Mi., 14.02.2018

Andreas Sawadski macht Umschulung zum Zerspanungsmechaniker »Ich will nicht von Hartz IV leben!«

Andreas Sawadski (Mitte) hat es gewagt und macht mit 39 Jahren noch eine Umschulung. Mit ihm freuen sich (von links) Landrat Jürgen Müller, Geschäftsführer der Jobbörse Klaus Binnewitt, Arbeitsagenturchefin Frauke Schwietert sowie die Integrationsfachkräfte Katharina Beims und Olaf Müller.

Andreas Sawadski (Mitte) hat es gewagt und macht mit 39 Jahren noch eine Umschulung. Mit ihm freuen sich (von links) Landrat Jürgen Müller, Geschäftsführer der Jobbörse Klaus Binnewitt, Arbeitsagenturchefin Frauke Schwietert sowie die Integrationsfachkräfte Katharina Beims und Olaf Müller. Foto: Bärbel Hillebrenner

Von Bärbel Hillebrenner

Herford (WB). Mit 37 Jahren noch mal die Schulbank drücken? Praktika machen und Prüfungen absolvieren? Mit sehr wenig Geld eine fünfköpfige Familie ernähren? Andreas Sawadski hat sich dieser Herausforderung gestellt und macht in seinem Alter noch eine zweijährige Umschulung.

»Ich will nicht von Hartz IV leben und mein Leben lang jeden Euro umdrehen«, sagt der heute 39-jährige Bünder. Mit 16 kam er Mitte der 90er Jahre aus Kasachstan, sprach kein Deutsch, schaffte aber immerhin den Hauptschulabschluss. Nach einer Lehre als Kfz-Mechaniker für Lkw und Bundeswehrzeit war seine berufliche Laufbahn erst mal beendet. »Ich hatte ja keine Berufserfahrung, bekam also keinen Job, obwohl ich über 100 Bewerbungen geschrieben habe.« Schließlich ging er befristete Arbeitsverträge als Maschinenbediener ein – auch unbefriedigend. Heirat und zwei kleine Kinder zerrten an der finanziellen Situation – Schichtarbeit tat ihr Übriges. »Ich sah meine Kinder kaum noch, das war schrecklich.«

Job mit guter Perspektive

Als er 2015 erneut arbeitslos wurde, wollte er diesen Kreislauf durchbrechen und eine zweite Ausbildung beginnen. »Obwohl das dritte Kind unterwegs war, hat meine Frau diesen Wunsch unterstützt, denn wir hatten zwei Jahre mit sehr wenig Geld vor uns«, sagt Andreas Sawadski. Jetzt steht er schon vor den Prüfungen. »Und wenn ich die bestehe, bin ich Zerspanungsmechaniker, ein toller Job.«

Und einer mit guten Perspektiven. »Berufe aus dem verarbeitenden Gewerbe sind sehr gefragt. Und es werden viele Fachkräfte gesucht«, erklärt Olaf Müller, der beim Jobcenter für die Integration in den Arbeitsmarkt zuständig ist. Er hat täglich mit Menschen zu tun, die aufgrund ihrer mangelnden oder gar fehlenden Berufsausbildung keine Arbeit haben. »Mit dem Schulabschluss und einer Lehre aber wird die Basis für die Zukunft gelegt«, ergänzt Klaus Binnewitt, Geschäftsführer des Jobcenters. 63 Prozent der Hartz-IV-Empfänger hätten keine Lehre gemacht, 21 Prozent nicht mal die Schule beendet.

Fördern und ausbilden

So ist 2017 die Zahl der Arbeitslosen, die Geld für ihre Grundsicherung bekommen, um 2,2 Prozent gestiegen; Ende Dezember waren es im Kreis Herford 17.831, darunter jedoch 5252 Kinder unter 15 Jahren. Ein gutes Ergebnis erzielte das Herforder Jobcenter mit der Rückführung in die Arbeitswelt. Binnewitt: »Innerhalb eines Jahres konnten 3073 Hartz-IV-Bezieher in Jobs vermittelt werden.«

Und wenn die Konjunktur so stabil bleibe, hätten Langzeitarbeitslose gute Chancen. »Unser Augenmerk richtet sich nicht nur darauf, den Lebensunterhalt dieser Menschen zu sichern. Wichtiger ist, sie zu fördern und in Aus- und Weiterbildung zu investieren. Dass sich das lohnt, muss auch bis in die Köpfe der Arbeitslosen dringen«, so Binnewitt.

Nach der Durststrecke die Belohnung

Das aber erfordert von den Betroffenen Mut, Motivation und Selbstvertrauen – so wie es Andreas Sawadski gezeigt hat. »Ich habe mit meiner Frau, aber auch mit den Eltern lange beraten, ob und wie wir die schwierige Zeit der finanziellen Enge überstehen können. Ich hatte für meine fünfköpfige Familie oft nur 1400 Euro übrig.« Davon soll man sich trotzdem nicht abschrecken lassen, denn die Integrationsfachkräfte des Jobcenters unterstützen die Umschulung, helfen bei der richtigen Berufswahl. Sawadski: »Am Ende der Durststrecke wird man mit einem Job belohnt. Besser geht’s doch nicht!«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5521840?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F