Sa., 24.02.2018

Großaufgebot in der Herforder Innenstadt unterwegs – Reaktion auf Gewaltdelikte Polizei jagt junge Schläger

Polizisten in Zivil durchsuchen zwei junge Männer auf dem Münsterkirchplatz. Hier war vor kurzem ein Mann brutal zusammen geschlagen worden.

Polizisten in Zivil durchsuchen zwei junge Männer auf dem Münsterkirchplatz. Hier war vor kurzem ein Mann brutal zusammen geschlagen worden. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Die Polizei macht mobil gegen junge Schläger: Mit einem Großaufgebot von zivilen und uniformierten Kräften sowie Hundeführern ist die Behörde am Freitagabend in der Innenstadt im Einsatz gewesen – eine Reaktion auf die Gewaltdelikte der vergangenen Wochen.

Hemmschwelle der Täter ist gering

Eine Jugendgang sorgt seit längerem in der City für Ärger. Seit Weihnachten gab es mit Einbruch der Dunkelheit mindestens sieben Raube und knapp zehn Körperverletzungen und Nötigungen. Die Hemmschwelle der Täter ist gering. Sogar auf am Boden Liegende wird brutal getreten. Klar, dass die Verunsicherung bei vielen groß und das Sicherheitsgefühl im Keller ist. Denn die Kriminellen suchen sich ihre Opfer wahllos aus. Es könnte also jeden treffen.

Wer sind die Schläger? Die Straftaten sollen auf das Konto junger Männer gehen, die zwischen 16 und Anfang 20 sind. Die meisten von ihnen sollen laut Polizei südländisch aussehen und dunkle Kleidung sowie Kapuze oder Käppi tragen. »Es sind Jungs, die am Rande der Gesellschaft stehen, die keine Richtschnur, keine Zukunftsperspektive haben. Sie lungern in der Stadt herum und machen sich einen Spaß daraus, wehrlose Opfer anzumachen«, sagt Rainer Koch. Bei vielen handelt es sich um die dritte Gastarbeiter-Generation, deren Integration offenbar gescheitert ist.

Taten spürbar gesunken

Koch leitet die Herforder Wache und hat sich vier Monate vor seiner Pensionierung auf die Fahnen geschrieben, diesem kriminellen Treiben Einhalt zu gebieten. In den letzten Wochen patrouillierten verstärkt Beamte in der Innenstadt – und erzielten erste Erfolge. Mehrere Jugendliche seien festgenommen, zudem seien Dutzende kontrolliert worden. »Wir wollen klare Signale setzen. Dies ist kein rechtsfreier Raum«, sagt der Erste Polizeihauptkommissar. Der Positiv-Effekt: Die Anzahl der Taten ist schon zurückgegangen, tendiert gegen Null. Der Druck auf die Bande steigt.

Normalerweise ist die Verfolgung von Straftaten und ihrer Verhütung Kernaufgabe der Kripo. Doch da die Abteilung kaum freie Kapazitäten hat, waren am Freitagabend normale Streifenpolizisten unterwegs – eine Kraftanstrengung. Koch: »Meine Leute opfern dafür ihre Freizeit.« Dabei schieben die Polizisten ohnehin schon haufenweise Überstunden vor sich her.

Massiver Personalabbau bei der Polizei

Es zeigt, wie ausgebrannt die Polizei Herford ist. Kein Wunder: 2002 gehörten noch 365 Mitarbeiter zur Behörde, heute sind es gerade noch 305. Landrat Jürgen Müller stellte dazu recht frustriert fest: »Es fehlt an Personal.« Doch bis neue Polizisten ausgebildet sind, vergehen noch Jahre. Das Problem kann Müller demnächst mit Herbert Reul persönlich besprechen. Im März soll der NRW-Innenminister der Polizei Herford einen Besuch abstatten.

Die Bezirksdienstbeamten Anke Theisen und Frank Krummacker gehen am Abend durch die Bäckerstraße. Foto: Moritz WInde

Kommentare

Fragwürdige Schlussfolgerungen

Ich hoffe, dass die Täter geschnappt werden und dann vor ein Jugendstrafgericht kommen. Fragwürdig sind dennoch ein Teil der Ausführungen der Polizei und des WB-Redakteurs:

1. Im Alter zwischen 16 und 20 hat man immer noch eine Zukunftsperspektive. Es wäre dann ggf. auch Aufgabe des Jugendstrafrechts, diese Perspektive den Tätern wieder nahezubringen. Vermutlich im Rahmen eines Gefängnisaufenthalts.

2. Schlussfolgerungen auf das Scheitern von Integration lassen sich aus dieser Form von Verwahrlosung und Jugendkriminalität so sicher nicht einfach schließen. Für solche Schlussfolgerungen müsste man jawohl sehr viel mehr über die Täter und ihre Hintergründe wissen als bislang.

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