Fr., 02.03.2018

Flüchtlingsbetreuer versammeln sich vor Zentraler Unterbringungseinrichtung »Wir wollen unseren Job zurück«

14 der 17 Betreuungshelfer, die ihren Job verloren haben, versammelten sich am Donnerstag vor der ZUE.

14 der 17 Betreuungshelfer, die ihren Job verloren haben, versammelten sich am Donnerstag vor der ZUE. Foto: Ralf Meistes

Herford (WB/ram). 14 Flüchtlingsbetreuer haben sich am Donnerstag um 8 Uhr vor dem Tor der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in der Saarstraße versammelt. In jener Einrichtung haben sie bis vor wenigen Tagen selbst noch gearbeitet. Doch dann gab es einen Betreiberwechsel – und seitdem stehen sie auf der Straße.

Seit Donnerstag wird die ZUE von der Weberhaus Nieheim gGmbH betrieben. Die Tochterfirma des Paderborner Kolpingwerks hatte den bisherigen Betreuern mit dem Argument gekündet, dass man künftig in der ZUE weniger Personal benötige, das zudem noch über andere Qualifikationen verfügen solle.

Verdi übt Kritik

Die Gewerkschaft Verdi kritisiert hingegen, dass der Betreiberwechsel auf Kosten der bisherigen Mitarbeiter gegangen sei. Das Personal, das Weberhaus Nieheim beschäftige, werde nicht zu den Konditionen des Verdi-Tarifvertrages bezahlt. Für Verdi handelt es sich bei dem Betreiberwechsel um einen Betriebsübergang, der eben nicht zu einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses führe. Deshalb wolle man Klageverfahren einleiten.

»Die Mitarbeiter sind heute Vormittag noch einmal vor der ZUE erschienen, um ihre Arbeitskraft anzubieten. Darüber ist auch das Kolpingwerk informiert worden«, stellte Verdi-Sekretär Jens Ortmann klar.

Einen ähnlichen Fall gab es bereits in der Flüchtlingsunterkunft Oerlinghausen. Das Arbeitsgericht Detmold entschied, dass es sich um einen Betriebsübergang gehandelt habe und die Mitarbeiter zu den bisherigen Bedingungen weiterbeschäftigt werden müssen.

Bitter enttäuscht

Für Badrie Elzein ist das ein Schlag ins Gesicht. Sie ist seit den ersten Tagen als Betreuerin in der Flüchtlingsunterkunft tätig. »Wir haben hier in den mehr als zwei Jahren etwas aufgebaut. Vor allem in der Anfangszeit, als hier bis zu 800 Flüchtlinge untergebracht waren, mussten wir echte Aufbauarbeit leisten. Und als Dankeschön setzt man uns jetzt vor die Tür«, sagt die junge Frau.

Wie 16 weitere Betreuer will sie das nicht einfach so hinnehmen: »Wir wollen unseren Job zurück.« Deshalb das Treffen um 8 Uhr morgens bei Minus 10 Grad. Enttäuscht ist auch Serdal Yilmaz. Auch er arbeitete mehr als zwei Jahre in der Zentralen Unterbringungseinrichtung.

»Hier gab es ein funktionierendes Team. Ich kann nicht verstehen, warum wir jetzt zum Teil durch Leute ersetzt werden, die weder die Einrichtung kennen, noch die Menschen, die seit einigen Monaten hier leben«, sagt er. Die Gruppe der 17 Kollegen, die mit ihrer Kündigung nicht einverstanden sind, bildet auch ein großes sprachliches Spektrum ab. »Einige von uns sprechen Arabisch, Türkisch, Kurdisch, viele Englisch. Eine kann sogar Mongolisch«, sagt Yilmaz.

Das sagt Kolping

Das Kolpingswerk Paderborn wehrt sich gegen die Verdi-Vorwürfe. In einer Stellungnahme heißt es: »Wir zahlen nach einer kirchlichen Vergütungsrichtlinie, die sich im pädagogischen Bereich am öffentlichen Dienst orientiert und für die hauswirtschaftlich Angestellten auf den Tarifvertrag für das Hotel- und Gaststättengewerbe verweist. Es ist für uns selbstverständlich, dass auch im harten Ausschreibungswettbewerb gutem Personal eine angemessene Vergütung zusteht.«

Dass nicht alle Mitarbeiter übernommen werden konnten, begründet der Träger so: »Die Einrichtung wurde von 600 auf 500 Plätze verkleinert. Außerdem gab es eine neue Leistungsbeschreibung hinsichtlich der Mitarbeiterqualifikationen. Wir müssen uns an formal vorgegebene Kriterien halten und sind darüber hinaus auch unseren eigenen Standards verpflichtet.« Dazu gehöre es, dass die Mitarbeiter in den Bereichen der sozialen Betreuung, der Kinderbetreuung und des Sanitätsdienstes über einen ihrer Tätigkeit entsprechenden Berufsabschluss verfügen sollten, heißt es.

 

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