Do., 15.02.2018

Recycling-Designpreis: Juror Oliver Schübbe stellt Konzept eines besonderen Stuhls vor Die Zukunft ist ein Kreislauf

Jury-Mitglied Oliver Schübbe neben dem Stuhl des Berliner Produktdesigners Johann Bödecker: Die Marta-Ausstellung ist bis zum 22. April zu sehen.

Jury-Mitglied Oliver Schübbe neben dem Stuhl des Berliner Produktdesigners Johann Bödecker: Die Marta-Ausstellung ist bis zum 22. April zu sehen. Foto: Hartmut Horstmann

Von Hartmut Horstmann

Herford (WB). 500 Besucher bei der Ausstellungseröffnung, zahlreiche Beiträge in den überregionalen Medien: Sehr zufrieden mit der Entwicklung des Marta-Recycling-Designpreises ist der Herforder Oliver Schübbe. Der Designer stellt sich im Augenblick die Frage, in welche Richtung sich der Preis weiterentwickelt.

Sitzschale mit Komfort

Eine wichtige Rolle in den Überlegungen spielt ein unspektakulär wirkender Stuhl namens Air Tool. Zwar verspricht die Sitzschale einigen Komfort, doch räumt Jurymitglied Oliver Schübbe ein, es habe bei der Auswahl einige Diskussionen gegeben. Ein Vorbehalt ergab sich aus den verwendeten Materialien wie Kunststoff oder Aluminium, aus dem die Metallteile geschmolzen sind. Hier stellt sich aus Sicht der Jury die Frage, wie ökologisch die Herstellung ist. Und vom Design her handele es sich nicht unbedingt um einen revolutionären Entwurf, meint Schübbe – wissend, dass die Sitzschale zeitgemäßen ergonomischen Anforderungen genügt.

Komponenten sortenrein getrennt

Dass der Stuhl dennoch in der Marta-Ausstellung auftaucht, hat nicht mit der Vergangenheit, sondern mit der Zukunft des Möbels zu tun. Dieses bestehe aus drei verschiedenen Materialien, wobei die Komponenten sortenrein getrennt seien, so Schübbe. Woraus folgt: Ist ein Teil des Stuhls kaputt, kann dieses Teil einfach recycelt werden: »Eine thermische Verwertung, die die Umwelt belastet, ist nicht mehr notwendig.«

Der Stuhl stammt aus der Kollektion des Berliner Produktdesigners Johann Bödecker und seiner Firma Pentatonic. Zwar ist es auch bei deren Produkten möglich, kaputte Elemente auszutauschen, auch gab es in der Autoindustrie schon mal eine Abwrackprämie, um alte Fahrzeuge lukrativ zu verschrotten: Was bei den Air-Tool-Produkten jedoch hervorsticht, ist die Radikalität. Wer sich auf den Pentatonic-Kosmos einlässt, wird Teil eines Kreislaufs. Jede einzelne Komponente kann der Kunde an die Firma zurückgeben, Ersatzteile werden vorgehalten und aus dem Zurückgesendeten entsteht erneut Recycling-Material – und zwar vollständig.

Unsterblichkeit der Dinge

Ausgehend von den bereits vorhandenen Materialien, träumt der Designer so von einer Zukunft, »in der sich die Menschen nicht mehr auf Neuware verlassen müssen«. Sie hätten schon genug Kunststoff, Glas und Metall produziert.

Bödeckers auch wirtschaftlich erfolgreicher Recycling-Beitrag enthält so die Vision, dass nichts verloren geht – eine Art Unsterblichkeit der Dinge.

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