung für ihn etwas Besonderes. Der 46-Jährige, der am Friedrichs-Gymnasium Abitur gemacht hat, sagt über die japanische Premiere von »Mein Herz ist rein«: »Ich habe gemerkt, wie sehr kulturelle Unterschiede die Wahrnehmung von Komik beeinflussen.« An vielleicht zwei Stellen hätten die Zuschauer in Tokio gelacht. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Komödie und Gesellschaftssatire.

Deutsche machen sich zum Affen

Ganz anders war es in Bukarest, wo Martin Heckmanns ebenfalls eine Aufführung sah. In Rumänien habe das Publikum große Freude daran gehabt, »Deutsche zu sehen, die sich zum Affen machen«, meint der Autor. Die Deutschen gelten dort als dominant, sie auf der Bühne anders zu erleben, bereite besondere Lust.

Der Kontakt nach Tokio war über die Übersetzerin Shino Nagata zustande gekommen, die Heckmanns in Berlin kennengelernt hat.  Die Regisseurin Yuna Koyama hat die japanische Übersetzung des Stückes in Tokio zur Aufführung gebracht. Insgesamt zehn Mal wurde »Mein Herz ist rein« ab Mitte Dezember gespielt.

Nur positive Rezensionen

Eine der Herausforderungen ergibt sich für Martin Heckmanns aus der  Sprache: »Ich hatte überhaupt keine Vorstellung, wie das Stück im Japanischen klingt.« Bekräftigt wurden mögliche Vorbehalte, als der Autor fragte, ob die Witze auch in der Übersetzung rüberkämen: »Die  Übersetzerin fragte zurück: Welche Witze? Und da wusste ich, dass etwas schiefgelaufen war.« Damit meint der Dramatiker nicht die Übersetzung, sondern stellte sich die Frage, inwieweit sein Humor für Japaner nachvollziehbar ist.

Die Aufführung selbst in einer fremden Sprache empfand Heckmanns als »präzise und gut«. Auch seien alle Rezensionen positiv ausgefallen. Aber darauf kann sich der Wahl-Berliner nach eigener Einschätzung nichts einbilden: »In Japan Kritik zu äußern, gilt wohl als ungehörig.«

»Lassen Sie es raus!«

Womit er beim Thema wäre. In dem Stück »Mein Herz ist rein« treffen sich Eltern, um über ein freizügiges Video ihrer Teenager-Kinder zu sprechen. Hanne, eine katholisch geprägte Steuerberaterin, ist entsetzt. Es kommt zum Streit, in dessen Verlauf der Womanizer Wolfgang den Therapeuten Ludger mit Wein bespritzt. Dieser kontert mit der Aufforderung: »Ja, lassen Sie es raus! Die Wut, die Frustrationen, die Verlust- und die Versagensängste.«

Dieses »Lassen Sie es raus!« passe nicht zur Mentalität der Japaner, hat Heckmanns erfahren. Daher werde vieles aus dem Stück nicht als komisch empfunden. Gewinn hat der Dramatiker aus der Japan-Erfahrung dennoch gerade wegen der Fremdheit gezogen. Indem ihm die eigene kulturelle Prägung bewusst wurde, merkte er: »Meine Stücke sind immer moralisch.« In Japan hingegen gebe es kaum gesellschaftskritisches Theater. Für den Dramatiker entsteht daraus der Wunsch: »Ich will mich von moralischen Verpflichtungen freimachen und näher an den Figuren sein.«

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